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14. September 2011

Fränkischer Inzestfall

Tochter 34 Jahre lang missbraucht?

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen einen Vater in Franken / Drei Söhne mit Tochter gezeugt.

NÜRNBERG (dpa/AFP). Wenn die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stimmen, gibt es einen fränkischen Inzestfall, der Assoziationen zum österreichischen Fall Fritzl wach werden lässt: 34 Jahre lang soll ein Vater seine Tochter vergewaltigt und drei Söhne mit ihr gezeugt haben. Ein System aus Angst und Kontrolle scheint verhindert zu haben, dass die heute 46-Jährige aus ihrem Martyrium ausbrach. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhob jetzt Anklage gegen den Mann wegen Vergewaltigung in 497 noch nicht verjährten Fällen, wie die Strafverfolger am Dienstag bekannt gaben.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft war das Opfer 12 oder 13 Jahre alt, als sein Vater es zum ersten Mal zum Geschlechtsverkehr zwang. Es soll der Auftakt zu einem jahrzehntelangen Leidensweg gewesen sein: Seitdem vergewaltigte der heute 69-Jährige seine Tochter den Ermittlungen zufolge mehrmals in der Woche. Als Erwachsene wurde sie schwanger, gebar im Laufe der Zeit drei Söhne. "Alle drei Kinder sind, beziehungsweise waren, behindert", sagt Antje Gabriels-Gorsolke von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Zwei der Jungen starben schon im Kindesalter, dennoch scheint aufgrund von genetischen Tests klar: Der Vater der Kinder ist zugleich ihr Großvater.

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Doch warum suchte das Opfer keine Hilfe? Warum lebte die Frau bis zuletzt im Hause ihrer Eltern im nördlichen Mittelfranken? Schließlich sperrte ihr Vater sie nicht ein wie der Österreicher Josef Fritzl seine Tochter. "Das ist sehr schwer nachvollziehbar, aber der Vater soll sehr autoritär gewesen sein und die Frau ständig beim Einkaufen und Autofahren begleitet und soziale Kontakte unterbunden haben", sagt Staatsanwältin Gabriels-Gorsolke. Geradezu ein Glücksfall scheint daher im Rückblick eine gerichtliche Verurteilung der Frau zu sein. Weil sie versucht hatte, die Ehefrau eines Arztes zu erpressen, den sie für die Behinderung eines ihrer Söhne verantwortlich machte, bekam sie eine Bewährungsstrafe – und eine Bewährungshelferin. "Die halten regelmäßig Kontakt zu ihren Probanden", erklärt Gabriels-Gorsolke. Dadurch fasste das Opfer Vertrauen zu der Frau – und offenbarte sich.

Seit März sitzt der 69-jährige Vater in Untersuchungshaft. "Der Mutter lag auch zur Last, dass sie einige Vorfälle mitbekommen hat", ergänzt Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke. Allerdings seien diese Straftaten bereits verjährt. Die Anklage richtet sich deshalb nur gegen den Vater. Den Sex mit seiner Tochter gibt der Rentner zu, doch beharrt er auf "stets einvernehmlichen" Kontakten. Schwere Vergewaltigung wird mit zwei bis 15 Jahren Gefängnis geahndet, für Inzest gibt es maximal zwei Jahre Haft.

Autor: afp