Deutsche trinken zu viel

afp

Von afp

Do, 13. September 2018

Panorama

Laut WHO steigt die Lebenserwartung der Europäer / Studie warnt vor Alkohol und Übergewicht.

LONDON (dpa/AFP). Die Lebenserwartung der Menschen in Europa steigt – aber der wachsende Trend zu Übergewicht und der hohe Alkoholkonsum könnten die Entwicklung umkehren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Gesundheit in europäischen Regionen, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die WHO wertete Daten aus 53 Staaten aus Europa, dem Kaukasus und Zentralasien aus.

Die Lebenserwartung ist laut der Studie binnen fünf Jahren um ein Jahr gestiegen. Lag sie im Jahr 2010 noch bei 76,7 Jahren, wurden die Menschen in den untersuchten Regionen im Jahr 2015 im Schnitt schon 77,8 Jahre alt. Vor allem die verfrühten Todesfälle durch nicht übertragbare Krankheiten – Krebs, Herzleiden, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen – gingen deutlich zurück; zuletzt um zwei Prozent pro Jahr.

"Die höchste Lebenserwartung in der Europäischen Region haben mit 83 Jahren die Schweiz und Luxemburg", sagte Claudia Stein, WHO-Abteilungsleiterin für Information, Evidenz, Forschung und Innovation. In Deutschland geborene Mädchen und Jungen werden ihr zufolge im Durchschnitt 81 Jahre alt. Damit liege Deutschland im obersten Viertel der Statistiken, was unter anderem am guten Zugang des Gesundheitssystems liege, so Stein. Auch die Impfraten hätten sich in Deutschland verbessert. Bei Masern lägen sie inzwischen bei 97 Prozent. Schlusslicht sei die vom Krieg gebeutelte Ukraine mit 42 Prozent. "Masern sind eine potenziell tödliche Krankheit", sagte die WHO-Expertin.

Zu den größten Gesundheitsrisiken zählten demnach Alkohol und Tabak. Zwar ist die Zahl der Raucher ebenso gesunken wie der durchschnittliche Alkoholkonsum. Dennoch bleibe Europa im weltweiten Vergleich die Region mit dem höchsten Alkohol- und Tabakkonsum. Insbesondere in Deutschland sei der Alkoholkonsum sehr hoch, sagte Stein. Wer über 15 Jahre alt sei, trinke in der Europäischen Region durchschnittlich 8,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. "In Deutschland sind es aber elf Liter." Spitzenreiter Litauen komme auf 15,2 Liter. In Russland habe der Alkoholkonsum dagegen abgenommen (10,1 Liter) – parallel dazu sei die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgegangen. Daten des Fachjournals The Lancet zufolge trinken Männer in den meisten Ländern deutlich mehr als Frauen. In der Folge sei ein höherer Prozentsatz der Todesfälle bei Männern als bei Frauen auf Alkoholkonsum zurückzuführen.

Gravierend ist laut WHO-Studie das Problem der Fettleibigkeit: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Europäischen Region bringe zu viele Kilos auf die Waage – Tendenz steigend. "In den meisten Ländern waren mehr Männer als Frauen übergewichtig, doch litten mehr Frauen an Adipositas (extremem Übergewicht) als Männer", heißt es in der Studie. In Deutschland sorgen sich Experten um die Zunahme von Fettleibigkeit bei Kindern. Als adipös gelten nach der WHO-Definition Menschen, die einen Body Mass Index von mehr als 30 haben – das bedeutet für einen 1,70 Meter großen Menschen ein Körpergewicht von mehr als 87 Kilogramm.