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12. Oktober 2017

Welt-Adipositas-Tag

Die Zahl übergewichtiger Kinder steigt

In 40 Jahren hat sich die Zahl krankhaft übergewichtiger Jungen und Mädchen weltweit verzehnfacht.

  1. Das übergewichtige Mädchen lernt in einem Kurs, wie gesundes Essen aussieht. Foto: DPA

GENF (dpa). Die Zahl extrem dicker Kinder und Jugendlicher hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als verzehnfacht. Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es im vergangenen Jahr 124 Millionen, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London zum Welt-Adipositas-Tag am 11. Oktober im Fachblatt "The Lancet". Weitere 213 Millionen Kinder seien übergewichtig.

90 Prozent der Zunahme seien darauf zurückzuführen, das mehr Kinder deutlich übergewichtig sind, nur zehn Prozent auf die wachsende Bevölkerungszahl, sagte Hauptautor Majid Ezzati vom Imperial College. In Ländern mit hohem Einkommen stiegen die Zahlen zwar nicht weiter, verharrten aber auf viel zu hohem Niveau. Alarmierend sei der Anstieg in ärmeren Ländern und solchen mit mittleren Einkommen, darunter in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien.

Wegen des weltweiten Bevölkerungswachstums gibt es heute generell mehr Kinder als vor 40 Jahren – die Zunahme bei Übergewicht und Fettleibigkeit wird in den WHO-Daten auch prozentual sehr deutlich. 1975 waren demnach weniger als ein Prozent der Kinder und Jugendlichen fettleibig, heute sind es fast sechs Prozent der Mädchen und fast acht Prozent der Jungen. "Eine erschütternde Veränderungsrate", sagte Fiona Bull von der WHO in Genf. Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel, weniger Bewegung – diese Faktoren hätten zum Trend beigetragen.

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Die WHO gibt Empfehlungen, um Fettleibigkeit in der Kindheit zu beenden: Behörden in aller Welt müssten Familien besser über gesunde Ernährung aufklären, Mütter animieren, sechs Monate lang ausschließlich zu stillen, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen. "Zur Schule zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren muss sicher sein", sagte Bull. Der Kampf gegen das Rauchen habe gezeigt, dass Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte erfolgreich seien.

Wer heute mit 60 fettleibig sei, habe meist im Alter von 20 Jahren zugenommen, sagte Ezzati. Künftige Generationen seien schon im Kindesalter übergewichtig gewesen. "Je länger die Menschen zu hohes Gewicht haben, desto mehr Gesundheitsprobleme haben sie", erklärte er. Folgen der Fettleibigkeit seien ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, bei Kindern zudem Mobbing in der Schule, sagte Bull. Die Kosten für Interventionsprogramme seien deutlich niedriger als die der Behandlung von Problemen durch Übergewicht. Den höchsten Anteil von Fettleibigen fanden die Forscher in der Südsee und in angelsächsischen Ländern, darunter in den USA.

In der Gesamtbevölkerung hat sich die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit nach früheren WHO-Studien zwischen 1980 und 2014 mehr als verdoppelt. Für die Einordnung wird der Body-Mass-Index zugrunde gelegt. Berechnet wird er so: das Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße. Bis 24,9 gilt als normal, 25 bis 29,9 als übergewichtig, 30 und mehr als fettleibig. Für die Studie haben die Autoren Gewicht und Größe von 130 Millionen Menschen analysiert, darunter 31,5 Millionen zwischen fünf und 19 Jahren.

Neben dem wachsenden Problem des Übergewichts seien weiter 192 Millionen 5- bis 19-Jährige untergewichtig, betonen die Forscher auch. Die Zahl gehe nur langsam zurück. Dennoch gelte: Wenn der Trend anhält, gebe es in fünf Jahren mehr fettleibige Kinder als solche mit Untergewicht.

Weitere Infos zum Thema: mehr.bz/ernaehrungstipps

Autor: dpa