Spendenbereitschaft

Weniger Menschen in Deutschland geben mehr Geld

dpa

Von dpa

Mi, 28. November 2018 um 14:47 Uhr

Panorama

16,5 Millionen Privatleute spendeten von Januar bis September 3,3 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen und Kirchen.

Die Menschen in Deutschland haben zwischen Januar und September dieses Jahres sechs Prozent mehr gespendet als im Vorjahreszeitraum. Ihre Gaben summierten sich auf 3,3 Milliarden Euro. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung 2005, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Deutschen Spendenrates ergab. Die Prognose für das Gesamtjahr sehe daher sehr gut aus.

Daniela Geue, die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats, erwartet, dass das Spendenvolumen in diesem Jahr bei deutlich mehr als fünf Milliarden Euro und damit höher als in den vergangenen beiden Jahren liegen werde. Konkret rechnet sie mit einem Plus zwischen 3,7 und 6,2 Prozent verglichen mit 2017.



16,5 Millionen Menschen spendeten in den ersten neun Monaten des Jahres Geld an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen. Das war knapp jeder Vierte der Bevölkerung ab zehn Jahren. Es gab aber eine halbe Million Spender weniger als im Vorjahr. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Erhebung. "Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort: Immer weniger Menschen spenden. Aber diejenigen, die spenden, spenden immer mehr", erklärte Geue.

Über die Gründe für den Rückgang der Spender könne man nur mutmaßen, sagte die Expertin. Womöglich spiele bei der Spendenbereitschaft von Senioren im Unterschied zu Jüngeren eine Rolle, dass viele selbst noch Entbehrung und Leid aus Kriegszeiten kennen. Auch könne es sein, dass sich die Art der Spende verändere. Manche junge Leute verstünden Spenden unter Umständen nicht mehr klassisch als Unterstützung gemeinnütziger Organisationen – sie gäben zum Beispiel eher Geld für Crowdfunding im Internet.

Anhand monatlicher Selbstauskünfte von 10 000 Deutschen ab zehn Jahren beziffert der Verband die durchschnittliche Spende auf 35 Euro. In den Vorjahren schwankte die Summe zwischen 26 und 35 Euro. Drei Viertel des gesamten Spendenaufkommens flossen laut Angaben in die humanitäre Hilfe (siehe Grafik). Mehr gespendet haben die Deutschen vor allem für den Umwelt- und Naturschutz (plus 29 Prozent) und den Tierschutz (plus 18 Prozent).

Unter den Ereignissen, die in den vergangenen Monaten zu besonders vielen Spenden führten, nennt der Spendenrat etwa die Dürre in Afrika zu Jahresbeginn, die Überflutungen in Indien im August sowie den Taifun auf den Philippinen im September. Trotz dieser Ereignisse sank der Anteil der Not- und Katastrophenhilfe am Gesamtspendenvolumen deutlich von 14,5 Prozent auf rund neun Prozent.

Dagegen würden nationale Projekte stärker unterstützt, hieß es weiter. Der Anteil solcher Spenden an allen Gaben stieg von 26 auf 33 Prozent. Ein weiterer Trend ist die Abnahme der Spenden an katholische und evangelische Organisationen um rund 2,5 Prozentpunkte zugunsten nichtkonfessioneller Organisationen.

Auch Geldspenden für Flüchtlinge im In- und Ausland sind verglichen mit dem Jahr 2016 um 17 Prozent auf 281 Millionen Euro zurückgegangen. Die Zahl der Spender für diesen Zweck ging seit 2016 um 37 Prozent zurück auf rund 1,8 Millionen Personen. Dafür wuchs die Durchschnittspende für Flüchtlinge um 18 Prozent auf 53,50 Euro.

Nach wie vor spendet der Studie zufolge die Generation 70 plus am meisten. Ihr Anteil ging aber deutlich von mehr als 40 Prozent auf rund 35 Prozent zurück. Dafür nahm der Anteil der Spender zwischen 30 bis 59 Jahren etwas zu. Der höchste Anstieg zeigt sich in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre. Hier stieg das durchschnittliche Spendenvolumen pro Spendergruppe von 216 Euro auf 271 Euro. "Das ist ein großer Erfolg. Gerade diese Altersgruppe war in der Vergangenheit für gemeinnützige Organisationen nur schwer zu erreichen", sagte Geue. Laut Studie sorgen sogenannte Mehrfachspender (sechs Mal und mehr) für 63 Prozent der Gesamteinnahmen.

Weitere Informationen unter http://www.dzi.de/spenderberatung