Nicht nur Bahnhof verstehen

Isabell Scheuplein

Von Isabell Scheuplein (dpa)

Do, 24. Januar 2019

Panorama

Eine neue digitale Technik soll Durchsagen der Deutschen Bahn für Kunden verständlicher machen.

FRANKFURT. Klar und deutlich kommt die Durchsage am Bahnsteig an. Das Rauchen ist demnach in diesem Teil des Bahnhofs nicht gestattet. Doch dann fährt eine S-Bahn ein und am anderen Gleis eine los – und das Ende der Fahrgast-Belehrung geht im Zuglärm unter. "Das müssen wir noch anpassen", stellt Roman Sick vom Berliner Unternehmen Holoplot fest. Gemeinsam mit der Bahn testet er ein neues Audiosystem, das für verständlichere Lautsprecher-Durchsagen sorgen soll. Bei Erfolg in Frankfurt soll es auch an anderen Bahnhöfen eingesetzt werden.

Roman Sick betont am Mittwoch im Frankfurter Tiefbahnhof, in der auf ein halbes Jahr angelegten Testphase gehe es darum, solche Probleme wie bei der Vorführung zu lösen: "Wir wollen unterschiedliche Szenarien testen." Das neue System sei vor einer Woche installiert worden, der Lärm zweier gleichzeitig fahrender Bahnen müsse nun noch integriert werden. Bahnhöfe seien "sehr schwierige Umgebungen", es sei dort viel Beton verbaut, und es gebe viele Lärmquellen.

An zwei unterirdischen Frankfurter S-Bahnsteigen hat das Berliner Unternehmen an elf Standorten insgesamt 23 Audio-Module installieren lassen. Das Besondere an den schwarzen Kästen: Sie bestehen nochmals aus vielen Mini-Lautsprechern und werden von einer Software gesteuert, wie Sick erklärt. Die Ausbreitung des Schalls lasse sich so bis auf wenige Zentimeter genau beeinflussen. Fahrgäste, die an einem Gleis warteten, würden nicht mehr länger von Durchsagen gestört, die eigentlich für diejenigen an einem anderen gedacht seien. 150 000 Euro geben die Unternehmen für den Test aus. Bewährt sich das System, stehe einem Einsatz an anderen Bahnhöfen nichts im Weg. Die Fahrgäste bräuchten verständliche Informationen über den Stand ihrer Verbindungen. "Wenn wir es ihnen sagen, aber sie verstehen es nicht, haben wir ein Problem", sagt Susanne Kosinsky von der Deutschen Bahn.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt den Test: "Wenn am gegenüberliegenden Gleis gleichzeitig eine Durchsage läuft, versteht man oft nichts mehr", sagt Karl-Peter Naumann. Auch Probleme an kleineren Stationen harrten einer Lösung – etwa, wenn es Beschwerden von Anwohnern wegen zu lauter Durchsagen gebe oder bei Wind und Zugdurchfahrten. Doch Verständlichkeit ist nicht alles, die Informationen müssen auch stimmen. Ärger verursachten etwa sich widersprechende Aussagen beispielsweise über Verspätungen, je nachdem, ob ein Kunde eine App benutze oder am Bahnsteig stehe, sagt Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds. Noch in diesem Jahr solle es für das Rhein-Main-Gebiet einen Testlauf mit einem verbesserten Informationssystem geben.

Auch an anderen Stellen ringt die Bahn um Verbesserungen: In einem Castingverfahren wurde 2018 eine neue Stimme für die automatischen Durchsagen an den bundesweit rund 10 000 Bahnsteig-Lautsprechern gesucht. Bahn-Mitarbeiter und Kundenbeirat durften eine Vorauswahl treffen. Das letzte Wort hat nun der Bahnvorstand.