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03. Februar 2012

Die Fernwärmetunnel sind heiß begehrt

Obdachlose leiden besonders unter der Kälte in Polen – doch nicht alle wollen sich helfen lassen.

  1. Die Fernwärme macht den Untergrund erträglich: Obdachlose in Warschau. Foto: AFP

WARSCHAU (ökel). Ein Dutzend Männer und Frauen schart sich um den gusseisernen Gittereimer, in dem ein Haufen Briketts glimmt. Doch die Wärme, die von der provisorischen Feuerstelle ausgeht, kann es mit dem Frost nicht aufnehmen. 17,5 Grad unter null zeigt das Thermometer hier am Warschauer Platz der Verfassung an.

Die sibirischen Hochdruckgebiete "Cooper" und "Dieter" drücken seit Tagen eisige Luftmassen nach Polen. 29 Menschen sind seit dem Wochenende erfroren. Meist trifft es Männer wie Janusz, der an diesem Morgen seine speckigen Handschuhe der Kohleglut entgegenstreckt. Janusz ist obdachlos. "Ich lebe hier und dort", sagt er mürrisch. Er mag 60 Jahre alt sein, vielleicht auch erst 50. Verraten will er es nicht. Er möchte nicht reden. Mit einem Gefährten steht er am Kanonenofen auf dem Verfassungsplatz, zwischen den Berufstätigen, die hier auf ihren Bus warten. Die Stadtverwaltung hat die Kohleeimer aufgestellt, damit sich Passanten und Obdachlose vor der Kälte schützen können. Janusz friert trotzdem. Das ist ein gutes Zeichen, denn es ist ein Lebenszeichen. Seit Tagen rufen die Behörden die Bevölkerung auf, "ein besonderes Augenmerk auf obdachlose Mitbürger zu richten". Der Tod durch Erfrieren kommt schnell, und er kommt meist im Schlaf. "Obdachlose trinken gegen die Kälte oft Alkohol, schlafen im Freien ein und wachen nie wieder auf", erklärt eine Beamtin der Stadtwache, die am Verfassungsplatz nach dem Rechten sieht.

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Sie redet auf Janusz und seinen Begleiter ein, mitzukommen. Man könne sie zu einer Sozialstation fahren. Dort gebe es heiße Brühe und einen Platz zum Schlafen. Doch Janusz will nicht. Er tritt den Rückzug an und verschwindet in Richtung U-Bahn. "Die meisten Obdachlosen verkriechen sich in diesen Tagen in Unterführungen, Bahnhofshallen oder Gartenlauben", sagt die Beamtin der Stadtwache schulterzuckend. "Wir können nicht mehr tun, als Hilfe anbieten."

Wer das große Los zieht, findet Zuflucht in einem Tunnel der Fernwärmeversorgung. Doch die Plätze dort sind im Winter hart umkämpft. Rund 300 000 Obdachlose gibt es in Polen, schätzt die Wohlfahrtsorganisation Monar. Die Älteren und Schwächeren bleiben bei Dauerfrost als Erste auf der Strecke. Alljährlich erfrieren in Polen 200 bis 300 Menschen, fast ausnahmslos Obdachlose, Alkoholiker und Drogenabhängige. In diesem Winter hatte das Innenministerium seit November erst 67 Frosttote gezählt. Bis "Cooper" kam, war es warm im Land. Doch jetzt wütet die Kälte, und dies nicht nur in Polen.

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