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27. Mai 2009

"Stirb, Hure!"

Die niederländische Künstlerin Tinkebell hat anonyme Hass-E-Mails in einem Buch veröffentlicht.

AMSTERDAM. Seit sie ihrem todkranken Kater Pinkeltje den Hals umdrehte und eine Handtasche aus ihm machte, hat die niederländische Künstlerin Tinkebell Tausende anonyme Hass-E-Mails aus aller Welt bekommen. Jetzt hat sie einige hundert dieser E-Mails als Buch veröffentlicht. Zur Überraschung der Absender enthält es auch deren Namen und Kontaktdaten.

Hass im Internet kann grenzenlos sein. "Wegsperren und exekutieren sollten sie dich!", schrieb eine amerikanische Hausfrau, nach eigenen Angaben liebevolle Mutter von zwei Kindern, der Künstlerin Tinkebell. "Stirb, Hure! Ich werde dich lange leiden lassen", drohte ein 17-Jähriger aus dem holländischen Dorf Naaldwijk. "Warum bringst du nicht auch deine Mutter um und machst eine Geldbörse aus ihr?", hieß es in einer weiteren Nachricht. All das ist in dem kürzlich erschienenen Buch "Dearest Tinkebell" zu lesen, das in den Niederlanden schnell zum Kultobjekt geworden ist.

"Das Buch nimmt dem Phänomen von Hass-E-Mails die Abstraktheit", sagt die 1979 geborene Konzeptkünstlerin, die mit bürgerlichem Namen Katinka Simonse heißt. "Man hört jeden Tag, dass jemand übers Internet anonyme Drohungen bekommt. Jetzt wird deutlich: Es könnte deine Nachbarin sein oder auch dein eigenes Kind." Tinkebell sieht das Werk als Fortsetzung ihrer seit jeher auf Provokation basierenden Kunst. Vor allem mit Haustier-Installationen hat die Absolventin des renommierten Amsterdamer Sandberg-Instituts seit 2004 immer wieder Debatten ausgelöst. Ihr erklärtes Ziel ist die Entlarvung einer doppelten Moral: die Liebe zum Kuscheltier auf der einen, die Ignoranz gegenüber den Qualen industriell verwerteter Tiere auf der anderen Seite.

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So drohte die Niederländerin im Sommer 2007, mit einer öffentlichen Installation 60 Küken durch einen Schredder zu jagen, um auf die massenweise Vernichtung männlicher Küken in der industriellen Eierproduktion hinzuweisen. 2008 schritt die Polizei ein, als sie in einer Amsterdamer Galerie 100 Hamster in Tretmühlen zeigte. "Gegen einen Hamster im Tretrad sagt niemand etwas, aber gegen 100 plötzlich doch", sagte sie.

Den weitaus größten Wirbel löste sie 2004 mit der Präsentation von Kater Pinkeltje als Handtasche aus. Sie wollte damit hinterfragen, wieso eine Gesellschaft die Verarbeitung eines solchen Haustieres zu einem Produkt nicht akzeptiere, zugleich aber die Herstellung von Produkten aus Millionen von Nutztieren gedankenlos hinnehme, hieß es.

Die Aktion ging daneben. Auch nach Jahren erntet Tinkebell mit dem Bild des Handtaschenkaters Kritik – bis hin zu Todesdrohungen in E-Mails. Dass viele davon nun nicht mehr anonym sind, hat Tinkebells Freundin und Kollegin Coralie Vogelaar ermöglicht. Sie hat die E-Mail-Adressen anonymer Absender von einer eigens entwickelten Suchmaschine mit Angaben in Google, Yahoo und in sozialen Netzwerken wie Facebook, LinkedIn oder auch Twitter abgleichen lassen.

Bei ihrer Suche stellte Coralie Vogelaar fest: "Die Verfasser anonymer Hass- und Droh-E-Mails sind oft exhibitionistische Typen, die Hunderte Fotos von sich im Netz platzieren und alles Mögliche über sich selbst berichten." Mit Klagen von enttarnten Absendern rechnen die Frauen nicht. "Die würden wir natürlich sofort wegen Bedrohung anzeigen", sagt Pinkeltjes Ex-Frauchen.

Autor: Thomas Burmeister (dpa)