Athen

Griechische Gold-Mafia im Visier der Justiz

Gerd Höhler

Von Gerd Höhler

Mo, 03. Dezember 2018 um 16:50 Uhr

Panorama

Für viele Menschen sind sie die letzte Hoffnung: Die Pfandleihen, die während der Finanzkrise überall in Griechenland wie Pilze aus dem Boden schossen.

Bei diesen versetzen sie Schmuck und Goldmünzen, um über die Runden zu kommen. Meist erhalten sie dafür viel weniger Geld, als das Edelmetall wert ist. Jetzt bestätigt sich außerdem ein längst gehegter Verdacht: In vielen dieser Läden laufen kriminelle Machenschaften.

Eine 33 Meter lange Motorjacht, eine im hellenistischen Stil gehaltene Luxusvilla mit vielen glitzernden Kronleuchtern, eine goldene Luxus-Uhr am Handgelenk – dieser Grieche hat es offenbar zu etwas gebracht. Jetzt steht der Mittfünfziger im Mittelpunkt staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Es geht um Goldschmuggel, Hehlerei und Steuerhinterziehung. Der Mann betreibt nach seinen Angaben eine Kette von 44 Pfandleihen, auch Niederlassungen in den Krisenländern Spanien und Portugal werden auf der Homepage seiner Firma angegeben. Die griechische Justiz ermittelt zudem gegen mindestens 62 mutmaßliche Komplizen. Griechische Medien reden von einer "Gold-Mafia".

Sie soll Gold aus Pfandleihen und Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen in großem Stil in die Türkei und Deutschland geschmuggelt haben. Bisher wurden fünf Haftbefehle erlassen. Am Wochenende vernahm die Staatsanwaltschaft Dutzende Verdächtige. Am Sonntag kam der mutmaßliche Kopf der Band an die Reihe. Der Unternehmer beteuerte: "Ich bin unschuldig, ich habe nichts damit zu tun". Er habe zwar Gold in die Türkei exportiert, aber "immer legal und verzollt". Die Beteuerungen halfen nicht: Nach der Vernehmung erließ der Untersuchungsrichter am Sonntagabend Haftbefehl.

Premierminister Alexis Tsipras ging vergangene Woche auf den aufsehenerregenden Fall ein. Der griechische Premierminister sprach von einer "kriminellen Bande, die in den Krisenjahren Zehntausende Griechen ausgequetscht hat".

Den Festnahmen gingen monatelange Ermittlungen voraus. Im Athener Stadtteil Exarchia entdeckten die Fahnder in einer Pfandleihe einen Schmelzofen, in dem ihrer Ansicht nach Gold aus den Pfandleihen und Schmuck aus Wohnungseinbrüchen eingeschmolzen wurde. An dem Fall arbeitet auch der Geheimdienst, der offenbar umfangreiches Beweismaterial beisteuern konnte, darunter Mitschnitte abgehörter Telefonate und Videoaufnahmen. Eine zeigt, wie Kuriere der Gold-Mafia mutmaßliche Gold-Pakete in Athen einem Fahrer übergeben, der wenig später in Richtung Istanbul fährt. Fast täglich gab es solche Transporte. Die Ermittler schätzen, dass die Verdächtigen in den vergangenen fünf Monaten Gold im Wert von elf Millionen Euro in die Türkei geschmuggelt haben. Schaden für den Fiskus: 2,5 Millionen Euro.