Wenn das Ferienlager zum Albtraum wird

afp

Von afp

Sa, 11. August 2018

Panorama

Schwere Unwetter verursachen in Südfrankreich Überschwemmungen / Lager-Betreuer vermisst.

NIMES/LEVERKUSEN (dpa/AFP). Nach schweren Unwettern in Südfrankreich haben Sicherheitskräfte intensiv nach einem vermissten Deutschen gesucht. Der Mann betreute nach Veranstalterangaben nordwestlich von Avignon ein Ferienlager mit jungen Menschen aus Deutschland. Zugleich leitet die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Veranstalter ein. Die 119 Kinder der Gruppe aus Leverkusen wurden nach einer Überschwemmung ihres Campingplatzes in Sicherheit gebracht.

Ermittler starteten am Freitag eine Untersuchung und nahmen zwei Verantwortliche der Gruppe in Gewahrsam, wie Sicherheitskreise bestätigten. In der Untersuchung gehe es um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung, der Gefährdung des Lebens anderer, Schwarzarbeit und das ungenehmigte Betreiben eines Campingplatzes, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Eric Maurelden, Staatsanwalt von Nîmes, berichtete. Dieser sagte, die Ermittler seien in "sehr großer Sorge" um den Vermissten. "Sollte er tot aufgefunden werden, würde die Ermittlung auf fahrlässige Tötung ausgeweitet", betonte er.

Schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter des Ferienlagers

Der von der Gruppe genutzte Campingplatz liegt demnach in einem hochwassergefährdeten Gebiet. Die Gemeinde wirft den deutschen Betreibern vor, ihren Zeltplatz zu nah an einem Seitenarm des Flusses Ardèche gebaut zu haben, der sich nach den Regenfällen in einen reißenden Strom verwandelt hatte.

Die Behörden erklärten, sie hätten die Deutschen rund 48 Stunden vor dem Drama vor einer möglichen Überschwemmung ihres Campingplatzes gewarnt, der auch sonst nur knapp über dem Wasserspiegel liege. Die Gemeinde Saint-Julien-de-Peyrolas befindet sich bereits seit dem vergangenen Jahr im Rechtsstreit mit der Jugendförderung St. Antonius, der das Gelände am Fluss gehört.

Der Veranstalter wiederum sagte der Nachrichtenagentur dpa, die beiden Vorsitzenden seien bei der Polizei und würden zu dem Geschehen befragt. "Sie wurden dazu abgeholt, von einer Festnahme war vor Ort keine Rede." Auch Betreuer würden von der Polizei befragt.

Der Wohnwagen des vermissten Betreuers wurde von der Überschwemmung in der Gemeinde Saint-Julien-de-Peyrolas im Département Gard am Donnerstag mitgerissen und zerstört. Laut Gendarmerie ist der Gesuchte 70 Jahre alt, der Veranstalter gab hingegen an, es handele sich um einen 66-Jährigen aus Köln. Zur Suche wurden zwei Hubschrauber eingesetzt.

Drei Kinder, die zur Beobachtung ins Krankenhaus kamen, und fünf Betreuer, die dort behandelt wurden, seien allesamt wieder zurück in ihrem provisorischen Lager, sagte eine Sprecherin der Jugendförderung St. Antonius. Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren hätten an dem Zeltlager teilgenommen. Am Freitagabend sollten sie mit Bussen zurück nach Deutschland fahren, hieß es auf der Facebook-Seite. "Es geht allen gut, und sie sind bestens versorgt." Der vermisste Betreuer sei "zuletzt gesehen worden, als das Wasser über den Platz schwemmte". AFP berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von neun leicht verletzten Kindern der Gruppe.

Das französische Rote Kreuz versorge die Kinder und Betreuer mit Essen, Decken und Feldbetten. "Die ersten Eltern sind vor Ort und holen ihre Kinder ab", teilte der Veranstalter auf seiner Facebook-Seite mit. "Die Nacht war unruhig, dennoch konnten alle ein bisschen schlafen."

Die gesamte Region war von heftigen Regenfällen getroffen worden. Auch andere Campingplätze wurden geräumt. Nach Angaben von Innenminister Gérard Collomb wurden in drei Départements zusammen 1600 Menschen in Sicherheit gebracht. Hunderte Feuerwehrleute und Polizisten waren im Einsatz. Die Wetterlage beruhigte sich am Freitag wieder, wie die Präfektur in Nîmes berichtete.