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30. August 2010
Erstmals findet ein Kirchentag für Menschen und Tiere statt
Die Enttäuschung lässt sich nicht verbergen. Das zentrale Forum beim ersten „Kirchentag Mensch und Tier“ am Wochenende in Dortmund wurde nur spärlich besucht.
DORTMUND. Die Enttäuschung lässt sich nicht verbergen. Alles ist vorbereitet, wie bei großen Katholiken- oder Protestantentreffen. Eine Bühne, leistungsstarke Lautsprecher und mit Prinzessin Maja von Hohenzollern auch etwas Prominenz auf dem Podium. Doch das zentrale Forum beim ersten "Kirchentag Mensch und Tier" am Wochenende in Dortmund ist nur spärlich besucht.
Rund 150 Zwei- und ein Dutzend Vierbeiner verlieren sich auf dem Hauptveranstaltungsplatz, einer fußballfeldgroßen Wiese im Fredenbaumpark. Der Kirchentag ist weit hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben – von 5000 Teilnehmern war vorher die Rede. Tatsächlich gekommen sind zu den 50 von der "Aktion Kirche und Tiere" (Akut) geplanten Veranstaltungen rund 1000 Tierfreunde und -rechtler, wie die Organisatoren berichten. Daran ist nicht nur das Schauerwetter schuld. An vielen Stellen – manch einer vermisst Hinweisschilder auf die teils weit entfernten Veranstaltungsorte – wirkt die Organisation überfordert. Akut-Vorsitzender Ulrich Seidel lässt sich dennoch nicht entmutigen und spricht von einem "Samenkorn, das wächst".Werbung
Prinzessin Maja redet engagiert, geißelt mangelnde Wertschätzung für Tiere und massenhafte Tötung von Straßenhunden in Spanien oder Rumänien. Gerade in katholisch und orthodox geprägten Ländern werde Tieren keine Seele zugestanden; so würden sie oft als Sache angesehen. Seidel, im Hauptberuf evangelisch-lutherischer Pfarrer nahe Leipzig, wendet sich gegen die Einteilung der Tiere in jene, "die das Glück haben, unter dem Tisch sitzen zu dürfen, und die Tiere, die das Pech haben, auf dem Tisch zu landen". Davon muss bei diesem Treffen niemand überzeugt werden. Die Botschaften in den Vorträgen, Diskussionen, Gottesdiensten und dem kirchentagstypischen "Markt der Möglichkeiten" gelten vor allem jenen Menschen, die nicht gekommen sind; diese wollen erst noch bekehrt sein – etwa zur Abkehr von Fleisch, zumindest von dem aus Massentierhaltung. Der Kirchentag prangert nicht nur eine umfassende Ausbeutung der Tiere an, wie es im Abschlussappell heißt. Er will vor allem eins: Mitgefühl des Menschen für ebenfalls fühlende und von Gott mit einer eigenen Würde versehene Lebewesen wecken.
Darauf hebt auch der Theologe und Kirchenkritiker Eugen Drewermann ab, der die Zuhörer wegen des Regens unter der schützenden Bühne versammelt. Er verurteilt eine Ethik, die egoistisch nur das Wohl des Menschen im Blick habe und damit etwa Tierversuche rechtfertige.
Mehr Sensibilität gegenüber Tieren mahnt auch der katholische Theologe Rainer Hagencord an, der im vorigem Jahr das Institut für Zoologische Theologie in Münster mitbegründete. Zwar lasse sich aus der Bibel nicht ableiten, dass man als Vegetarier leben müsse – das Buch der Bücher rede ganz unsentimental etwa vom geschlachteten Mastkalb. Aber die Zeichen der Zeit wie hoher Ressourcenverbrauch und der Hunger in der Welt sprächen dafür, zumindest den Fleischkonsum deutlich zu reduzieren und Puten und Schweine nicht zu "Rohlingen der Fleischindustrie" abzuwerten.
Autor: Andreas Otto (KNA)
