USA

Berühmt wie Filmstars: Die Insel-Bisons von Catalina Island

dpa

Von dpa

Mo, 01. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Panorama

Im Film ziehen Büffel durch die Weiten der amerikanischen Prärie. Aber auf einer kargen Insel vor Los Angeles ist die einzige freilebende Bisonherde der Welt zu Hause.

AVALON (dpa). Ihre Vorfahren sollten Filmstars werden. Aber dann kam es anders für die Bisons auf Catalina Island. Die Szene, für die 1924 eigens 14 Tiere vom US-Festland auf die Insel vor Los Angeles verschifft worden waren, kam letztlich gar nicht in den Film "The Vanishing American". Doch die Bisons sind geblieben. Heute sind es 120. Als einzige freilebende Insel-Herde der Welt sind sie zu einem Tourismusmagneten geworden. Zwischen Los Angeles und Catalina Island liegen nur etwa 35 Kilometer. "Hier legen an vier bis fünf Tagen die Woche große Ausflugsschiffe an. Andere Besucher kommen mit ihren eigenen Booten oder fliegen her", berichtet Frank Galea. Als Direktor des privaten Naturschutzreservats vor Ort ist er unter anderem für das Wohl der Bisons zuständig.

Die Bisons, die nach ihrem Beinahe-Auftritt auf der Insel zurückblieben, vermehrten sich schnell. Um die genetische Vielfalt zu erhöhen, wurden in den folgenden Jahrzehnten sogar noch Dutzende der Tiere importiert. Nachdem das Naturschutzreservat 1972 gegründet worden war, musste es zeitweise bis zu 600 Bisons managen. Viel zu viele. Denn ohne natürliche Feinde durchkämmten die Büffel die Insel auf der Suche nach Futter und Wasser und trampelten dabei viele heimische Pflanzen nieder.

"Die Einwohner hatten sich aber längst an die Tiere gewöhnt", sagt Galea. Also wurde ein Kompromiss gesucht. Ein wissenschaftliches Gutachten ergab, dass die Insel langfristig 150 bis 200 Bisons vertragen kann. Also wurden von 2002 bis 2004 Hunderte von ihnen aufs Festland zurückverschifft, in Reservate der indianischen Ureinwohner nach North und South Dakota. Dort wollen verschiedene Sioux-Stämme Bisons wieder ansiedeln. Denn nachdem riesige Büffelherden das nordamerikanische Festland Jahrtausende lang durchwandert hatten, waren von den Tieren am Ende des 19. Jahrhunderts kaum noch welche übrig.

Ein Umsiedeln der Bisons bringt auch Probleme. "Es kostet zum einen viel Geld", sagt Galea. Zum anderen haben sich Bisons vielerorts aber auch mit Hausrindern gepaart. "In den Indianer-Reservaten will man solche Tiere nicht aufnehmen." Auch bei einem Teil der Bisons von Catalina Island sind Spuren des Erbmaterials von Hausrindern nachzuweisen. "Unsere Tiere sind kleiner und nicht so robust wie die Bisons, die in den großen Ebenen leben", sagt Galea.

Seit 2009 gehen die Naturschützer neue Wege: Langzeit-Empfängnisverhütung für die Bisonkühe, über Pfeile verabreicht. Seitdem gab es keinen neuen Nachwuchs. Aber da alte Tiere sterben, wird damit nun pausiert. "Jetzt hoffen wir auf nächstes Frühjahr. Und neue Bisonkälber", sagt Galea.