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03. September 2010

Russen helfen sich selbst

Die Brandkatastrophe hat vielen bestätigt, dass sie sich nicht auf die Politik verlassen können.

  1. 9000 Quadratkilometer Land sind verbrannt. Foto: AFP

MOSKAU. Die Russen können wieder durchatmen: Der Ausnahmezustand ist aufgehoben, die Waldbrände sind weitestgehend gelöscht. Die Bilanz der Brände ist allerdings verheerend. Eine Fläche mehr als dreieinhalb mal so groß wie das Saarland ist niedergebrannt, keiner glaubt der offiziellen Statistik, die nur 50 Todesopfer verzeichnet.

Der "schwarze August" endet in Burino, etwa 160 Kilometer östlich von Moskau, kühl und windig. Eine Frau sitzt am Straßenrand, ein wollenes rosafarbenes Tuch um den Kopf geschlungen. Ein Korb steht vor ihr, sie schält die murmelgroßen Zwiebeln aus ihrem Garten. Sie wohnt allein wie viele hier. "Manchmal vertragen sich die Menschen hier nicht, aber das Feuer hat sie zusammengeschweißt", sagt sie. Wochenlang zitterten die Bewohner von Burino vor dem Feuer, das jeden Tag näherkam. Als sie die Flammen sehen konnten, schritten sie in einer Prozession über den sandigen Weg, ihre Hauptstraße. Vorneweg der Priester, alle gemeinsam die Ikonen der Heiligen Mutter preisend. Sie beteten laut: "Verschone unser Dorf." In die Bücherei am Waldrand waren Feuerwehrleute eingezogen. "Gott ist uns zu Hilfe gekommen", sagt Bürgermeisterin Irina Nikonorowa heute.

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Burino ist außer Gefahr, alle Evakuierten sind zurück. Die Lage habe sich normalisiert, melden die Behörden, der Ausnahmezustand ist aufgehoben. Doch die Bilanz der Flächenbrände ist verheerend. Etwa 9000 Quadratkilometer standen in diesem Sommer in Flammen. Offiziell starben 50 Menschen. Russische und internationale Hilfsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass es weit mehr Opfer gibt. Hunderte wurden verletzt, Tausende sind obdachlos. Ein Viertel der Weizenernte ist zerstört. Doch Russland bleibt ruhig. Denn die Feuer haben die Menschen nur in dem bestätigt, was sie eigentlich immer wussten: Wenn es hart auf hart kommt, hilft uns kein Präsident, dann sind wir auf uns allein gestellt.

In Rjasan, 250 Kilometer südlich von Moskau, brennen immer noch Torf und Häuser. "Schade, dass die Beamten vergessen haben, dem Torf zu befehlen, nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Wirklichkeit aufzuhören zu brennen", schreibt Igor Podgornij in seinen Internetblog. Es folgen Kommentare von Usern, Fragen nach Kontakttelefonen, Hilfsangebote. Wenn etwas funktioniert hat in diesem schwarzen August, dann war es die Mobilisierung eines Freiwilligenheeres, allen voran im Internet. Hier fanden die Menschen Informationen über Ort und Größe der Brände.

"Doktor Lisa" teilt im Blog mit, sie verteile wieder feste Schuhe und Atemschutzgeräte, das Internetportal "Miloserdie" (Barmherzigkeit) hat für Opfer der Brandkatastrophe inzwischen umgerechnet über 1,5 Millionen Euro gesammelt. Die Russen helfen sich selbst, und sie sind stolz darauf. Auch in Burino ist die große Politik weit weg. Frauen, Alte und Kinder teilten Hoffnungen und Ängste, während die Männer draußen am Waldrand kämpften.

Autor: Diana Laarz, Nikolai Krinner (n-ost)