Alle an einen Tisch

Julia Jacob

Von Julia Jacob

So, 02. September 2018

Basel

Der Sonntag Der Kanton Basel-Stadt startet eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung.

Das Thema Food Waste ist in aller Munde. Bei aller Aufregung bleibt es aber oft genug bei Lippenbekenntnissen. Der Kanton Basel will nun vom Reden ins Handeln kommen und schnürt ein Maßnahmenpaket für nachhaltige Ernährung, das regionale Erzeuger stärken und die Lebensmittelverschwendung begrenzen soll.

"Es geht nicht um Bevormundung, sondern darum Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine nachhaltige Ernährung begünstigen", sagt Lukas Ott, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt. Dreh und Angelpunkt der Strategie, die der Stadtkanton zunächst bis ins Jahr 2012 verfolgen will, ist die gezielte Förderung regionaler Erzeugnissen. Insgesamt 16 Millionen Franken wollen Kanton und Bund über das Programm "Genuss aus Stadt und Land" in das Marktsegment pumpen. Begünstigt werden Betriebe, die in besondere Kulturen investieren, Hofverarbeitung betreiben oder über eine eigene Käseproduktion verfügen. "Damit sagen wir noch niemandem, wo und was er einkaufen soll, stärken aber das regionale Angebot", betont Ott.

Runder Tisch Food Waste

Der Kanton stellt seine Strategie breit auf. Neben der Stärkung der regionalen Wertschöpfung spricht er Empfehlungen für eine nachhaltige und gesunde Verpflegung aus. Partner sind Spitäler, Schulkantinen und Kindergärten. Auch hier gilt das Prinzip der Freiwilligkeit. Offen für Veränderung seien die Betriebe, sofern sich die Umstellung weitgehend ohne finanzielle Mehrkosten realisieren ließe, so Ott. Grundsätzlich ist er davon überzeugt, dass sich ohne den Zwang des "Müssens" viel mehr erreichen lasse.

Zum Erfolg beitragen soll nicht zuletzt der Umstand, dass der Kanton alle Akteure an einen Tisch bringen will. Eingeladen, über die Zukunft der Ernährung zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen sind Mitglieder bestehender Initiativen, die seit Jahren in der Stadt erfolgreiche Projekte zum Thema nachhaltige Ernährung betreiben, sowie Vertreter der Wirtschaft und des Handels. Die Strategie scheint aufzugehen. "Der Markt realisiert bereits, dass Handlungsbedarf besteht", sagt Ott. Der Detailhandel etwa habe ein großes Interesse daran, regionale Produkte in ihr Sortiment aufzunehmen, die mit dem neu geschaffenen Label "Genuss aus Stadt und Land", das einen Teller mit den beiden Kantonswappen von Basel-Stadt und Basel-Land zeigt, versehen sind. Zudem sei man auch im Gespräch mit Gastronomie- und Cateringbetrieben, wenn es um das Thema Food Waste gehe, so Ott.

Der Kanton spricht sich explizit dafür aus, dass übrig gebliebene Lebensmittel, die noch bedenkenlos konsumierbar sind, nicht im Abfall landen, sondern an interessierte Stellen abgegeben werden können. Weil dies ein Thema ist, das nicht nur Basel betrifft, arbeitet der Kanton auch dabei mit, das System der Haltbarkeitsdaten auf Bundesebene neu zu gestalten.

"Letztlich geht es uns darum ein Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu schaffen", betont Lukas Ott. julia Jacob