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26. Oktober 2011 07:28 Uhr
Schwarzwald-Bild
Der Streit um die Windkraft spitzt sich zu
Fast alle sind für mehr Windkraft in Baden-Württemberg – im Prinzip. Aber wer entscheidet in Zukunft überhaupt, wo Rotoren gebaut werden?
Über diese Frage haben sich die neue grün-rote Landesregierung und die etablierten Regionalverbände aufs Heftigste zerstritten. Das trat jetzt auch bei einem Energiekongress des Schwarzwaldvereins in Freiburg zutage.
Hatten die zwölf Regionalverbände bisher die Planungshoheit, so soll diese nach dem Willen der Landesregierung künftig zum Teil an die Kommunen gehen. Die Regierung will damit erklärtermaßen den Ausbau der Windkraft vorantreiben. Kritiker dagegen befürchten, dass Bürgermeister und Gemeinderäte vor Investoren der Windbranche einknicken und ein "Wildwuchs" von Rotoren um sich greift – zum Nachteil des Landschaftsbildes im Schwarzwald, dessen Höhenlagen die ergiebigste Windkraft versprechen.
"Diese Landschaft droht technisch überformt zu werden und unwiederbringlich verlorenzugehen", warnte Chistopher Krull, Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH. Er legte Zahlen vor, wonach 93 Prozent der Touristen "die schöne Landschaft" als Hauptmotiv ihres Besuchs nennen, und zeigte abschreckende Computerbilder, etwa von einem Dreisamtal voller Rotoren. "Wenn sich überall alles dreht und bewegt", so Krull, würden Touristen ausbleiben, das werde die Branche treffen.
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Andere plädierten für mehr Weitsicht: Man dürfe sich der dringend notwendigen Energiewende "nicht aus romantischen Gründen entziehen", verlangte eine Teilnehmerin. Eine intakte Natur und Landschaft an nachfolgende Generationen weiterzugeben, das sei nur mit dem entschlossenen Umstieg von fossiler und atomarer auf regenerative Stromerzeugung möglich. Hier habe das Land erheblich nachzuholen. Joachim Nitsch vom Landesnaturschutzverband empfahl, sich Rheinland-Pfalz zum Vorbild zu nehmen, wo die vierfache Anzahl von Windkraftanlagen installiert sei, ohne dass es dem Tourismus schade. "Auch der Schwarzwald kann noch einige Windkraftanlagen vertragen, zum Wohle des Planeten."
Diese müssen aber, verlangt der Schwarzwaldverein in einer Resolution, "an geeigneten Standorten gebündelt" werden. "Wir brauchen eine Steuerung unter Akzeptanzgesichtspunkten", forderte auch Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. Genau diese Steuerung sei den Verbänden künftig nicht mehr möglich, wenn die Gesetznovelle der Landesregierung Ende 2012 greift. "Das ist", kritisierte er, "ein einmaliger Eingriff in demokratisch legitimierte Planungskultur."
Autor: Stefan Hupka
