Nikotinbombe mit Mangogeschmack

dpa

Von dpa

Sa, 08. Dezember 2018

Panorama

In den USA sind die E-Zigaretten der Firma Juul bereits ein Renner / Nun kommt der elektronische Glimmstengel mit dem hohen Suchtpotential auch nach Deutschland.

WASHINGTON (dpa). Juul ist in den USA extrem erfolgreich – und hoch umstritten: Auch unter Schülern wird die E-Zigarette, die vom Aussehen an einen USB-Stick erinnert aber immens viel Nikotin beinhaltet, immer beliebter. Nun kommt sie auf den deutschen Markt.

Die unscheinbare E-Zigarette mit dem Namen Juul sieht aus wie ein zu langer USB-Stick und ist aus Nathan Behrs Leben nicht mehr wegzudenken. Seit sein Mitbewohner ihm vor etwa einem Jahr ein Starter-Kit mit vier Geschmacksrichtungen schenkte, verzichtet der 20-Jährige, der gerade in Washington studiert, auf herkömmliche Tabak-Zigaretten. Heute "juult" er – so wie Millionen andere Amerikaner. Die US-Gesundheitsbehörde FDA schlägt Alarm – insbesondere wegen der vielen Schüler, die an Juul ziehen. Und bald soll die stark nikotinhaltige und sehr suchterregende E-Zigarette auch in Deutschland erhältlich sein.

"Juul" und "juulen" sind Begriffe, die an Universitäten und High-Schools in den USA mittlerweile jeder kennt. Die E-Zigarette, die seit drei Jahren in Geschmacksrichtungen wie Mint, Mango oder Tabak erhältlich ist, hat sich rasend schnell in den USA verbreitet. Juul besteht wie andere E-Zigaretten aus einer Batterie, einem Erhitzer und einer Kapsel mit Flüssigkeit. Aufgeladen wird sie über einen USB-Anschluss. Manche bezeichnen sie als das iPhone unter den E-Zigaretten. Sie ist stylisch, stark – und umstritten.

Am 12. Dezember will der Juul-Konzern die E-Zigarette in Hamburg präsentieren – sie soll allerdings weniger Nikotin enthalten als in den USA. Der Geschäftsführer von Juul Labs Deutschland, Markus Kramer, teilte mit: "Juul sollte weder von Kindern oder Jugendlichen noch von (erwachsenen) Nicht-Rauchern genutzt werden." Dennoch greifen in den USA nach einer neuen Studie der US-Gesundheitsbehörde auch zahlreiche Minderjährige zur E-Zigarette. Für viele dürfte es der erste Kontakt mit dem Suchtmittel Nikotin sein.

Nach Firmenangaben hat sich Juul Labs das Ziel gesetzt, erwachsene Raucher herkömmlicher Zigaretten zum Umstieg auf Juul zu bewegen – E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als Tabak. Selbst der Geschäftsführer des US-Unternehmens Juul Labs, Kevin Burns, räumt allerdings ein "unbeabsichtigtes und ernstes Problem" ein: "Die Nutzung von E-Zigaretten, inklusive Juul, bei Minderjährigen."

Juul-Raucher Nathan Behr sagt: "Weil es einfach so lecker schmeckt, will man es die ganze Zeit." Mango sei immer seine Lieblings-Geschmacksrichtung gewesen, inzwischen kaufe er aber andere Varianten. Er habe beinahe durchgehend an seiner Juul gezogen, das habe ihm nicht gutgetan. Die verkaufsüblichen Juul-Kapseln in den USA enthalten 59 Milligramm Nikotin pro Milliliter. Das entspricht einer Nikotin-Konzentration von fünf Prozent und ist selbst für erfahrene Raucher extrem viel. Erst seit einigen Monaten sind in den USA auch Kapseln mit geringeren Dosierungen erhältlich. In EU-Mitgliedstaaten dürfen E-Liquids maximal 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter (1,7 Prozent) enthalten. Das werde auch bei den Produkten, die nun auf den deutschen Markt kommen der Fall sein, bestätigt Kramer.

Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum hat in jedem Fall große Bedenken. "Auch wenn E-Zigaretten weniger Schadstoffe enthalten als herkömmliche Zigaretten, sind sie gesundheitlich bedenklich und besitzen ein Abhängigkeitspotenzial – letzteres gilt insbesondere für Juul, die selbst bei Einhalten der gesetzlichen Vorgaben mit 20 Milligramm pro Milliliter sehr viel Nikotin enthält."

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sagte im vergangenen Monat: "Der Fall Juul zeigt, dass man den E-Zigarettenmarkt nicht sich selbst überlassen kann. Wir müssen uns genau anschauen, ob die aktuelle Obergrenze beim Nikotin so in Ordnung ist."

In den USA begegnet man Juul überwiegend in der hochkonzentrierten Variante, mittlerweile an allen möglichen Orten: In Studenten-WGs, an U-Bahnstationen, aber auch auf Schulhöfen. Der US-Comedian Dave Chappelle "juult" während einer seiner neuen Netflix-Shows auf der Bühne vor seinem Publikum. Erlaubt ist das nicht, schließlich gelten die US-Rauchverbote wie in Deutschland auch für E-Zigaretten. Und die sind in den USA besonders streng.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA veröffentlichte im November alarmierende Zahlen zur Nutzung von E-Zigaretten unter Schülern in den USA. Die Zahl der US-Konsumenten in der Mittel- und Oberstufe sei innerhalb eines Jahres um 1,5 Millionen angestiegen, hieß es in einer Studie. Mehr als 3,6 Millionen Schüler hätten angegeben, in den vergangenen dreißig Tagen eine E-Zigarette geraucht zu haben. Alleine an den High Schools habe die Zahl der Nutzer innerhalb eines Jahres um 78 Prozent zugenommen – dort raucht demnach inzwischen mehr als jeder fünfte Schüler E-Zigarette.