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02. Februar 2012
Grossbritannien
Die diamantene Queen: Königin Elisabeth feiert Thronjubiläum
Seit 60 Jahren ist Elisabeth II. Königin von England. Dabei hat sie es auch in schwierigen Zeiten geschafft, ihrer Familie und ihrem Land die Monarchie zu erhalten. Wie ihr das gelingt, erklärt unser London-Korrespondent Peter Nonnenmacher.
Der Legende zufolge saß Prinzessin Elisabeth in Afrika auf einem Baum, als sie ihr Schicksal in den Stand der Königin erhob. Sie soll, heißt es, einen mächtigen Adler über sich erspäht haben, als ihr Vater, König Georg VI. von England, droben im winterkalten London sanft entschlief. In Wirklichkeit, wenden Historiker freundlich ein, habe die Prinzessin wohl selbst noch geschlafen, während die Affen um jenes Baumhaus hopsten, in dem Elisabeth mit Philip, ihrem Mann, Anfang Februar 1952 eine Urlaubsnacht in Kenia verbrachte.
Als sie am Nachmittag des 6. Februar vom Tod des Königs erfuhr, war sie schon wieder zurück im Hotel Sagana Lodge, auf dem Boden der Realität. Philip soll sie damals in den Hotelgarten geführt und darüber aufgeklärt haben, dass ihr heiteres Prinzessinnen-Dasein ein Ende hatte: dass über Nacht das neue Zeitalter angebrochen war, das beide noch in weiter Ferne wähnten. Mit dem Tod Georgs VI. war "Lilibet" Elisabeth II. geworden – Königin Britanniens, Nordirlands und all der anderen, weltumspannenden Besitzungen des Vereinigten Königreichs.
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Bleich, aber entschlossen, sahen die Briten die 25-Jährige tags darauf in London aus dem Flugzeug steigen. Winston Churchill war damals noch Premierminister, und Heathrow nur ein bescheidenes, hoppeliges Fluggelände. Der Krieg lag keine sieben Jahre hinter den Britischen Inseln.
Die Welt, in der Elisabeth das Zepter übernahm, war eine Welt bescheidener Lebensverhältnisse für die meisten Briten. Eine Welt beträchtlicher sozialer Gräben, festgefügter Wertsysteme und allgemeiner Hochachtung gegenüber König und Vaterland. Nicht ganz die Welt, in der heute ein Prinz Harry mal nebenher im Radio erklärt, es gäbe eine Menge, was die schwer arbeitende Oma "in ihrem Alter nicht mehr tun" sollte. Ohne ihren Gatten, den mittlerweile 90-jährigen Philip, wäre die Queen wohl ohnehin nicht mehr in der Lage, ihren königlichen Pflichten nachzukommen, verrät der Enkel.
Nach sechzig stolzen Jahren als Staatsoberhaupt und inzwischen selbst 85 Jahre alt, findet sich Königin Elisabeth II. in einer Gesellschaft wieder, in der die eigene Familie offen über ihren Gesundheitszustand spekuliert, in der sich viele der alten Werte aufgelöst haben und in der auch die ihr angeborene Zurückhaltung nicht mehr als das gilt, als das sie einmal gegolten hat.
Pflichtbewusst und entschlossen nahm sie sich 1952 der Aufgabe an, die ihr das Vorrecht ihrer Geburt auferlegt hatte. Der Krieg hatte das Land ausgeblutet. Das Empire begann auseinanderzufallen. Benötigt wurde ein Gefühl der Sicherheit, der Solidität, der Verlässlichkeit. Etwas, was den Briten eine Zukunft versprach. Und genau das suchte Elisabeth ihren Landsleuten zu vermitteln. Das machte sie zu ihrer Mission.
Ihre jugendliche Erscheinung, ihr Image als "die hübsche Königin" im Buckingham-Palast, sorgte schon mal für einen guten Start. Fleißig widmete sie sich Empfängen, Audienzen mit Regierungschefs, der Aktenarbeit, ihren Auftritten in der Öffentlichkeit. Sie zerschnitt Bänder auf neugebauten Autobahnen und bereiste mit Philip monatelang Empire-Überbleibsel.
Jeder, der mit ihr sprach, wusste, dass er auf ihre Diskretion zählen konnte. Schweigen war für Elizabeth mehr als Gold. Es war die nackte Amtsnotwendigkeit. Bis heute hat sie nie ausgepackt, nie ein Interview gegeben. In einem Land, das in den 50er Jahren noch ganz auf die Monarchie ausgerichtet war, in dem in den Amtsstuben ihr Porträt hing und am Ende von Kino- und Theatervorstellungen "God Save the Queen" gespielt wurde, war sie ein vorbildliches, ein geradezu unangreifbares Oberhaupt.
Eine Handvoll republikanischer Kritiker spottete über "das Püppchen mit dem Uhrwerk", das sie in ihr sahen. Die Queen aber blieb ihrer Rolle treu. Von politischen Kontroversen wusste sie sich fernzuhalten. Nicht mal der Liebeskummer ihrer Nächsten brachte sie, wo es um Staatsraison und kirchliche Gebote ging, von ihrer schmerzhaften Geradlinigkeit ab. Sie war die wirkliche Eiserne Lady der Briten.
Mit zögernden Reformen wie der Abschaffung der "Einführungsbälle" für höhere Töchter bei Hofe versuchte sie die Monarchie vom Ruch totaler Antiquiertheit zu befreien. Sportler, Musiker und Filmemacher wurden erstmals zu "informellen" Empfängen in den Buckingham Palast eingeladen. Die traditionelle Weihnachtsansprache wurde statt nur fürs Radio nun auch fürs Fernsehen produziert. Sehr viel mehr glaubte die Queen der Moderne nicht schuldig zu sein.
