Das schwimmende Hotel auf dem Rhein

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 03. September 2018

Basel

130 Kabinenschiffe fahren unter Schweizer Flagge auf Europas Flüssen / Die "Viking Lofn" hat Platz für 190 Gäste.

BASEL. Etwa 130 Kabinenschiffe, auch schwimmende Hotels genannt, sind mit Schweizer Flagge auf europäischen Flüssen unterwegs. Der Markt der Flusskreuzfahrten hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen und so bildet die Kabinenschifffahrt einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor. Ein großer Akteur auf diesem Sektor ist das Unternehmen Viking Cruises mit Sitz in Basel.

Die Viking Lofn liegt am Landungssteg St. Johann 1 in Basel. Nach und nach trudeln die Gäste ein. Von freundlichem Personal werden sie mit einem Erfrischungstuch begrüßt, bekommen ihre Kabinen zugewiesen und können es sich in der Lounge mit einem Kaffee gemütlich machen. Im Schiffsrestaurant wird das Mittagessen serviert, über Borddurchsage wird eine geführte Stadtbesichtigung durch Basel angekündigt. An Bord wird englisch gesprochen, denn die Firma Viking Cruises hat sich auf den englischsprachigen – insbesondere auf den amerikanischen Markt – spezialisiert.

Die Viking Lofn ist wie alle Viking-Schiffe nach einem nordischen Gott benannt. Sie wurde in der Neptun Werft in Rostock gebaut und im März 2015 in Betrieb genommen. Mit 135 Metern Länge, 11,45 Metern Breite und zwei Metern Tiefgang gehört sie zu der Baureihe der "Viking Longships". Innen ist sie in hellem, schlichtem, aber edlem skandinavischen Design gestaltet. Sie hat 95 Kabinen und bietet Platz für 190 Gäste. Es gibt eine Lounge, in der Vorträge gehalten werden und abends ein Pianist oder eine lokale Band spielt, das "Aquavit-Deck", wo man prominent im Bug die Landschaft betrachten kann, ein Sonnendeck mit Minigolf und eine Bibliothek, in der Bücher über die Orte stehen, zu denen die Reise führt. Auch im Restaurant werden typische Speisen vom aktuellen Aufenthaltsort aufgetischt. Daneben gebe es auch amerikanische Gerichte, erklärt Thomas Prückler, Personal-Direktor bei Viking Cruises. In Basel sei auch schon mal Mehlsuppe serviert worden. Aber dazu hätte man den Gästen schon ihren Hintergrund und Ursprung aus der Basler Fasnacht erklären müssen.

Die Touren dauern eine oder zwei Wochen, als Gast lerne man verschiedene Städte kennen und brauche die Koffer nur einmal auspacken, sagt Prückler. Die Gäste sind in aller Regel über 55 Jahre alt und interessiert Städte und ihre Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Meist gibt es ein Vor- und Nachprogramm, es können auch zusätzliche Städtetouren gebucht werden, etwa nach Luzern oder Zermatt.

50 Personen sind auf der Viking Lofn beschäftigt, in der Regel nach Schweizer Arbeitsrecht. Doch während bei Hochseeschiffen in internationalen Gewässern das Recht des Landes gilt, unter dessen Flagge das Schiff fährt, gilt bei Flussschiffen jeweils das Recht des Landes, in dem es gerade unterwegs ist. Dabei ist die schiffbare Strecke in der Schweiz denkbar kurz. "Bei St. Johann ist Schluss", so Thomas Prückler. Das Personal kommt in der Regel aus Europa, doch es werde zunehmend schwieriger insbesondere Köche zu finden, berichtet er. Die Saison dauert von März bis Ende November, im Winter liegen die Schiffe in Köln oder sind in der Werft, wo sie gecheckt und generalüberholt werden.

Jedes dritte Kabinenschiff fährt unter Schweizer Flagge

Die 65 Flusskreuzfahrtschiffe von Viking Cruises sind nicht nur auf dem Rhein, sondern auch auf der Elbe, der Donau, der Mosel, der Seine, der Rhône und anderen Flüssen unterwegs. Für die Kapitäne ist das Fahren auf dem Fluss durchaus anspruchsvoll. So gibt es am Rhein immer wieder Schleusen, die in der Regel zwölf Meter breit sind – also gerade mal 65 Zentimeter breiter als das Schiff. Wegen der Länge und der Strömung ist es auch nicht möglich bei St. Johann zu wenden. Die Schiffe fahren rückwärts durch die Dreirosenbrücke und wenden erst danach oder sogar erst am Klybeck-Hafen. Um unter den Brücken hindurch zu kommen, kann die Kommandobrücke abgesenkt werden. Der Kamin und die Sonnensegel auf Deck werden hydraulisch gekippt. Dieses Jahr macht auch das Niedrigwasser zu schaffen. "Manchmal haben wir nur 20 Zentimeter Wasser unter dem Schiff", erzählt der stellvertretende Kommandant. "Aber das geht schon, man muss eben langsam fahren."

Laut der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS) bildet die Kabinenschifffahrt einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor in der Schweiz. Mehr als jedes dritte Kabinenschiff auf Europas Flüssen trägt das Schweizerkreuz am Heck. "Damit hat sich die Branche erstaunlich entwickelt, seit erstmals ein Passagierschiff, die "Stadt Frankfurt", am 28. Juli 1832 Basel erreichte", schreibt die SVS. Ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts verkehrten erstmals Kabinenschiffe auf der 832 km langen Strecke zwischen Rotterdam und Basel.

Viele Kreuzfahrtreisen beginnen in Basel oder haben hier ihr Ende. Daher werden die Schiffe auch hier betankt und mit Lebensmitteln und Getränken beliefert, was dem heimischen Gewerbe zu Gute kommt. Auch die Passagiere geben bei ihren Landgängen Geld aus. Man geht davon aus, dass ein Gast auf Landgang durchschnittlich 65 Franken ausgibt. Bei 120 000 Gästen pro Jahr, die ihre Schiffsreise in der Schweiz anfangen oder beenden, ergebe dies laut SVS einen Umsatz von fast acht Millionen Franken. Nicht wenige Amerikaner kaufen sich eine stattliche Kuhglocke, gar mancher Asiate noch eine Uhr oder ein Schmuckstück.

Während bislang der Schwerpunkt bei den Gästen aus Nordamerika und Europa liege, würden künftig mehr Passagiere aus Asien, vor allem aus China kommen, prognostiziert der SVS. Das sieht man auch bei Viking Cruises so. Das Unternehmen hat vor zwei Jahren ein Büro in Schanghai eröffnet und hat bereits Schiffe speziell für Chinesen im Einsatz, wo alles auf Chinesisch angeschrieben ist, die Durchsagen in chinesischer Sprache sind und sogar das Restaurant chinesische Gerichte anbietet.