Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

11. Februar 2012

Komasaufen nimmt zu

Drogenbeauftragte: 13 Prozent der jungen Erwachsenen berauschen sich viermal im Monat.

  1. Trinken bis zum Rausch: Besonders junge Männer sind gefährdet. Foto: ddp

BERLIN (dpa). Das Komasaufen unter jungen Erwachsenen hat erstmals seit Jahren zugenommen. 13 Prozent der 18- bis 25-Jährigen tranken 2011 viermal im Monat bis zum Rausch – nach zwölf Prozent im Jahr 2010. Mindestens einmal im Monat betranken sich in dieser Altersgruppe 42 Prozent – ein Plus von drei Punkten. "Wir müssen sehr darauf achten, dass es nicht zu einer Trendwende kommt", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans bei der Vorstellung der jüngsten Zahlen. Positiv wertet sie, dass immer weniger junge Leute rauchen.

Besonders problematisch ist riskanter Alkoholkonsum bei jungen Männern: Mehr als die Hälfte der 18- bis 25-Jährigen besäuft sich einmal im Monat oder häufiger bis zum Umfallen – ein Anstieg von fünf Punkten auf 55 Prozent. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hatte 5000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren befragt.

Auch der regelmäßige Alkoholkonsum nahm zu: Bei den 12- bis 17-Jährigen trinken 14 Prozent regelmäßig (plus ein Prozentpunkt), bei den jungen Erwachsenen sogar knapp 40 Prozent (plus fünf Punkte). Immerhin sank bei den Jugendlichen der Anteil derer, die sich mindestens einmal im Monat betrinken, auf 15 Prozent.

Werbung


"Wir haben insgesamt eine positive Entwicklung zu weniger Suchtmittelkonsum", stellte Dyckmans heraus. Damit beschrieb sie die überwiegenden langjährigen Trends. So ist die Raucherquote unter den Jugendlichen bis 17 Jahren auf einen neuen Tiefstand gesunken: auf zwölf Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren rauchten noch 28 Prozent der Befragten. Auch die Raucherquote unter Erwachsenen bis 25 ging in dieser Zeit von 45 auf 37 Prozent zurück.

Eigentlich ist der Verkauf von Schnaps an Minderjährige und der Verkauf von Bier und Wein an Jugendliche unter 16 Jahren verboten. Ein nächtliches Verkaufsverbot etwa in Tankstellen, wo sich junge Leute oft mit Alkohol eindecken, gibt es nur in Baden-Württemberg. Dyckmans wollte sich nicht festlegen, ob sie für oder gegen eine Ausweitung des Verbots auf andere Ländern ist. Die FDP-Politikerin sagte, sie sei gespannt, was bei der Auswertung des seit 2010 geltenden Verbots im Südwesten herauskomme.

Beim Kiffen gibt es ein gemischtes Bild. 2011 gaben 7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Das sind weniger als halb so viele wie 2004, als es einen Spitzenwert gab. Unter jungen Erwachsenen ging der Wert aber nur schwach zurück: Zwei von fünf haben schon einmal gekifft.

BZgA-Chefin Elisabeth Pott führte die Rückgänge auf erfolgreiche Prävention zurück, forderte aber mehr Geld für die Vorbeugung bei jungen Erwachsenen. Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Hauptstelle für Suchtfragen, forderte schärfere Gesetze gegen Alkoholwerbung, eine höhere Besteuerung sowie stärkere Sanktionen, wenn an Jugendliche Alkohol verkauft wird. "An der Zigarettenpolitik der vergangenen Jahre sehen wir, wie man wirkliche Effekte erzielt", sagte er.

Autor: dpa