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09. November 2013 00:00 Uhr

Heikle Mission

Tepco will Brennstäbe aus Fukushima-Ruine bergen

Im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima soll demnächst damit begonnen werden, radioaktive Brennstäbe aus einem Abklingbecken zu holen – die gefährliche Operation könnte bereits in der kommenden Woche beginnen.

  1. Am Donnerstag konnten sich Journalisten im Gebäude von Reaktor vier umsehen. Foto: AFP

1533 Uran- und Plutoniumstäbe will Akw-Betreiber Tepco aus der schwerbeschädigten Atomruine heben und zur Entsorgung zwischenlagern.   Was in jedem Kernkraftwerk der Welt zu den Routinevorgängen gehört, wird in Fukushima zur gefährlichen Aktion: "Hier ist es wegen der Naturkatastrophe etwas anders", sagte eine Tepco-Sprecherin.

Die "Mission Fukushima" findet in einer unberechenbaren Atomruine inmitten von Schutt, Müll und Strahlung statt. Das Gebäudedach von Reaktor vier wurde bei der Katastrophe im März 2011 durch eine Wasserstoffexplosion zerfetzt. Das Innere wird durch eine provisorische Abdeckung halbwegs gegen Regen geschützt. In den Etagen drei und vier des fünfstöckigen Gebäudes fehlen Betonwände. Ein Wunder, dass die fragile Struktur bislang überhaupt noch standgehalten hat.

An der Seite des Maschinenraums steht ein vom Tsunami umgestürzter Lkw. In diesem Umfeld ist eine Evakuierung von 1533 Uran- und Plutoniumstäbe ein äußerst riskantes Unterfangen, wie selbst Akw-Direktor Akira Ono bei einer Pressebesichtigung des Reaktors am Donnerstag einräumte.

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Bergungsarbeiten sollen bis Ende 2014 abgeschlossen sein

Aber es führt kein Weg daran vorbei. Die Brennelemente sollen bis Ende 2014 per Kran und Spezialfahrzeug in rund 100 Meter Entfernung in einem neu errichteten Sammellager abgelegt werden. Laut Tepco kann dieses Erdbeben bis zur Stärke neun widerstehen. Einige Stäbe sind jedoch noch unbenutzt, weil Reaktor vier zum Zeitpunkt der Katastrophe gerade einem Sicherheits-Check unterzogen wurde.  Die größte Gefahr im Augenblick scheint zu sein, dass die Brennelemente beim Transport beschädigt werden und dabei hochgiftiges Plutonium und andere radioaktive Stoffe freigesetzt werden.

"Die Bergung ist ein großer, aber notwendiger Schritt zur vollständigen Stilllegung des Reaktors", rechtfertigt Toyoshi Fuketa von der japanischen Atomaufsichtsbehörde NRA das Risiko. Und wie nebenbei fügt er hinzu, dass nach jetziger Planung die gesamte Stilllegung der Anlage etwa 30 bis 40 Jahre in Anspruch nehmen werde. Als nächstes sollen etwa im Jahr 2015 die abgebrannten Kernstäbe aus Reaktor drei entfernt werden, fünf Jahre später dann aus den Reaktoren eins und zwei. Wegen der dort herrschenden hohen Strahlenbelastung wird das bisher als Robotereinsatz geplant.

Auch der NRA-Chef Shunichi Tanaka macht sich Sorgen. Der Prozess sei riskant, er bringe ein riesiges Gefahrenpotential mit sich, das noch größer sei als das ständige Problem des radioaktiven Kühlwassers. Öffentlich forderte er Tepco-Präsident Naomi Hirose deshalb zu äußerster Vorsicht auf. Die Lage könne sich praktisch in jedem Moment ändern. Unabhängige Experten sprechen von der schwierigsten und gefährlichsten Operation seit der Fukushima-Katastrophe vor rund 1000 Tagen. "Was passiert, wenn sich ein starkes Beben während der Arbeiten mit den Brennstäben im Reaktor vier ereignet?", fragt Masaru Kaneko von der Keio-Universität.

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Autor: Angela Köhler