Die Heldenstory der glorreichen 13

dpa

Von dpa

Do, 12. Juli 2018

Panorama

Den thailändischen "Höhlenkindern" und ihrem Trainer geht es gut / Am Ende der Rettungsaktion wurde es nochmal dramatisch.

MAE SAI (dpa). An Helden, großen und kleinen, mangelt es jetzt nicht. An Thailands Höhlendrama, das die Welt so lange in Atem gehalten hat, haben viele mitgeschrieben. Die Taucher. Die Ärzte. Die Freiwilligen. Der Provinz-Gouverneur mit dem gelben Tuch, der blauen Kappe und dem so furchtbar komplizierten Namen. Vor allem aber: die zwölf Spieler der Fußballjugend aus der Kleinstadt Mae Sai selbst. Und, trotz allem, auch ihr Trainer.

Wenn man so will, kann man Pi Ekk ("Bruder Ekk"), wie ihn die Leute nennen, natürlich an allem die Schuld geben. Der 25-Jährige Ekkapol Chantawong war es, der die überaus leichtsinnige Idee hatte, das Team der "Wildschweine" nach einem Training mitten in der Regenzeit in die Höhle zu bringen. Dort saß er dann seit dem 23. Juni mit dem Dutzend Kinder von 11 bis 16 Jahren fest. Möglicherweise muss der frühere Buddhistenmönch deshalb mit Ermittlungen rechnen. Die Polizei von Mae Sai lässt bislang offen, ob sie gegen ihn vorgehen wird. Vermutlich eher nicht. Die Eltern haben ihm schon verziehen. In einem Brief, der veröffentlicht wurde, als das Drama noch lief, heißt es: "Mach Dir keine Vorwürfe. Niemand von den Eltern ist irgendwie böse auf Dich. Mach Dir keine Sorgen."

Nach allem, was man weiß, hat sich der Mann, der selbst früh zum Vollwaisen wurde, 17 Tage lang rührend um seine Schützlinge gekümmert. Er überließ ihnen das wenige Essen, mahnte sie, nicht unnötig Energie zu verschwenden, brachte ihnen bei, zu meditieren. Und "Bruder Ekk" harrte aus bis ganz zum Schluss. So gehört sich das wohl in so einer Situation.

Wie am Mittwoch bekannt wurde, entwickelten sich die letzten Stunden der Rettungsaktion noch einmal dramatisch. Als die Helfer noch mit dem Einsammeln von Gerät beschäftigt waren, fiel die zentrale Pumpe aus, mit der der Wasserstand in der Höhle unter Kontrolle gehalten wurde. Die verbliebenen 100 Arbeiter seien in wilder Flucht zum Ausgang gerannt, berichtete der britische Guardian. Es ging dann aber alles gut.

Jetzt liegen Trainer und Team im Krankenhaus von Chiang Rai. Im Schnitt haben die Kinder zwei Kilo Gewicht verloren. Amtsarzt Thongchai Lertvilairattanapong lobte aber ihren "sehr guten mentalen Zustand". "Wahrscheinlich, weil sie die ganze Zeit als Team verbrachten, wo einer dem anderen hilft." Thongchai fuhr fort: "Alle von ihnen sind bei guter körperlicher Gesundheit, ohne Fieber oder schwere Infektionen. Nur drei von ihnen haben leichte Lungenentzündungen." Die ganze Gruppe müsse wohl eine Woche im Krankenhaus bleiben. Deshalb können die Nachwuchsfußballer auch nicht zum WM-Finale am Sonntag in Moskau reisen, zu dem sie Fifa-Präsident Gianni Infantino eingeladen hatte. Die Ärzte versicherten aber, dass sie das Spiel im Fernsehen sehen könnten.

Einer der Spieler, die am Sonntag im Luschniki-Stadion um den Weltpokal kämpfen werden, übermittelte bereits Grüße von Russland nach Thailand: Frankreichs Mittelfeld-Star Paul Pogba twitterte, dass er den 1:0-Halbfinalsieg seiner Mannschaft gegen Belgien den geretteten Jugendlichen widme. "Dieser Sieg geht an die Helden des Tages – gut gemacht Jungs, ihr seid so stark."

Die Kicker bekommen jetzt Applaus von allen Seiten. Auch viele Experten hatten es nicht für möglich gehalten, Kinder mit wenig Schwimmkenntnissen und ohne Taucherfahrung fast vier Kilometer lang durchs Wasser und die Dunkelheit nach draußen zu bringen. Einer der Taucher, der Däne Ivan Karadzic, meint: "Sie haben sich großartig angestellt."

Das meiste Lob kriegt jedoch Adul Sam-On, der als einziger der Gruppe gut Englisch spricht (dazu noch Thai, Burmesisch und Mandarin). Über ihn lief die Kommunikation mit den ausländischen Rettern. Der 14-Jährige ist – wie der Trainer und zwei Mitspieler – nicht einmal Thai. Er gehört zur Minderheit der Wa, die in Myanmar, auf der anderen Seite der Grenze, verfolgt wird. Einen Pass hat er nicht.

In der Nacht nach dem Happy End wurde in der 20 000-Einwohner-Stadt überall gefeiert. Manche zogen auch zu einem der buddhistischen Tempel, um den Göttern zu danken. Die Verwunderung, dass die ganze Welt Anteil am Schicksal ihrer Fußballer nimmt, ist groß. Normalerweise interessiert kaum jemanden, wenn in Asien während der Monsun-Monate Menschen sterben.

Für Thailand, das nach einem Putsch jetzt schon seit vier Jahren wieder einmal vom Militär regiert wird, ist das auch Grund für Stolz. Die Generäle wissen, dass sie davon profitieren können: Im nächsten Frühjahr soll gewählt werden. Der amtierende Premierminister, General Prayut Chan-o-cha, war einer der ersten im Krankenhaus – noch bevor die Eltern zu ihren Söhnen durften.