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15. November 2017

Karl Lagerfeld

Modezar kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik

Karl Lagerfeld hat in einer französischen TV-Sendung die deutsche Flüchtlingspolitik kritisiert.

  1. Ein Promi, der provoziert: Karl Lagerfeld Foto: dpa

PARIS (dpa). Er ist Modezar, Fotograf, Designer, Filmemacher und Verleger zugleich und für seine ironische Bemerkungen bekannt. Nachdem Karl Lagerfeld aber am Samstagabend in einer französischen Fernsehsendung die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert hatte, ist der Promi verantwortlich für eine heftige Debatte.

"Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen", hatte Lagerfeld in der Sendung Salut les Terriens des TV-Senders C8 unter anderem gesagt. Die Bundeskanzlerin hätte es nicht nötig gehabt, im Sommer 2016 eine Million zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, "um sich ein charmantes Image zu geben – nach dem Bild der Schwiegermutter, dass sie sich in der Geschichte der Griechenland-Krise gegeben hat", meinte Lagerfeld.

Aufmerksamen Zuschauern fiel auf, dass sich Lagerfeld im Zusammenhang mit Merkel und den Flüchtlingen des umgangssprachlichen Ausdrucks "se taper" bediente, was man üblicherweise mit "sich reinziehen" übersetzt. Auch das sorgt im sprachbewussten Frankreich für Verwunderung. Nach dem umstrittenen Auftritt am Wochenende waren keine weiteren Äußerungen des Mode-Maestros zu hören.

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Da Hunderte Reaktionen von Fernsehzuschauern eingingen, beschäftigt sich nun die staatliche Rundfunkaufsicht CSA mit der Samstagabend-Show des Starmoderators Thierry Ardisson beim Sender C8. In den sozialen Netzwerken überschlagen sich derweil die Kommentare. Das Spektrum reicht von völliger Ablehnung und Verhöhnung bis hin zur erleichterter Zustimmung.

In Paris wird dem langjährigen Kreativchef des legendären Modehauses Chanel Gefallen an Provokationen attestiert. Schon vor Jahren mokierte er sich über Mollige auf dem Laufsteg – und erntete damit Protest. Trotzdem sorgt die jüngste Schock-Kritik für viel Wirbel. Wohl auch deshalb, weil sich der spitzzüngige Lagerfeld bei politischen Themen bisher eher zurückhielt – gelegentliche Karikaturen ausgenommen.

In der Glitzer-Welt der Mode wird der gebürtige Hamburger üblicher Weise hofiert. Seit Jahrzehnten ist er Trendsetter, so gilt er als Entdecker des früheren Supermodels Claudia Schiffer aus Deutschland. Erst im vergangenen Sommer erhielt "Karl der Große", wie er häufiger in seiner Wahlheimat Frankreich genannt wird, die höchste Auszeichnung der Stadt Paris.

Die Stil-Ikone mit weißem Haar und dunkler Brille gibt sich geheimnisvoll. Auch sein genaues Geburtsdatum war lange ein Rätsel, nur der 10. September stand fest. Lange kursierte 1938 als Geburtsjahr. Andere Quellen sprachen von 1933. Vor wenigen Jahren datierte Lagerfeld selbst das Ereignis auf 1935.

Autor: dpa