Getrennt und doch zusammen

afp

Von afp

Fr, 16. November 2018

Panorama

Den erfolgreich operierten siamesischen Zwillingen aus Bhutan geht es gut.

MELBOURNE (dpa/AFP). Nach der Trennung von siamesischen Zwillingen aus dem Himalaya-Staat Bhutan in Australien haben sich die beiden kleinen Mädchen gut erholt. Die siamesischen Zwillinge aus dem Himalaya-Staat Bhutan schlafen auch nach ihrer erfolgreichen Trennung nicht gern in getrennten Bettchen. Deshalb dürfen sie zunächst einmal weiter zusammenbleiben. "Wir versuchen, sie ein bisschen auseinander zu halten. Aber sie schaffen es immer wieder, sich zusammenzurobben und haben ihre Beine immer verhakt", sagte Krankenschwester Kellie Smith, die für die Kinder sorgt, laut australischen Medien bei einer Pressekonferenz in Melbourne am Donnerstag. Wie die Zeitung Herald Sun berichtet, haben die Mädchen auch immer wieder ihre Hände nacheinander ausgestreckt.

Die beiden 15 Monate alten Mädchen namens Nima und Dawa waren am Oberkörper miteinander verwachsen und teilten sich eine Leber. Am vergangenen Freitag wurden sie im Royal Children’s Hospital der australischen Metropole Melbourne in einer sechsstündigen Operation voneinander getrennt. Den Ärzten gelang es, die gemeinsame Leber der beiden Mädchen und deren Darmtrakt zu teilen. Nach der Operation hatte das Krankenhaus mitgeteilt, die kommenden zwei Tage seien entscheidend für die Genesung der beiden Mädchen. Den Zwillingen gehe es gut, sagte Chefarzt Joe Crameri nun. Wie bei jeder Operation habe es ein paar kleinere Schwierigkeiten gegeben, aber: "Wir machen derzeit gute Fortschritte", sagte Crameri laut dem Sender ABC.

Nima und Dawa waren vor einem Monat mit ihrer Mutter Bhumchu Zangmo in Australien eingetroffen, weil es im armen Königreich Bhutan keine Ärzte gibt, die den Eingriff hätten vornehmen können. Die beiden Mädchen wurden zunächst aufgepäppelt, um fit für die komplizierte Operation zu sein.

Unterstützung erhielt die Familie von der australischen Wohltätigkeitsorganisation Children First Foundation. Deren Chefin Elizabeth Lodge äußerte sich erleichtert über die gute Erholung der Mädchen. "Nima lag auf dem Rücken, was sie vorher nie konnte", sagte Lodge der Zeitung Herald Sun.

Als siamesische Zwillinge bezeichnet die Medizin eine Fehlentwicklung, die sich schon sehr früh im Mutterleib ausbildet. Einige Babys wachsen nur oberflächlich zusammen, andere teilen Organe oder Gliedmaßen. Benannt ist das Phänomen nach Chang und Eng Bunker aus Siam (heute Thailand), die 1811 zur Welt kamen und ihr Leben lang miteinander verwachsen blieben.