Fake-Notruf endet tödlich

dpa

Von dpa

Di, 02. Januar 2018

Panorama

Polizei hat in den USA den verdächtigten Anrufer festgenommen.

LOS ANGELES/WICHITA (dpa). Es sollte wohl ein Streich sein, doch es endete tödlich: Nach einem falschen Notruf haben Polizisten in den USA einen Unschuldigen erschossen. Nun wurde ein Mann festgenommen.

Nach einem falschen Notruf, der dazu führte, dass in den USA ein Unschuldiger erschossen wurde, haben Polizisten einen Verdächtigen festgenommen. Er soll die Polizei angerufen und ihr eine Geiselnahme vorgetäuscht haben, woraufhin Polizisten in der Stadt Wichita (Kansas) im Mittleren Westen einen 28-Jährigen erschossen. Die Polizei nahm den 25-jährigen Verdächtigen am Freitagnachmittag (Ortszeit) in Los Angeles fest, wie die US-Sender ABC und NBC berichteten.

Der Anrufer habe vorgegeben, es habe eine Schießerei und eine Geiselnahme gegeben, sagte der stellvertretende Polizeichef von Wichita, Troy Livingston. Nach dem Notruf sei die Polizei zu der angegebenen Adresse gefahren. Nachdem ein Mann vor das Haus getreten sei, hätten die Polizisten vermutet, er zöge eine Waffe. Daraufhin habe ein Polizist auf den Mann geschossen. Im Krankenhaus sei der Tod des Mannes festgestellt worden.

Livingston präsentierte Tonaufnahmen des Notrufs, in denen der unbekannte Anrufer behauptete, er habe seinen Vater erschossen und bedrohe seine Mutter und einen jüngeren Bruder in einem kleinen Raum mit einer Waffe. Er drohte zudem, das Haus anzuzünden.

Hintergrund des Fake-Notrufs soll ein Streit zwischen zwei Spielern von Internet-Computerspielen gewesen sein, wie NBC unter Berufung auf mehrere nicht genannte Quellen bei Strafverfolgungsbehörden berichtete. Demnach wollte der nun Festgenommene einem anderen Online-Gamer einen Streich spielen, gab jedoch bei der Polizei eine falsche Adresse an.

So gingen die Polizisten von einer Geiselnahme im Haus des 28-Jährigen aus, der mit dem Streit gar nichts zu tun hatte. Wie seine Mutter der Lokalzeitung Wichita Eagle sagte, spielte ihr Sohn, ein Vater von zwei Kindern, keinerlei Computerspiele. Er sei herausgegangen, um nachzusehen, warum vor dem Haus Blaulicht geflackert habe. "Ich hörte meinen Sohn schreien, ich stand auf und hörte einen Schuss." Die Polizei habe sie dann aufgefordert, mit erhobenen Händen herauszukommen. Die Familie sei in Handschellen zu einem Verhör gebracht worden.

Livingston bestätigte die Verbindungen in die Gaming-Szene am Freitag (Ortszeit) zunächst nicht. In der Szene von Online-Spielern ist die Vorgehensweise allerdings bekannt. Das Phänomen wird dort "Swatting" (abgeleitet von SWAT, das sind Spezialeinsatzkommandos der US-Polizei). Dabei setzt jemand einen falschen Notruf ab, damit das Haus eines anderen von der Polizei gestürmt wird. Vorzugsweise wird ein solcher "Streich" noch gespielt, während das Opfer live vor seiner Webcam sitzt.