Stromschlag auf ICE-Dach

dpa

Von dpa

Sa, 11. August 2018

Panorama

Jugendlicher schwer verletzt.

NIENBURG (dpa). Auf dem Dach eines ICE ist ein 17 Jahre alter Hamburger mit bis zu Tempo 200 Richtung Süden gerast und hat unterwegs einen Stromschlag erlitten. Erst bei einem zufälligen und außerplanmäßigen Stopp nach rund 150 Kilometern konnte der schwer verletzte junge Mann in Nienburg vom Dach des Zuges springen, teilte die Bundespolizei am Freitag mit. Er suchte Hilfe bei einer nahe gelegenen Baufirma, die den Rettungsdienst verständigte. Per Rettungshubschrauber kam der junge Mann in eine Spezialklinik nach Hannover. Sein Zustand ist stabil, genauer Ablauf und Motiv der Aktion waren noch unklar.

Wo es dem jungen Mann in Hamburg gelungen ist, auf das Dach des ICE zu steigen, der nach Stuttgart fuhr, war auch für die Bahn noch ein Rätsel. Unterwegs hatte der 17-Jährige sich an dem Gummiwulst zwischen zwei Waggons festgehalten. Nach Vermutung der Polizei könnte der junge Mann den Stromschlag bei Verden erlitten haben. Die Polizei warnte: Bereits bei der Annäherung an die Oberleitung, die unter 15 000 Volt Spannung steht, könne es zu einem tödlichen Spannungsüberschlag kommen. Bei Tempo 200 führten Abstürze oder Berührungen mit Hindernissen zum Tod.

Immer wieder hat es die Bahn mit Menschen zu tun, die sich an Züge klammern und damit ihr Leben riskieren. Im vergangenen Jahr hielt sich ein 59-Jähriger in Bielefeld an einem ICE fest, nachdem er sein Gepäck in den Zug gestellt hatte, der ohne ihn losrollte. Ein Bahner bemerkte den auf einem Trittbrett stehenden Mann, sodass der Zug langsam bis zum nächsten Bahnhof fuhr, wo der Wagemutige in den Zug geholt wurde. In Oldenburg klammerte sich ebenfalls im Vorjahr ein 20-Jähriger an eine ausfahrende Bahn, die er und einige Kumpel verpasst hatten. Der Zug machte eine Notbremsung, mitgenommen wurde die Truppe aber trotzdem nicht.