Gefangen im Netz

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Di, 12. Februar 2019

Panorama

Naturschützer finden während der Fangsaison immer wieder tote Wale an Frankreichs Atlantikküste.

PARIS. Der Körper des kleinen Wales liegt verstümmelt am Strand. Dem toten Tier fehlt eine Flosse und an einer Seite klafft eine Wunde. Jedes Jahr biete sich derselbe grausige Anblick, klagt Naturschützer Allain Bougrain-Dubourg. An der französischen Atlantikküste würden hunderte kleiner Wale und Delphine angeschwemmt – Grund ist wohl die Fischjagd im Frühjahr.

Der Chef der "Liga zum Schutz bedrohter Vögel", die sich längst auch um andere Tierarten kümmert, prangert die Untätigkeit der Regierung angesichts des massenhaften Sterbens der Meeressäuger an. Der Grund für die immer wiederkehrenden Funde der Kadaver seien die Flotten der Fischkutter, die von Januar bis März auslaufen, um weit draußen auf dem Atlantik Seehechte und Seeteufel zu fangen.

In den riesigen Schleppnetzen verfangen sich allerdings auch Wale und verenden darin. Oder sie werden von den Schiffsschrauben so schwer verletzt, dass sie sterben. "Im Jahr 2017 haben wir 800 angeschwemmte Tiere gezählt und 700 im Jahr 2018", sagt Naturschützerin Sophie Mjati von France Nature Environnement. Die meisten davon seien an den Stränden der Gascogne gefunden worden. Doch das sei nur die Spitze des Eisberges, glaubt sie.

Die Aktivisten gehen davon aus, dass über 3500 Wale während der Fangsaison getötet würden, von denen der größte Teil aber auf hoher See von anderen Tieren gefressen werde. Allerdings gibt es eine Möglichkeit zu verhindern, dass so viele Wale verenden müssen. Einige der Fischkutter sind inzwischen mit einer Akustikvorrichtung ausgerüstet, die die Tiere vertreibt, einem sogenannten Pinger. "Aber es sind eben nicht alle", sagt Sophie Mjati. Im vergangenen Jahr hätte sich drei Kapitäne an einer Untersuchung beteiligt und ihre Trawler, also ihre Schiffe mit Schleppnetzen, mit einem solchen Pinger ausgerüstet, erklärt sie.

Das Ergebnis: Die Zahl der toten Wale konnte bei diesen Fischkuttern um weit über die Hälfte reduziert werden. Um die Wirksamkeit zu bestätigen wird die Untersuchung in diesem Jahr wiederholt. Hubert Carré, Vorsitzender der Vereinigung französischer Hochseefischer, kennt die Problematik nur zu gut und es tue ihm sehr leid, dass jedes Jahr unbeabsichtigt Wale getötet würden.

Er wünsche sich, erklärt Carré, dass der Einsatz von Pingern, um die Meeressäuger zu vergrämen, auf allen französischen Fischtrawlern obligatorisch würde. Er sei sich bewusst, dass diese Lösung nicht optimal sei, verwehre sich aber gegen eine "Stigmatisierung" seiner Zunft. Die Mannschaften der Fischkutter täten in ihrem Rahmen alles, um die Natur vor Schaden zu schützen.