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29. Juli 2010

Meeresbiologe: „Der Treibstoff geht aus“

BZ-INTERVIEW mit dem Meeresbiologen Boris Worm über die Abnahme von Plankton im Ozean.

  1. Foto: privat

  2. Boris Worm (links) erforscht seit drei Jahren den Phytoplanktongehalt der Meere. Foto: dpa/privat

FREIBURG/POTSDAM. Bereits seit Ende der 1970er Jahre weisen Satellitenmessungen auf Schwankungen des Planktongehalts in unseren Meeren hin – bislang ohne ein einheitliches globales Bild zu liefern. Deutsche und kanadische Forscher haben den Phytoplanktongehalt der Meere untersucht und nun erste Ergebnisse veröffentlicht. Anne-Kathrin Weber hat sich mit Boris Worm unterhalten, Professor für Meeresbiologie und Meeresschutz an der kanadischen Dalhousie-Universität und derzeit Gast am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

BZ: Herr Worm, was haben Sie herausgefunden?
Worm: Über Jahrzehnte hinweg haben Forscher den Chlorophyllgehalt von Wasserproben gemessen. Chlorophyll ist ein Pigment, das alle Planktonorganismen besitzen. Unser Team hat jetzt die 450 000, teilweise sehr alte Datenpunkte ausgewertet. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Planktongehalt im vergangenen Jahrhundert in acht von zehn Ozeanregionen der Erde um etwa ein Prozent im Jahr abgenommen hat. Insgesamt errechnen wir somit für die vergangenen 60 Jahre eine Verringerung um etwa 40 Prozent. Besonders betroffen sind tropische und subtropische Gebiete, aber auch die polaren Gewässer.

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BZ: Warum nimmt der Planktongehalt der Meere ab?
Worm: Zwar spielen unterschiedliche Einflüsse eine Rolle, Hauptgrund ist allerdings die vom Klimawandel verursachte Erwärmung der Meere. Der Austausch von Nährstoffen zwischen der warmen Oberfläche und den kälteren Wasserschichten darunter ist die Grundlage der Planktonproduktion. Durch die Erwärmung kommt es aber zu einer stärkeren Schichtung der Wassersäule, die weniger Vermischung zulässt. Dadurch wird das Wachstum von Plankton verringert.
BZ: Warum ist Plankton so wichtig?
Worm: Plankton ist quasi der Treibstoff der Meere. Durch Fotosynthese produziert es den größten Teil der Biomasse in den Ozeanen. Ähnlich wie die Pflanzen an Land ist Plankton die Grundlage allen Lebens und die Basis der Nahrungskette. Es bildet mehr als die Hälfte des Sauerstoffs, der jährlich in die Atmosphäre gelangt. Für das Ökosystem der Meere ist der Rückgang also problematisch. Er könnte auch geringere Erträge in der Fischereiwirtschaft bedeuten.

Autor: akw