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07. August 2012

Nasa-Rover

Neugierig auf den Roten Planeten

Der Nasa-Rover ist vollgepackt mit ausgefeilter Technik, die auch aus Deutschland stammt / US-Präsident Obama lobt Landung.

Mit einem spektakulären Manöver ist das Roboterfahrzeug "Curiosity" sanft auf dem Mars gelandet. Im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa im kalifornischen Pasadena brach nach dem Aufsetzen des Rovers um 7.32 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am Montag minutenlanger Jubel der Erleichterung aus. "Das ganze Team ist außer sich", sagte Nasa-Manager Peter Theisinger. "Es ist ein unglaubliches Gefühl."

Viele Forscher hatten vor Freude Tränen in den Augen, andere naschten zur Feier der Landung Schokoriegel der Marke Mars. Auch bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt und an der mit einem Strahlenmessgerät beteiligten Universität Kiel gab es Beifall.

Die Landung sei besser gelaufen als erwartet, sagte der Nasa-Ingenieur Adam Steltzner, der gemeinsam mit einem Team das komplizierte Manöver entwickelt hatte. "Die äußeren Bedingungen auf dem Mars waren etwas freundlicher als wir erwartet hatten. Es war eine wunderschöne Landung." Zudem seien noch 140 Kilogramm Reservetreibstoff an Bord. Auf dem Mars braucht Curiosity den Treibstoff nicht mehr, denn der Rover wird mit einer Atombatterie betrieben. Nur wenige Minuten nach der Landung erreichten erste von Curiosity auf dem Mars geknipste Fotos die Erde.

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Rund zwei Jahre lang soll das sechsrädrige Roboterfahrzeug auf dem Roten Planeten nun nach Spuren von Leben suchen. Curiosity befindet sich nun im Gale-Krater, einem der tiefsten Punkte auf dem Mars. In den nächsten Tagen wird der Rover mit der Arbeit beginnen. Er kann zum Beispiel Bodenproben entnehmen und in einem eigenen Labor gleich analysieren. Außerdem hat er mehrere Kameras, einen Laser, eine Wetterstation, ein Strahlenmessgerät und ein Gerät zum Aufspüren von Wasserstoff.

Curiosity ist die bisher

teuerste Mission zum Mars

Schon von dem Landeplatz erhoffen sich Wissenschaftler viel, denn sie glauben, dass hier einst Wasser geflossen ist. "Der Platz, an dem wir gelandet sind, sieht ganz schön interessant aus, also wollen wir da erstmal gar nicht so schnell wieder weg", sagte Theisinger.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gratulierte der Nasa: "Mit der Landung des Großroboters hat die Nasa ein neues Kapitel der Raumfahrtpolitik aufgeschlagen." Zugleich verwies er auf die Technik für Curiosity aus Deutschland. So war neben dem Strahlungsmessgerät Rad (Radiation Assessment Detector) aus Kiel und Köln auch Software des Siemens-Konzerns zur Entwicklung des Rovers geliefert worden. Die Firma Sensitec aus dem hessischen Lahnau baute magnetische Sensoren zur Überwachung der Räder, der Roboterarme und der Antenne. Die europäische Sonde "Mars Express" markierte den Landepunkt mit einer hochauflösenden Stereokamera HRSC des Unternehmens Astrium in Friedrichshafen am Bodensee. Die Esa hatte die Landung mit Hilfe von Mars Express überwacht.

"Wenn man sich vorstellt, was alles hätte schiefgehen können, dann fällt einem schon ein gewaltiger Stein vom Herzen", sagte der deutsche Astronaut und Esa-Direktor für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, Thomas Reiter, in Darmstadt. Curiosity ist mit rund 1,9 Milliarden Euro die teuerste und gleichzeitig auch die technisch ausgefeilteste Mission, die je zum Mars geschickt worden ist. Mit rund 900 Kilogramm hat der Roboter das Gewicht eines älteren Kleinwagens – und ist damit mehr als viermal so schwer wie seine Vorgänger "Spirit" und "Opportunity".

Reiter packt zugleich das Fernweh. "Natürlich könnte ich mir vorstellen, selbst bei einer Mars-Mission mitzumachen", sagte er. Allerdings sei das bloße Theorie: "Da sind noch viele technische Probleme zu lösen, sei es die Reisezeit von mehr als zwei Jahren für den Hin- und Rückweg, sei es der Strahlenschutz." Er versichert jedoch: "In zwei oder drei Jahrzehnten wird ein Mensch auf dem Mars stehen, daran habe ich keine Zweifel." Die zentrale Frage der Mars-Forschung sei weiterhin die nach dort möglichem Leben. "Es könnte Einzeller geben, Viren oder Bakterien, vielleicht auch nur deren Reste, die aber beweisen, dass Leben auf dem Mars vor einer gewissen Zeit einmal existiert hat."

US-Präsident Barack Obama lobte die Landung als eine beispiellose Technologie-Leistung. "Heute haben die USA auf dem Mars Geschichte geschrieben", sagte Obama einer Mitteilung aus dem Weißen Haus zufolge. Nasa-Direktor Charles Bolden lobte: "Präsident Obama hat eine mutige Vision ausgegeben, Menschen bis Mitte der 2030er Jahre zum Mars zu senden, und die heutige Landung markiert einen wichtigen Schritt dazu, dieses Ziel zu erreichen." Die Nasa hatte dieses Erfolgserlebnis herbeigesehnt, nachdem Budgetkürzungen und das politisch durchgesetzte Ende der rund 30-jährigen Raumschiff-Ära gewaltig am Selbstbewusstsein der Behörde genagt hatten. Die letzte US-Raumfähre war 2011 außer Dienst gestellt worden.

Autor: dpa/AFP