Den Ruf befleckt

Smartphone-Verbot für italienische Polizisten

Julius Müller-Meiningen

Von Julius Müller-Meiningen

Di, 04. Dezember 2018 um 11:40 Uhr

Panorama

Carabinieri dürfen ihr privates Smartphone im Dienst nicht mehr nutzen. Ein Foto, das zwei Polizisten zeigt, die auf ihre Smartphones starren, sorgt für Empörung.

Die italienische Militärpolizei legt großen Wert auf ihr Auftreten: blankpolierte Lederschuhe, weißes Portepee und schwarzes Barett mit flammendem Granatenemblem. Umso größer muss der Ärger beim Generalkommando gewesen sein, als im Internet ein Foto von drei Carabinieri kursierte, die diesen Sommer allzu entspannt ihren Dienst versahen und tief versunken über den Bildschirmen ihrer Mobiltelefone meditierten. Nun haben die Carabinieri Smartphone-Verbot.

Es ist ein bekanntes Gefühl. Man steht mit Bekannten herum, das Gespräch kommt zum Erliegen, es wird still. Aber anstatt die Stille zu ertragen, bewegt sich die eigene Hand wie ferngesteuert in die Hosentasche und zückt das Smartphone. Emails checken, Nachrichten beantworten, eine App öffnen. Bloß nicht gar nichts machen! So ging es auch drei italienischen Carabinieri, die im Sommer gleichzeitig aufs Handy starrten. Ein anonymer Beobachter hielt die Szene (per Smartphone) fest und löste Empörung im ganzen Land aus. Die Beamten, die eigentlich besonders aufmerksam sein müssten, erliegen der höheren Kraft der elektronischen Schaltkreise in ihren Händen.

Das Generalkommando der zum italienischen Militär zählenden Carabinieri reagierte nun mit einem Handyverbot für die Beamten, zumindest was den privaten Gebrauch der Geräte angeht. Im Dienst sei "höchste Aufmerksamkeit" gefordert. Das "kompulsive Kontrollieren von Chats, Nachrichten und Applikationen" beeinträchtige die Konzentration und die "Effizienz der Aktivität" der Carabinieri, hieß es. Nachteilig wirke sich die unkontrollierte Benutzung der Smartphones nicht nur auf die Sicherheit der Öffentlichkeit, sondern auch auf die des unkonzentrierten Polizeipersonals selbst aus. Nicht zu vernachlässigen sei auch die negative Außenwirkung.

Tatsächlich machen sich viele Italiener gerade über die einst als Inbegriff der Integrität und Vertrauenswürdigkeit geltende Institution lustig. Die italienischen Carabinieri haben ihren Ruf mehrfach befleckt, etwa durch Erpressungen von Politikern, aber auch durch ungerechtfertigte Gewalt. Das Sicherheitsbedürfnis vieler Italiener ist zuletzt gestiegen. 4,5 Millionen Italiener, also fast einer von zehn, sollen inzwischen eine eigene Waffe zuhause aufbewahren. Die Sicherheitsgesetzgebung der Regierung ist so ambitioniert wie lange nicht. Und das bei sinkenden Straftaten.

Haben die Carabinieri also gute Gründe, sich zu entspannen? Sie könnten sich gedacht haben: Es passiert ja doch nichts, wenn wir da sind, schon gar nicht an diesem lauen Sommerabend auf der Piazza. Vielmehr halten die Beamten ihren Mitbürgern einen Spiegel vor. Laut dem Marktforschungsinstitut YouGov bekommen 53 Prozent aller Smartphone-Nutzer Angstzustände, sobald ihre Mobiltelefone keine Batterie, oder kein Datenvolumen mehr haben. Die drei Carabinieri hatten davon aber wohl noch genug.