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15. November 2017

Afrika

Wie Kinder von Patenschaften profitieren

Sie geben der Spende ein Gesicht – wie Kinder in ärmeren Ländern von Patenschaften profitieren.

  1. Hilfe nicht nur für Afrika: Die Fernsehschauspielerin Marie-Luise Marjan besuchte 2015 in Ouanaminthe auf Haiti ihr Patenkind, die siebenjährige Alexis. Foto: Stephan Rumpf/Plan International/dpa

ARUSHA. Hunderttausende Deutsche haben eine Patenschaft für ein Kind in einem ärmeren Land übernommen. In Afrika haben diese Patenschaften viel bewirkt, und das weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit: Sie haben Kinder auf Erfolgskurs gebracht.

Das King’Ori-Gebiet in der fruchtbaren Ebene zwischen den Städten Arusha und Moshi im Norden Tansanias ist ein Beispiel für die nachhaltige Wirkung von Kinderpatenschaften. "Als wir ankamen, haben die meisten Menschen hier noch sehr arm gelebt, nur wenige Kinder gingen in die Schule", erklärt Yosh Kasilima, Einsatzleiter bei World Vision Tansania. Inzwischen gehen rund 95 Prozent der Kinder in eine Grundschule. Die Helfer haben dort von 1998 bis 2012 unter anderem die Trinkwasserversorgung und den Zugang zu medizinischer Hilfe verbessert, Schulen ausgebaut und Lehrer trainiert.

Hilfsorganisationen nutzen Patenschaften, um Spender in reichen Ländern langfristig zu binden und damit Kindern in ärmeren Ländern ein besseres Leben zu ermöglichen. Bei Plan International und World Vision kostet eine Patenschaft zurzeit rund 30 Euro pro Monat. Das Geld, von dem allerdings noch Verwaltungskosten abzuziehen sind, geht jedoch nicht direkt an die Familie oder das Kind, denn das könnte in einem Dorf Neid und Zwietracht sähen. Außerdem wäre es unmöglich, zu kontrollieren, was genau aus den Spenden wird. Deswegen werde Dorfgemeinschaften geholfen, was nach und nach eine ganze Region zum Besseren verändere: So wirbt Plan International.

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Um die Zukunftschancen der Kinder zu verbessern, brauche es eine bessere Infrastruktur wie auch Überzeugungsarbeit, sagt Kasilima. "Manche Leute hier denken zum Beispiel, dass die Kinder nur die Ziegen und die Rinder hüten und nicht in die Schule gehen sollen." Darüber müsse man mit Familien in Tansania immer wieder sprechen. "Die Kinderpatenschaften sind da ideal, weil eine langfristige Bindung mit der Gemeinschaft entsteht."

Für die Hilfsorganisationen hat sich das Modell gut bewährt. Die regelmäßige Information von Paten und der Austausch von Briefen verursacht Verwaltungskosten. Aber wer einmal dabei ist, überweist seinen Beitrag jahrelang Monat für Monat – denn wer will schon ein Kind enttäuschen? "Das Kind gibt einer Spende ein Gesicht. Es ist einfach schöner, eine so persönliche Verbindung zu haben, da weiß man, wofür man spendet", sagt die deutsche Schauspielerin Marie-Luise Marjan, die seit 1990 über Plan International Patenkinder unterstützt.

In Deutschland betreut die christliche Hilfsorganisation World Vision knapp 200 000 Patenkinder. Die konfessionslosen Helfer von Plan International betreuten 2007 noch rund 250 000, inzwischen sind es 320 000 Patenkinder. Fast die Hälfte davon lebt in Afrika. "Einen Paten zu haben, ist für viele Kinder eine Erfahrung, die ihr ganzes Leben verändert", sagt der Kenianer George Kamau, ein früheres Patenkind bei World Vision. Dank der Patenschaft bekam er kostenlos Zugang zu medizinischer Versorgung. "Die kleine Narbe einer Tuberkulose-Impfung auf meiner linken Hand erinnert mich bis heute daran", sagt der inzwischen 37-Jährige. Sein Pate half auch mit den Schulgebühren. "In einem Brief forderte mich mein Pate auf, immer weiter in die Schule zu gehen", erinnert er sich. Das nahm er sich zu Herzen: Inzwischen ist Kamau stolzer Absolvent der renommierten britischen Universität London School of Economics.

Natürlich kann es nicht jedes Patenkind auf eine Elite-Uni schaffen. Das muss auch gar nicht sein. In vielen afrikanischen Ländern ist es schon ein großer Fortschritt, wenn Patenschaften helfen, Mädchen länger in der Schule zu halten.

Der Erfolg von Patenschaften lässt sich auch im Projektgebiet von World Vision im Schatten des Kilimandscharo beobachten. Im Dorf Majengo etwa kniet frühmorgens die 19-jährige Ester Chami im Hof ihres Elternhauses und backt über einem offenen Feuer Brotfladen für die Familie. In dem Dorf gibt es kein fließendes Wasser, die Straßen sind holprige Feldwege, hinter den Häusern stehen Plumpsklos. Doch das frühere Patenkind Ester hat große Pläne für die Zukunft.

Als Erste von sechs Geschwistern hat sie es auf eine weiterführende Schule geschafft, nun möchte sie Pilotin werden. "Ich will erst einmal Luftfahrttechnik studieren." Wahrscheinlich muss Ester dafür ins Ausland, etwa nach Kenia. Ob das Geld der Familie dafür reichen wird, ist unsicher. "Bildung ist teuer, aber Unwissen hat auch Kosten", sagt Ester mit verschmitztem Lächeln. Nun hofft sie auf ein Stipendium: "Das Schlimmste wäre es, es erst gar nicht zu versuchen und gleich aufzugeben."

Autor: Jürgen Bätz (dpa)