Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. September 2008

Ran an den Speck

Landwirtschaftsministerium will mit einem Aktionsplan gegen Übergewicht bei Kindern vorgehen

  1. Richtig essen will gelernt sein. Ein guter Ort dafür ist die Kantine in der Schule. Foto: dPa

STUTTGART Mit dem sogenannten Aktionsplan 2018 will die Landesregierung in Stuttgart die Kinder im Südwesten auf Trab bringen und zu gesünderem Essen bewegen.

Angesichts der steigenden Zahl dicker Kinder will die Landesregierung bereits in Kindergärten und Schulen auf eine gesündere Ernährung hinwirken. "Ein falscher Lebensstil ist irreparabel", warnt Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Agrarministerium, im Gespräch mit der Badischen Zeitung. So hat eine Studie ergeben, dass 6,3 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren krankhaft übergewichtig sind. Bei den 18- und 19-Jährigen steigt der Anteil sogar auf 9,4 Prozent, bei jungen Frauen und auf 14 Prozent bei jungen Männern. Bei der Fettleibigkeit belegen die Deutschen sogar Platz eins in Europa.

Mit dem Aktionsplan 2018, der im Entwurf bereits vorliegt, will Gurr-Hirsch in Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Akteuren das Problem angehen. "Es geht dabei nicht um neue Vorschriften oder ein Verbot von Fett und Zucker. Es geht darum, Aktionen zu unterstützen, den Kindern früh einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln vermitteln. In vielen Familien ist das leider kein Thema," erklärt die Staatssekretärin.

Werbung


Wasser statt Cola und Äpfel statt Schokoriegel
Ein Schwerpunkt des Aktionsplans wird auf der Schulverpflegung liegen. "Unser Ziel muss es sein, dass jede Ganztagsschule gesundes Essen und Trinken anbietet", sagt Gurr-Hirsch. So soll die Pausenverpflegung auch mit Hilfe von EU-Geldern verbessert werden. "Wasser statt Cola, Äpfel statt Schokoriegel", umreißt die CDU-Politikerin die Stoßrichtung. Der Wasserkonsum soll etwa durch kostenlose Trinkwasserspender an Schulen angekurbelt, das Angebot der Schulkioske durch Kooperationen mit der regionalen Landwirtschaft verbessert werden. 2010 wird ein neues Schulmilchprogramm aufgelegt. Ein weiterer Schwerpunkt des Aktionsplans wird auf Eltern mit Kleinkindern und sozial benachteiligten Familien liegen. So ist die richtige Ernährung im ersten Lebensjahr Bestandteil der Kurse, für die die neuen Bildungsgutscheine für frisch gebackene Eltern eingelöst werden können. Zudem soll das Fortbildungsangebot für Hebammen, Tagesmütter und andere Multiplikatoren im Bezug auf die Ernährungsberatung ausgebaut werden.

Um die Maßnahmen umzusetzen und Zielgruppen wie sozial Benachteiligte besser zu erreichen, will das Ministerium die Zahl der Ernährungszentren im Land von vier auf zehn erhöhen. Die Experten, die am Aktionsplan mitgewirkt haben, regen zudem einen "Ombudsmann für Ernährung" mit Vorschlagsrecht gegenüber der Regierung an. Der Erfolg der Maßnahmen soll anhand messbarer Kriterien wie dem Durchschnittsgewicht bei der Einschulung oder die Zahl der Schulkantinen mit qualitätsgesicherter Mittagsverpflegung überprüft werden. Den Finanzbedarf für den "Aktionsplan 2018" beziffert Gurr-Hirsch mit 1,4 Millionen Euro pro Jahr. Um die Gelder ringt das Agrarressort gerade mit dem Finanzminister.

Autor: Roland Muschel


0 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.



Weitere Artikel: Südwest