Bescheidene Halbjahresbilanz

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 09. September 2018

Südwest

Der Sonntag Südbadische Händler klagen über Kundenschwund – Zwei Drittel von ihnen über sinkende Umsätze mit Schweizer Kunden.

Immer mehr Kunden meiden die zunehmend als unattraktiv empfundenen Innenstädte und kaufen statt dessen im Internet: Das macht den Einzelhändlern zwischen Ortenau, Schweizer Grenze und Bodensee zu schaffen, wie der Handelsverband Südbaden in seiner Halbjahres-Pressekonferenz mitteilte.

Trotz guter Konjunktur, niedriger Arbeitslosigkeit und konsumwilliger Kunden hat sich das Gefühl der Stagnation in der ersten Jahreshälfte 2018 unter den Händlern weiter verfestigt: "Wir haben nicht die Dynamik, die wir uns wünschen", sagte Verbandspräsident Philipp Frese am Freitag. Legten die Umsätze im Einzelhandel bundesweit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum immerhin um 2,5 Prozent zu, so waren es in Baden-Württemberg lediglich zwei Prozent.

Inflationsbereinigt bedeute das kaum mehr als Stagnation, konstatierte Frese nüchtern. Ganz ähnlich sehe es bei der Gewinnentwicklung aus: 51 Prozent der Händler im Land vermeldeten sinkende Einnahmen, 31 Prozent konnten ihre Erlöse immerhin halten, mehr Gewinn verzeichneten lediglich 18 Prozent. Zahlen aus Südbaden wurden diesmal nicht erhoben.

Im Branchenvergleich zeigt sich, dass Kunden bei Lebensmitteln weiterhin auf Qualität setzen, wohingegen der Schuhhandel einen Umsatzrückgang hinnehmen muss. "Das hat auch mit dem Wetter zu tun", meinte Frese: "Die Kundin ist im April von der gefütterten Stiefelette direkt in die Sandale geschlüpft." Stark nachgefragt wurde alles, was Heimwerker für Haus und Garten brauchen. Ein kleines Wachstum gab es bei der Unterhaltungselektronik, das sich jedoch vor allem auf Smartphones samt Zubehör beschränkt.

Den Grund für die bescheidene Halbjahresbilanz der Ladeninhaber sieht Frese im Vormarsch des Onlinehandels, der 2018 ein Umsatzplus von zehn Prozent und ein Volumen von 53,6 Milliarden Euro erwartet. 2017 entfiel fast die Hälfte des deutschen Onlineumsatzes von 48,7 Milliarden Euro auf Amazon und seinen Marketplace. "Es ist schon erschreckend, welche Dominanz eines einzigen Unternehmens sich hier aufbaut", sagte Frese. Sich dem entgegenzustellen, sei die Herausforderung der Stunde. Dass sich gerade 30 Auszubildende in der Region für den neuen Beruf als Kaufmann und Kauffrau im E-Commerce entschieden haben, lasse hoffen.

Ganz oben auf der Sorgenliste der Händler stehe der Frequenzrückgang in den Innenstädten, der seine Ursache auch in der Belastung durch Baustellen und fehlende Parkplätze habe. Das betreffe auch die Schweizer Kunden, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Utz Geiselhart: Zwei Drittel der Händler an der Grenze klagten bereits über sinkende Umsätze.

So schaut der Einzelhandel mit verhaltenen Erwartungen ins zweite Halbjahr: 34 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen, 24,6 Prozent mit sinkenden und 41,2 Prozent mit Stagnation. Mit Blick auf Freiburg und seine Baustellen sagte der scheidende Hauptgeschäftsführer Olaf Kather: "Erreichbarkeit ist für uns lebenswichtig." Ein Konzept für den Innenstadthandel sei ebenso nötig wie endlich die Position eines "Kümmerers" zu schaffen. Sigrun Rehm