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14. Juli 2012 00:03 Uhr
Überlebende
Lawine am Montblanc: "Wie eine Waschmaschinentrommel"
Nach demLawinenunglück am Montblanc mit neun Toten versuchen Experten zu klären, wie es dazu kam. Dabei helfen könnten auch Aussagen der Überlebenden.
Unter den Opfern vom Donnerstag sind drei Deutsche, einer von ihnen stammt aus Baden-Württemberg.Erste genauere Berichte zum Unfallhergang kamen vom geretteten Bergführer Daniel Rossetto. Der 63-jährige berichtete am Freitag der Zeitung Le Parisien: "Es war, als würde ich in einer Waschmaschinentrommel stecken." Er war mit zwei dänischen Alpinisten unterwegs und kam – wie seine Kunden – mit leichten Verletzungen davon. Die Lawine sei um 5.15 Uhr plötzlich und "ohne Geräusch, nur mit einem Hauch" über die Gruppe hereingebrochen. "Wir haben versucht zu widerstehen, aber es hat uns den Hang hinab gedrückt – 250 Meter unterhalb des Platzes, an dem wir uns befanden."
Die anderen Seilschaften, die in den Tod gerissen wurden, habe er nicht gesehen. "Die Lawine hat auf 100 Meter Länge und 100 Metern Breite alles hinweggerissen", wird einer der Retter, Patrice Ribes, von der Zeitung zitiert. In den bis zu sechs Metern hohen Schneemassen hätten schwere Eisblöcke gesteckt.
Eines der Lawinenopfer vom Montblanc ist ein Mann aus Neulußheim (Rhein-Neckar-Kreis). Die anderen deutschen Todesopfer stammen nach Informationen des Konsulats in Lyon aus Hamburg und dem sächsischen Aue. Es handele sich um zwei Männer und eine Frau im Alter von 34, 39 und 40 Jahren.
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In Chamonix haben am Freitag Angehörige und Freunde Abschied von den neun Opfern des Lawinenunglücks genommen. Unter den britischen Opfern war der renommierte Bergführer Roger Pyne, der zu den bekanntesten Alpinisten seines Landes gehört. Seine Familie kam ebenfalls nach Chamonix, ebenso wie der britische Botschafter in Paris, Peter Ricketts, und ein Schweizer Konsul. Auch ein Vertreter des deutschen Generalkonsulats in Lyon wurde erwartet.
Die neun Opfer der Lawine wurden im Krankenhaus von Chamonix in getrennten Zimmern aufgebahrt. Bevor die Angehörigen dorthin begleitet wurden, sprach im Rathaus ein Mitglied des Bergungsdienstes mit ihnen. "Wir versuchen den Familien so gut wie möglich zu erklären, warum ihre Angehörigen verunglückt sind, damit sie die Tragödie besser verarbeiten können", sagte Vizebürgermeister Jean-Louis Verdier. Er betonte, es habe "keinen technischen Fehler" gegeben. Für Samstagnachmittag war in der Kirche von Chamonix ein ökumenischer Gottesdienst für die Lawinenopfer geplant.
Die französische Justiz leitete unterdessen Ermittlungen ein, um die Ursachen für das Lawinenunglück zu klären. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob menschliches Versagen ausgeschlossen werden kann. Als mögliche Ursache für die tödliche Lawine gilt eine 40 Zentimeter dicke Eisplatte. Die Platte könnte gebrochen sein und damit die Lawine ausgelöst haben, hatte ein Behördenchef am Vortag erklärt. Unklar blieb, ob sie von einem Alpinisten losgetreten worden war oder sich anderweitig gelöst hatte. Frankreichs Innenminister Manuel Valls ordnete eine Untersuchung an. "Ich habe ein Gutachten bei einem Lawinenexperten in Auftrag gegeben", sagte der zuständige Staatsanwalt Pierre-Yves Michau. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte der starke Wind der letzten Tage große Mengen von Schnee an einem Steilhang angehäuft. Unter dem Gewicht der Bergsteiger löste sich dann vermutlich ein Schneebrett. Die Tragödie gilt als eines der schlimmsten Lawinenunglücke seit Jahren am Montblanc-Massiv.
Autor: dpa/AFP



