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08. Februar 2010
UNTERM STRICH: Grauburgunder statt Pinot Gris
Michael Neubauer findet, der Streit um mehr deutschen Wein im EU-Parlament lässt sich nur bei einem Glas Wein lösen.
So ist das nun mal auf der Welt: Bevor sie wieder ein bisschen verändert wird, gehen die Verantwortlichen erst einmal gut essen. Auch die Europaabgeordneten. Sie speisen regelmäßig in den Restaurants des Europaparlaments in Straßburg und Brüssel mit Regierungschefs, Lobbyisten, Gästen und Stars aus aller Welt. "Regen lässt das Gras wachsen, Wein das Gespräch", so heißt ein Sprichwort aus dem EU-Mitgliedsland Schweden. Aus diesem Grund gibt es wohl im Parlamentsrestaurant auch eine lange Weinkarte. Doch sie sorgt für Missmut bei einigen deutschen Europaabgeordneten: Denn darauf dominieren eindeutig die französischen Tropfen.
Allein 32 Rotweine auf der Karte stammen aus Frankreich, aus Deutschland kommt nur ein einziger (Lemberger trocken Staatsweingut Weinsberg 2003). Sogar Chile ist häufiger auf der Karte vertreten. In einer EU der 27 Staaten und der Weinvielfalt darf das nicht sein, grummelt der Europaabgeordnete Werner Langen (CDU). Der gebürtige Moselaner und frühere Weinbauminister in Rheinland-Pfalz schrieb wegen dieses deutschen Weinmissstands dem Generalsekretär des Parlaments einen eindringlichen Brief. Darin bittet er darum, "dass die Vielfalt der Weinregionen Europas durch die Weinkarten der parlamentseigenen Restaurants besser abgebildet wird". Das größte Mitgliedsland Deutschland müsse mehr Weinflaschen nach Brüssel und Straßburg senden können. Wollen die deutschen Parlamentarier guten heimischen Wein trinken, müssen sie derzeit in Brüssel in ihre Landesvertretung flüchten.
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Die Gründe für den Sieg der französischen Weine ist klar: In der Verwaltung arbeiten viele Franzosen und Belgier – und die trinken, was sie kennen. Und schließlich ist der Sitz des Parlaments nun mal Straßburg – die elsässischen Winzer können sich freuen, dass einige ihrer Weine es auf die EU-Weinkarte geschafft haben. Werner Langen sagt, mit den Elsässer Tropfen könnten die Deutschen spielend leicht mithalten. Und der Freiburger Abgeordnete Andreas Schwab (CDU) pocht auf eine regionale weinige Ausgewogenheit: Baden sei an Straßburg genauso dran wie das Elsass, manche EU-Trinker wüssten das gar nicht.
Die Deutschen machen jetzt beim Thema EU-Erweiterung auf der Weinkarte mobil – mit der Wunderwaffe deutsche Weinkönigin. Sie soll das Parlament besuchen. Weinproben sollen den Rest erledigen. Doch Vorsicht: Solch forsche Lobbyarbeit könnte bei den mitentscheidenden Franzosen als zu polternd daherkommen. Wir empfehlen: Erst einmal mit den Verantwortlichen zusammen essen gehen. Zur Not mit französischem Wein. Es soll ja schlechtere geben.
Autor: mic