Damals wagte noch keine Zeitung, der Krone Schwierigkeiten zu machen. Die BBC, noch in den Kinderschuhen, betrachtete sich als Teil des Establishments und behandelte die Royals mit Unterwürfigkeit. Geschichtsunterricht in Schulen war weitgehend die Geschichte der englischen Monarchen. Eine Elite aristokratischer Minister, viele Absolventen der Eliteschule Eton, fand sich bei ihrer Majestät in Balmoral oder Sandringham zum Reiten und zum Schießen ein. Auf den königlichen Gartenpartys wimmelte es von Fräcken, Zylindern und Uniformen.
Erst im Verlauf der 60er Jahre begann sich dieser eherne soziale Ring ums Schloss zu lockern. Der endgültige Zerfall des Kolonialreichs, der zunehmende Einfluss der Gewerkschaftsverbände und vor allem der Siegeszug des Fernsehens drängten die Oberschicht in die Defensive. Ein Labourminister, Tony Benn, erwog erstmals, den Kopf der Königin von den britischen Briefmarken zu tilgen. Dagegen wehrte sich die Queen ebenso erfolgreich wie diskret.
Sie selbst und Philip ließen sich, in ihrem ersten eigenen PR-Versuch, für einen BBC-Dokumentarfilm beim Picknick und beim Würstchenbrutzeln filmen. Diese Selbstdarstellung, "Royal Family", trug den Windsors unmittelbare Sympathie ein. Der Film, gestand die anti-monarchistische Zeitschrift New Statesman, habe "das Leben der britischen Monarchie um ein oder zwei Jahrzehnte verlängert".
Königshaus eine Seifenoper.
Wohin das führte, zeigen die aktuellen Enthüllungen über Murdochs Blätter – in einen Mediensumpf, in dem Stars und Monarchie gleichermaßen versinken sollten. Zu Beginn der 80er Jahre, zum Zeitpunkt der Charles-und-Diana-Märchenhochzeit, fand sich das Königshaus bereits von dieser Berichterstattung in eine königliche Seifenoper verwandelt. Als die Ehekatastrophen der Windsor-Kinder ans Tageslicht drängten, hatte die Boulevardpresse eine leichte Beute. Der Stoizismus der Königin nützte ihr in dieser Situation wenig. Als der Tod der Schwiegertochter zeitweise eine milde Massenhysterie entfachte, erwies er sich sogar als kontraproduktiv. Mit dem Zorn Tausender auf eine "gefühllose" Queen erreichten die Probleme der 80er und 90er Jahre 1997 ihren Höhepunkt.
Der Schock über den plötzlichen Liebesentzug durch ihr Volk steckte Elisabeth noch eine ganze Weile in den Knochen. Not amused war ihre Majestät auch, als sie die königlichen Finanzen neu ordnen musste, um den eigenen Clan vom Vorwurf des "Schmarotzertums" zu befreien. Mit Besuchen bei einfachen Leuten daheim suchte Elisabeth II. Abbitte zu leisten. Schranken sollten abgebaut werden. Schlösser wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine unglücklich dreinschauende Monarchin bestieg erstmals einen ganz gewöhnlichen Zug. Sogar die alte königliche Yacht wurde 1997 von der neuen Labour-Regierung ausgemustert.
60 Jahre nach dem großväterlich-bulligen Churchill ist die Queen mit David Cameron nun beim zwölften Regierungschef ihrer Regentschaft angelangt. Sie lernte ihn kennen, als der, ebenfalls Sprössling der Oberschicht, zusammen mit ihrem eigenen Jüngsten, Prinz Edward, in einer piekfeinen Schule in Ascot an einer Aufführung teilnahm. Der elfjährige Edward spielte den Maulwurf im Stück. Cameron, zwei Jahre jünger, war das Kaninchen. Ihre Majestät soll sich jedenfalls köstlich amüsiert haben – damals.
Seit ihrem goldenen Jubiläum vor zehn Jahren scheint Elisabeth II. wieder in ruhigeren Gewässern angekommen zu sein. Das Volk liebt sie wieder – zumindest zu großen Teilen – , der Respekt für sechzig Jahre "im Dienst" hat stetig zugenommen. Dass sich das Interesse ihrer Landsleute mehr und mehr auf die Nachfolgegenerationen wie das Prinzenpaar William und Kate verlagert, kommt nicht überraschend. Ohne die hart arbeitende Oma wären die jüngeren Royals allerdings womöglich gar keine Royals mehr. Zur Festigung der Monarchie war Elisabeth aus ihrem kenianischen Baum gestiegen. Sechzig Jahre später, in einer ganz anderen Welt, weist die Krone einige Kratzer auf, sitzt aber noch immer fest auf ihrem Windsor-Köpfchen
Erklär's mir: Was macht die Queen?
Jedes Land hat sein eigenes Staatsoberhaupt – Deutschland zum Beispiel einen Präsidenten, Monaco einen Fürsten und Großbritannien eine Königin, Queen Elisabeth. Ein Staatsoberhaupt regiert sein Land nicht, aber er präsentiert es: So erscheint die Queen zu öffentlichen Ereignissen, besucht fremde Länder, hält Reden und ernennt hohe Beamte. Politische Entscheidungen trifft sie aber nicht, das übernimmt das Parlament, das aus gewählten Politikern besteht. Die Queen ist in England sehr beliebt, sie ist immer schick angezogen und trägt oft ausgefallene Hüte. Weil sie als ehrlich und unbestechlich gilt und schon seit so vielen Jahren auf dem Thron sitzt, haben die Menschen Respekt vor ihr.
Autor: rea
Autor: Peter Nonnenmacher


