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03. August 2012

Mehr Einsätze, weniger Tote

Unfälle auf Klettersteigen haben sich verdoppelt / Statistik des Deutschen Alpenvereins.

  1. Klettersteige wie dieser an der Kanzelwand im Kleinwalsertal locken immer mehr Menschen an – doch nicht alle sind den Anforderungen auch gewachsen. Foto: dapd

MÜNCHEN (dpa). In den Bergen gibt es gemessen an der steigenden Zahl der Sportler immer weniger Tote und Verletzte – dafür muss die Bergwacht immer häufiger erschöpfte und überforderte Menschen aus Bergnot retten. Mangelhafte Kondition und Selbstüberschätzung seien immer öfter Gründe für Hilferufe, bilanzierte der Deutsche Alpenverein (DAV) am Donnerstag in München in seiner Bergunfallstatistik 2011. An der Ausrüstung mangele es hingegen nicht.

Statistisch betrachtet ist Bergsport nicht besonders unfallträchtig. Im Gegenteil: Gemessen an den in die Berge drängenden Menschenmassen passiert wenig, die Unfallzahlen sind prozentual über die Jahrzehnte sogar gefallen, wie die DAV-Unfallstatistik belegt. Der Verband wertet Unfälle seiner Mitglieder aus, und obwohl deren Zahl auf die Millionenmarke zusteuert, lag die Zahl der Todesopfer 2011 mit 45 etwa so hoch wie vor 60 Jahren, als der Verband gerade mal ein Sechstel der Mitglieder hatte. Baden berge jedenfalls ein höheres Risiko als Bergsteigen, sagt Stefan Winter, Ressortleiter Breitensport.

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Viel öfter als früher müssen die freiwilligen Helfer allerdings völlig erschöpfte und verängstigte Menschen aus den Bergen retten. Eine alarmierende Zunahme der Unfälle sieht der DAV vor allem an Klettersteigen. Dort verdoppelte sich die Zahl der gemeldeten Unfälle binnen fünf Jahren. Die Wanderer sind zwar oft gut ausgerüstet – aber ihre Fähigkeiten überschätzen sie umso gründlicher. Sogenannte Blockierungen machten hier fast die Hälfte (45 Prozent) der Notfälle aus: Die Betroffenen können weder vor noch zurück und müssen deshalb gerettet werden. "Zu wenig Kondition, zu wenig Kraft, zu wenig Übung, zu wenig kritische Selbsteinschätzung", fasst Hanno Bilek vom österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit in Innsbruck den Trend zusammen. "Mit der Erfahrung nimmt die Beteiligung an Unfällen ab", sagte Hellberg. "Das bestärkt uns darin, dass Ausbildung sich auch in der Unfallstatistik nachweisen lässt."

Bergsteiger mit schlechter Ausrüstung treffe man immer seltener, sagen die Experten. Dafür sinkt die Hemmschwelle: Gutes Material vermittelt Sicherheit, und man lernt damit schneller – die Kenntnisse bleiben aber oft oberflächlich.

Wandern ist laut DAV die sicherste, aber auch eine besonders beliebte Sportart in den Bergen. Deshalb sind die Unfallzahlen hier stets hoch, mehr als jeder vierte Unfall betraf Wanderer (27 Prozent). Gut die Hälfte der Opfer stolpern, knicken um oder rutschen aus. 20 Prozent bekommen körperliche Schwierigkeiten, vor allem Herz- und Kreislaufprobleme.

Weil es immer mehr Menschen im Winter in die verschneiten Berge zieht, steigen auch in dieser Zeit die Unfälle. Auf der Piste verleiten schnittige Carver schon Neulinge zum Rasen. Der DAV registriert eine Verdreifachung der gemeldeten Unfälle bei Pistenskilauf, Snowboarden und Freeriden seit 1990. Die Zahl könne aber auch durch geändertes Verhalten der Versicherungen beeinflusst sein. Der Statistik zufolge gab es jedenfalls gerechnet auf 1000 Sportstunden beim Skifahren die meisten Verletzungen – sogar mehr als beim Alpinklettern.

TÖDLICHE UNFÄLLE

Allein in den vergangenen Wochen sind mehr als 20 Menschen in den Alpen ums Leben gekommen. Am 3. Juli stürzen am 4010 Meter hohen Lagginhorn im Schweizer Kanton Wallis fünf deutsche Hobby-Bergsteiger in den Tod. Die Ursache ist noch ungeklärt. Am 5. Juli stürzt ein Mann in den Allgäuer Alpen von einer Felswand ab, der 64-jährige Hesse war gestrauchelt. 13. Juli: Eine Lawine reißt am Montblanc-Massiv in den französischen Alpen neun Menschen in den Tod, darunter drei Deutsche. Offenbar hat eine Eisplatte in 4000 Metern Höhe das Unglück ausgelöst. 15. Juli: Ein heftiger Sturm überrascht einen Spanier und eine Polin beim Aufstieg zum Montblanc, sie erfrieren.  

Autor: dpa

Autor: dpa