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15. November 2017 00:00 Uhr

Weltmeisterschaft im Bridge

Zwei Ärzte wehren sich gegen Betrugsvorwurf

Mithilfe eines Hustencodes sollen zwei Doktoren bei der Bridge-WM geschummelt haben. Sie bestreiten die Vorwürfe und wittern eine Verschwörung. Dennoch droht ihnen eine lebenslange Sperre.

  1. Blick in die Karten eines Bridge-Spielers Foto: Bernd Thissen/ dpa

Es war eine Sensation im Bridge. Erstmals holte vor vier Jahren eine deutsche Seniorenmannschaft den Weltmeistertitel. Die Freude währte nicht lange, der Titel wurde aberkannt. Den zwei Doktoren wird vorgeworfen, mit Hilfe eines Hustencodes das Spiel manipuliert zu haben. Nun streiten sie um Ruhm und Ehre – und gegen eine lebenslange Sperre.

"Das ist eine Hexenjagd. Die haben unseren Ruf total ruiniert." Michael Elinescu
Michael Elinescu ist empört. "Wir sind Weltklassespieler, das haben wir nicht nötig", sagt der 66-Jährige. "Das ist eine Hexenjagd. Die haben unseren Ruf total ruiniert." Der Arzt aus Ratingen im Rheinland kämpft am Mittwoch vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht nicht nur um seinen Weltmeistertitel im "Kartenschach", wie Bridge genannt wird, sondern auch um seine Ehre.

WM-Titel wurde dem Ratinger Arzt aberkannt

Der Titel war ihm einige Monate nach der WM 2013 auf der indonesischen Insel Bali aberkannt worden. Angeblich hätten er und sein Partner, der Arzt Entscho Wladow (75), sich mit einem Hustencode regelwidrig abgesprochen. Der Deutsche Bridge-Verband schloss sich der Ansicht des Weltverbandes an: Die "deutschen Doktoren", wie die Mediziner in der Szene genannt werden, hätten betrogen.

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Dem deutschen Verband war die Sache sehr unangenehm: Auch der damalige Verbandspräsident und Jurist Ulrich Wenning war im WM-Team, musste seinen Titel ebenfalls zurückgeben und sprach vom "größten Skandal in der Geschichte des deutschen Bridge-Verbandes".

Doch Spieler Elinescu weist dies auch vier Jahre später energisch zurück und vermutet eine Verschwörung von US-Profis und ihrer damaligen reichen Sponsorin. Zwei Gutachten belegten inzwischen klar, dass die präsentierten Aufnahmen des Geschehens im Finale gegen die USA manipuliert worden seien, behauptet er.

"Ich kann mich nicht erinnern, auch nur einmal gehustet zu haben. Vier Monate haben die gebraucht, um die Aufnahmen zu manipulieren", sagt Elinescu der Deutschen Presse-Agentur. Der deutsche Verband habe sich dem Weltverband dann einfach angeschlossen, ohne eigene Untersuchung.

"Die Klimaanlage hat die tropischen Temperaturen stark runtergekühlt, viele waren erkältet." Kai-Ulrich Benthack, Verbandspräsident
Im deutschen Verband habe man sich zuvor Feinde gemacht, sei unbeliebt gewesen, räumt Elinescu ein. "Mein Partner ist temperamentvoll." Die Hustenaffäre sei eine Gelegenheit gewesen, ihn und Wladow aus dem Weg zu räumen.

Von den Verbänden wird die Sache anders dargestellt: Die lange Zeit bis zur Aberkennung des Titels sei vergangen, um ganz sicher zu gehen. Erst als das deutsche Duo bei einem weiteren Turnier erneut den Hustencode verwendet habe, sei man zur Tat geschritten.

Worin sich beide Seiten einig sind: Draußen war es während der WM heiß und schwül auf Bali, nicht so im Hotel, in dem die Weltmeisterschaft stattfand. "Die Klimaanlage hat die tropischen Temperaturen stark runtergekühlt, viele waren erkältet", berichtet der aktuelle Präsident des deutschen Bridge-Verbandes, Kai-Ulrich Benthack. Er betont aber auch: "Wir sind nicht Weltklasse im Bridge."

Landgericht Köln: Erstes Urteil war zu hart

Disziplinarkommissionen der internationalen und nationalen Bridgeverbände hatten gegen Elinescu und Wladow als Paar ein lebenslanges Teilnahmeverbot an internationalen Turnieren verhängt sowie gegen jeden Spieler ein zehnjähriges Einzelverbot. Dagegen hatte das Duo geklagt und vor dem Landgericht Köln einen Teilerfolg gegen den deutschen Verband erzielt: Die Sanktionen seien zu hart.

Nun werden die Vorgänge auf Bali zum Fall für den renommierten Kartellrichter Jürgen Kühnen in Düsseldorf. Ob er sich in Regelwerk und Etikette des Bridgespiels eingearbeitet hat, wird von beiden Seiten gespannt beobachtet.

Autor: dpa