106 Patienten getürmt

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Fr, 07. September 2018

Südwest

Psychiatrie in Emmendingen.

EMMENDINGEN. In den ersten acht Monaten dieses Jahres sind bereits 106 Patienten aus dem Emmendinger Zentrum für Psychiatrie (ZfP) geflohen – und wurden per Fahndung gesucht. Laut einer Antwort des Stuttgarter Sozialministeriums auf eine BZ-Anfrage handelte es sich bei 20 der Entwichenen um verurteilte Straftäter, die wegen einer psychischen Erkrankung oder Sucht in der forensischen Abteilung untergebracht waren. 16 dieser Patienten sind mittlerweile wieder in Behandlung. Die vier Flüchtigen waren laut Ministerium wegen Raubes, Bedrohung oder "einer körperlichen Attacke in einer Beziehung" in Emmendingen untergebracht worden; nicht wegen Tötungsdelikten. Nach Einschätzung ihrer Ärzte sind sie "nicht akut gefährlich."

In 19 Fällen hatten die Forensik-Patienten eine Lockerung genutzt, waren zum Beispiel von einem genehmigten Ausgang nicht zurückgekehrt. Im Februar hatte die Flucht des verurteilten Straftäters Petru Daniel B., der in Rheinfelden den Partner seiner neuen Freundin mit dem Auto schwer verletzt hatte, zu Kritik an der Klinik geführt. Das Sozialministerium hatte danach erklärt, es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten der Klinik. Das ZfP verteidigt die Lockerungen: Diese seien für die Therapie unerlässlich und würden nur nach einer gründlichen Prüfung gewährt. Dass Patienten fliehen, sei äußerst selten.

86 der Entwichenen waren im Krankenhausbereich der Klinik untergebracht, 49 sogar freiwillig dort. In 20 Fällen sei die Fahndung wegen möglicher Fremdgefährdung ausgelöst worden.