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19. August 2017

Astronomie

Millionen bereiten sich auf die Sonnenfinsternis in den USA vor

Beim letzten Mal tobten in Europa die Schlachten des Ersten Weltkriegs, in New York war das Empire State Building noch nicht gebaut. 99 Jahre ist es her, dass die Vereinigten Staaten eine totale Sonnenfinsternis erlebten, die quer durchs Land zu beobachten war, vom Pazifik bis zum Atlantik.

  1. Am Montag verschwindet die Sonne in den USA hinter dem Mond. Foto: dpa

WASHINGTON. Am Montag wiederholt sich das Spektakel – und elektrisiert Himmelsgucker weltweit. Auch wenn das Ereignis in Europa nicht zu sehen sein wird.

Um 10.16 Uhr Westküstenzeit wird sich der Mond über Lincoln Beach im Bundesstaat Oregon vollständig vor die Sonne schieben. Um 14.48 Uhr Ostküstenzeit wird die "Total Eclipse" über amerikanischem Festland auf der Höhe von McClellanville, South Carolina, beendet sein. Von Lincoln Beach bis McClellanville zieht sich ein etwa 110 Kilometer breiter Korridor, in dem sich das Drama vollständig verfolgen lässt – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Und Hopkinsville, eine Kleinstadt im Westen Kentuckys, wird Eclipseville sein, der Ort, an dem die Finsternis am längsten andauert. Zwei Minuten und 40 Sekunden.

Carter Hendricks, der Bürgermeister, rechnet mit einhunderttausend Schaulustigen, das wäre gut das Dreifache der Einwohnerzahl. Bereits vor zehn Jahren hat Hopkinsville begonnen, sich auf den Ansturm vorzubereiten. Unter anderem wurde der kleine Flughafen erweitert. Hotels sind seit Langem ausgebucht, das nächstgelegene Motel, das noch Zimmer anbietet, vierzig Kilometer entfernt, nimmt fast 400 Dollar pro Nacht. Hendricks verspricht sich schöne Bilder und bleibende Schlagzeilen, und um den Hype noch ein wenig anzuheizen, haben sie im Rathaus beschlossen, den Namen der Stadt vorübergehend zu ändern, urkundlich verbrieft. Viele hätten ja schon angefangen, von Eclipseville zu reden. In den Zeitungen sehe man ständig Eclipseville-Überschriften, "da wollten wir auch ein wenig Spaß haben", sagt Hendricks. "Also haben wir entschieden, uns zu Eclipseville, U.S.A., zu proklamieren".

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In Wickliffe, knapp zwei Autostunden weiter westlich, sehen sie das freilich anders. Ursprünglich wollte der dortige Bürgermeister mit Flugblättern für die geografische Ausnahmestellung seiner Region werben. Bei Wickliffe mündet der Ohio River in den Mississippi, außerdem treffen in der Nähe drei Bundesstaaten aufeinander, Illinois, Kentucky und Missouri. "Sehen sie drei Staaten, zwei Flüsse und eine Sonnenfinsternis", wollte George Lane auf bunte Infoblätter drucken lassen. Angesichts der eher bescheidenen Infrastruktur eines Dorfes mit 670 Einwohnern, das über kein einziges Hotel verfügt, machte er einen Rückzieher. Angesichts der Besucherprognosen sei ihm bange geworden, räumte Lane in der New York Times ein. "Wir sind einfach nicht gerüstet, um damit fertig zu werden."

Ansonsten aber hat der Trubel Dimensionen angenommen, die sogar den Dauerwirbel um Donald Trump in den Schatten stellen, zumindest wohl für 24 Stunden. Von einem Woodstock der Astronomie ist die Rede. Damals, 1969, habe Amerika bewegte Zeiten durchgemacht, heute sei es ganz ähnlich, argumentieren die Vertreter der Woodstock-These. Damals die Proteste gegen den Vietnamkrieg, heute die Turbulenzen nach der Wahl Trumps.

Phil Nicholson, Astronomieprofessor an der Cornell University, erhofft sich von dem Himmelsereignis wiederum Effekte wie nach der Mondlandung. Als Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte, schreibt er in einem Aufsatz, habe das Erlebnis zahllose Schulkinder von einer Karriere als Raketeningenieur träumen lassen. Er wisse das, er sei einer der Träumer gewesen, sagt Nicholson. "Kinder quer durchs Land", freut sich der Professor, "sehen Wissenschaft in Aktion".

Autor: Frank Herrmann