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06. Dezember 2017 23:50 Uhr

Bangkok

Thailand leidet unter einer extremen Schlangenplage

Von einer Schlange gebissen zu werden, während man auf der Toilette sitzt: Für viele Menschen ist das der blanke Horror. Einer Frau in Thailands Hauptstadt Bangkok ist das nun passiert.

  1. Eine giftige Mangroven-Nachtbaumnatter in einer Schlangenfarm in Bangkok. Foto: dpa

Thailands Hauptstadt hat schon lange ein Problem mit Schlangen – aber in diesem Jahr ist es so groß wie noch nie. Die Zeiten, in denen sich Panarat Chaiyapoon seelenruhig aufs Klo setzte, sind ein für alle Mal vorbei. Seit jenem Tag im Juli schaut die Thailänderin jedes Mal genau in die Schüssel, bevor sie sich niederlässt – egal, wo. Damals, in ihrem Haus in Bangkok, auf der Toilette im Erdgeschoss, tat sie das noch nicht. Und erschrak wie nie zuvor, als sie von unten in den Hintern gebissen wurde: von einer zweieinhalb Meter langen Python.

Die Würgeschlange ist zwar nicht giftig und wurde gleich geschnappt. Panarat musste trotzdem blutend ins Krankenhaus. Die Ärzte stellten Abdrucke von acht Zähnen fest, einige anderthalb Zentimeter tief. Eine Woche später fand ihre 15 Jahre alte Tochter in derselben Toilette noch eine Python. Diese Begegnung lief zwar glimpflicher ab, die Tochter zog trotzdem für eine Weile zu Verwandten.

Damit hat es Panarats Familie besonders arg erwischt. Aber auch viele andere Bewohner Bangkoks bekamen es in diesem Jahr häufiger mit Schlangen zu tun, als ihnen lieb sein konnte. Bis Anfang Dezember musste die Feuerwehr in der Neun-Millionen-Stadt mehr als 32 000 Mal ausrücken, um Kriechgetier einzusammeln – kleines, großes, harmloses, gefährliches. So schlimm war es in einem einzigen Jahr noch nie.

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Kürzlich gingen an einem einzigen Tag 173 Anrufe wegen Schlangen-Sichtungen ein. Feueralarm gab es hingegen nur fünfmal. Der Vizechef der Hauptstadt-Feuerwehr, Prayul Krongyos, klagt, dass der Kampf gegen die Schlangenplage inzwischen sogar Hauptaufgabe seiner Leute geworden sei. "Wenn wir ähnlich viele Feuer hätten wie Schlangen, würden wir nicht überleben."

Bangkok ist ein Paradies für Schlangen. Von den mehr als 200 Arten, die in Thailand zu Hause sind, kommt etwa die Hälfte auch in der Hauptstadt vor. Pythons gibt es nicht nur am Tempel Wat Arun, wo sich Touristen die Tiere gegen etwas Geld um den Hals legen lassen können, sondern auch in freier Wildbahn. Dass man die Türen geschlossen hält, ist in Bangkok deshalb selbstverständlich.

Dass es gerade besonders viele Schlangen gibt, liegt zum einen daran, dass 2017 ein ungewöhnlich regenreiches Jahr war. Die Überflutungen zwangen die Tiere dazu, sich höher gelegene Reviere zu suchen. Zudem wird vor allem an den Rändern der Stadt gerade viel auf Schlangengebiet gebaut. Und auch Bangkoks chronisches Abfallproblem hat Schuld. Der vielfach offen herumliegende Müll lockt Mäuse, Ratten und Vögel an. Diese sind ein gefundenes Fressen für die Schlangen.

Der Tierschützer Nonn Panitvong meint deshalb, dass man überhaupt nicht von einer "Schlangenplage" sprechen sollte, weil Pythons & Co. auch viel Gutes tun. "Schlangen sind die am meisten missverstandenen Tiere der Welt", sagte Nonn kürzlich der New York Times. "Solange sie nicht provoziert werden, verletzen sie nicht."

Über den Messaging-Dienst Line – eine Art asiatische Ausgabe von WhatsApp – hat Nonn nun eine eigene Gruppe "Snake at Home" ("Schlange zu Hause") gegründet. Dort kann man sich sofort informieren, ob eine Schlange gefährlich ist oder nicht. Die Gruppe hat schon 30 000 Mitglieder. Pro Tag gehen 30 Anfragen ein. Für die Idee bekam Nonn eine Auszeichnung als Thailands erster "Held der Biodiversität".

Im Haus von Panarat Chaiyapoon hat sich die Sache inzwischen übrigens geklärt. Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass der Boden unter dem erst fünf Jahre alten Wohngebäude etwas abgesunken war. Dabei wurde eines der Abwasserrohre beschädigt – das entstandene Loch war groß genug für eine Python. Seit es dichtgemacht wurde, gab es auf der Toilette keinen unerwünschten Besuch mehr. Panarat schaut trotzdem lieber nach. Immer.

Autor: Christoph Sator (dpa)