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02. August 2012

Broadway statt Boxring

Der skandalumwobene frühere Weltmeister Mike Tyson feiert mit einer Ein-Mann-Show über sein Leben in New York Premiere.

  1. Hier zeigt der eiserne Mike Tyson seine weiche Seite: Er hat ein Faible für Tauben. Foto: Fotos: dpa

  2. Nichts als die Wahrheit verspricht der Titel der Show – es ist natürlich Tysons Wahrheit. Foto: dpa

NEW YORK (dpa). Drogen, Sex, Alkohol, Geld, Gefängnis – und dazwischen immer wieder aufsehenerregende Sporterfolge: Das Leben des Ex-Boxchampions Mike Tyson glich lange einer Achterbahn. Jetzt hat der frühere Schwergewichtsweltmeister am Broadway ein umjubeltes Theater-Debüt gefeiert. Mit der Ein-Mann-Show "Undisputed Truth" ("Unbestrittene Wahrheit") über sein schillerndes Leben erntete er am Dienstagabend großen Applaus.

Gleich zu Anfang stellt Mike Tyson eines klar: Es sei gar nicht sein erstes Mal am Broadway. "Genau hier, auf derselben Straße bin ich mal verhaftet worden", erzählt er und das Publikum im ausverkauften Longacre Theater lacht laut auf. Gefängnisse kennt Tyson, den Boxring auch – aber auf einer Bühne am berühmten Broadway stand er noch nie zuvor. "Es ist schon etwas komisch, hier oben zu sein", sagt der exzentrische 46-Jährige zu Beginn der Premiere. "Aber keine Sorge: Ich lasse Sie alle mit zwei Ohren nach Hause gehen." Seinem Gegner Evander Holyfield hatte er im Boxring einst ein Stück des rechten Ohres abgebissen. Seine Eskapaden sind es, für die der Boxer im Ruhestand vor allem bekannt ist – bis hin zu einer Haftstrafe wegen Vergewaltigung. Aber Tyson war 1986 auch der jüngste Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten und gewann 50 seiner 58 Profikämpfe.

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"The Undisputed Truth" – geschrieben von Tysons Frau Kiki und auf die Bühne gebracht vom Produzenten Spike Lee – lässt nichts davon aus. Die Show ist Tyson und Tyson ist die Show. Andere Schauspieler gibt es nicht. Bühnendekoration auch nicht, bis auf einen Stuhl und eine Leinwand. Mit schwarzem Anzug, rosafarbenem Hemd und dem auffälligen Tattoo im Gesicht schreitet, tanzt und boxt der massige Ex-Sportprofi über die Bühne. Lispelnd, nuschelnd, häufig außer Atem und stark schwitzend erzählt er seine Lebensgeschichte mehr oder wenig chronologisch: Wie er als jüngstes von drei Kindern zwischen Straßengangs in Brooklyn aufwächst, seinen leiblichen Vater nie kennenlernt, seine Mutter und Schwester jung sterben sieht. Wie er mit 13 mehr als 100 Kilogramm wiegt und schon mehr als 30 Mal im Jugendknast saß. Und wie das Boxen schließlich sein Leben rettet.

Der Boxtrainer Cus D’Amato nimmt Tyson unter seine Fittiche und bringt ihm Ausdauer, Ehrgeiz und schlicht auch das Lesen bei. "Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich einlasse." Tyson kämpft sich von Erfolg zu Erfolg und wird als "Iron Mike" gefeiert. Trotzdem bleibt er ein "Bad Boy", der immer wieder durch Drogen und Gewalt Schlagzeilen macht. Auf der Bühne gibt Tyson sich geläutert: "Ich bedauere es, nur an Geld, Sex, Frauen, Drogen und Ruhm gedacht zu haben." Heute wolle er vor allem ein guter Ehemann und Vater sein. So ganz überzeugend bringt Tyson diese Botschaft allerdings nicht rüber. Zu sehr keilt er gegen Ex-Frauen und Ex-Berater wie den Box-Promoter Don King, die ihn angeblich nur ausgenutzt und um Geld betrogen hätten. Zu sehr weist er auch alle Anschuldigungen – wie die aus dem Vergewaltigungs-Prozess – von sich. Das Stück wird zu einer langen Verteidigungsrede voller saftiger Schimpfwörter. Nur bei einem Thema wird der harte Boxer ganz weich: Tauben. Das seien schon immer seine Lieblingstiere gewesen. "Schon damals in Brooklyn: Wenn ich nicht im Gefängnis saß, war ich meistens bei meinen Tauben."

Autor: dpa