Twitter-Gewitter

Feuerwehren twittern unter #112live einen Tag lang von ihren Einsätzen

dpa

Von dpa

Mo, 11. Februar 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

#112live – Am Europäischen Tag des Notrufs berichten die deutschen Feuerwehren bundesweit live von ihren Einsätzen auf Twitter.

Der Europäische Tag des Notrufs ist der 11. Februar – wie die Notrufnummer 112. Den gestrigen Tag nutzen 41 Berufsfeuerwehren sowie freiwillige Feuerwehren in Deutschland, um auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit dem Hashtag #112live einen Einblick in ihren Arbeitsalltag zu geben.

Sie sind für alle und für alles da: Feuerwehrleute. Für den Ohnmachtsanfall beim Friseur ebenso wie für den Wohnungsbrand mit vielen Verletzten. Doch die Arbeit der Rettungskräfte ist schwieriger geworden. Feuerwehrleute werden immer wieder von Gaffern behindert, Sanitäter werden angepöbelt oder bespuckt.

Am Montag nun ein "Twitter-Gewitter": 41 Berufsfeuerwehren und zahlreiche freiwillige Feuerwehren berichteten deutschlandweit über ihren Alltag in Hunderten von Tweets fast im Minutentakt.



Deutlich wird der Alltags-Wahnsinn. Da stellt sich in Düsseldorf Brandgeruch als Kurzschluss in einer Kaffeemaschine heraus. Da wird in Hamburg ein Löschzug gerufen, weil eine besorgte Anruferin Schreie von Kindern gehört hat – sie hatten übrigens Feuerwehr gespielt.

Die Feuerwehren wollen transparent machen, welche Masse an Notrufen zu bewältigen ist – nicht nur in Notlagen, bei denen es um Leben oder Tod geht. Ein kleiner Ausschnitt aus den Tweets der Berliner Feuerwehr: Verletzung nach Stromschlag, bewusstlose Person auf einem U-Bahnhof, Reanimation nach einem Kreislaufstillstand, Fruchtblase geplatzt, bevorstehende Geburt in einer Wohnung.

Der Blick hinter die Kulissen soll das Interesse am Beruf wecken

Während des Aktionstages wurde auch darüber informiert, wie Menschen mit Hör- oder Sprachbehinderung die Rettungsdienste alarmieren können. Dazu passte ein Notruf, über den die Frankfurter Feuerwehr am frühen Nachmittag twitterte: "Soeben hat uns ein Notruf von einem Gebärdendolmetscher erreicht."

Informationen per Twitter zu verbreiten, ist zwar längst nicht mehr neu. Doch nonstop zwölf Stunden live zu informieren, das schaffen die Feuerwehren sonst nicht. Allein bei der Berliner Feuerwehr gehen auf 60 Leitungen im Schnitt mehr als 2000 Notrufe täglich ein. "Es läuft sehr, sehr gut", sagt der Sprecher der deutschlandweit größten Berufsfeuerwehr in Berlin, Frederic Finner, zu der Twitter-Aktion, die bis zum Abend dauern sollte.



Viele hätten Fragen zur Arbeit der Feuerwehr gestellt, berichtet Finner erfreut. Ein Anliegen des virtuellen Blicks hinter die Kulissen ist auch, für Berufe bei der Feuerwehr zu interessieren. In Düsseldorf wird ein Reptilienexperte vorgestellt, in Essen sind es die Höhenretter der Feuerwehr. Denn Nachwuchs wird überall gebraucht, jedoch dürfte so mancher bislang von dem harten Alltag abgeschreckt sein.

Übergriffe auf die Einsatzkräfte nehmen zu

Nicht nur der körperliche Einsatz ist fordernd – auch die Begegnungen mit Mitmenschen können es sein. "Respektlosigkeit erleben wir jeden Tag, aber wir genießen auch jeden Tag Respekt und Ansehen", sagt Finner.

Ein krasser Fall hatte Anfang Februar Entsetzen ausgelöst. Ein Notarzt und zwei Feuerwehr-Sanitäter konnten einen Patienten in Berlin-Kreuzberg nur unter Polizeischutz versorgen. Sie waren angegriffen worden und mussten sich zunächst in ihren Rettungswagen flüchten. Trotzdem: "Unsere Strategie ist Deeskalation", so der Sprecher. Einsatzkräfte würden mittlerweile auch zum Verhalten in "Übergriffssituationen" geschult.



Und immer wieder ärgern sich Einsatzkräfte , dass sie zu Notfällen gerufen werden, die keine sind. Das bezeugte auch das "Twitter-Gewitter". Retter in Wiesbaden twitterten nach einem Anruf wegen einer defekten Heizung: "Sorry, bitte den Vermieter anrufen oder einen Installateur beauftragen." Ebenfalls in Hessens Hauptstadt: "Anrufer meldet der Leitstelle: Zäpfchen geht nicht rein." Der Mann wurde an den Hausarzt verwiesen.

Das "Twittergewitter" geht auf eine Initiative der Berliner Feuerwehr und der Berufsfeuerwehren aus München, Hamburg, Düsseldorf, Bremen und Frankfurt am Main zurück. Vorbild sind ähnliche Aktionen der Polizei.