Die "behutsame Pflanze" gedeiht

Otto Schnekenburger Rebecca Arens

Von Otto Schnekenburger Rebecca Arens

So, 26. August 2018

Südwest

Der Sonntag Am 2. September wird auch in südbadischen Gemeinden der Europäische Tag der jüdischen Kultur begangen.

Storytelling" heißt das bewusst weit gefasste Motto des "Europäischen Tags der jüdischen Kultur". Geschichten hat schließlich jeder zu erzählen. Begangen wird er in Südbaden unter anderem in Sulzburg, Müllheim, Breisach und Emmendingen.

"Das Eintauchen in die jüdische Kultur soll den Besuchern der Gedenkstätten am nächsten Sonntag, 2. September, möglich gemacht werden. Auch ein Aspekt ist dabei, sich mit altem und gegenwärtigem Antisemitismus auseinanderzusetzen. Jost Großpietsch, Kulturreferent und Archivar der Stadt Sulzburg, wird in der ehemaligen Sulzburger Synagoge (Gustav-Weil-Straße 18, Eintritt frei) zum einen zwei Führungen (14 und 17 Uhr) anbieten, die sich mit der Architektur des Gebäudes und mit der Geschichte der Sulzburger Jüdischen Gemeinde beschäftigten. Zum anderen hält Großpietsch einen Vortrag über Hugo Grüner und Hans Erley, die zur Zeit des Nationalsozialismus Kreisleiter in Staufen und in Müllheim waren. "Es ist sehr schön zu sehen, wie sich der,Europäische Tag der jüdischen Kultur’ in den letzten Jahren entwickelt hat", meint Großpietsch. Am Oberrhein sei der in 30 europäischen Ländern begangene Tag als "behutsame Pflanze" gestartet, längst stehe er auch hier auf festen Füßen.

In Müllheim bietet das Ehepaar Rolf und Inge Schuhbauer um 15 Uhr eine am Synagogenplatz (Wilhelmstraße 14) beginnende Führung an, auf einem Rundgang wollen sie über jüdisches Leben in der Vergangenheit in Müllheim berichten, es schließt sich ein Gespräch im Markgräfler Museum an.

Carola Grasse, Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur in Emmendingen, ist für ein Programm mitverantwortlich, das gleich an drei nahe zueinander gelegenen Orten stattfinden wird: Im Jüdischen Museum (Schlossplatz 7), im Simon-Veit-Haus (Kirchstraße 11) und in der Synagoge (Landvogtei 11). "Jüdische Kultur ist mehr als Holocaust und Antisemitismus, uns ist es wichtig, sie in ihrer Vielfalt zu zeigen", sagt Grasse. So gebe es etwa viele Geschichten über das Gerechte und das Weise, worüber im Rahmen eines von 11 bis 18 Uhr dauernden Tags der offenen Tür im Museum um 11.30 Uhr der Rabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky sprechen wird. Grasse selbst wird bei einer mit Noemi Wertheimer gestalteten Führung (14 Uhr) anhand von Kultgegenständen das Judentum als Weltreligion vorstellen und dabei auch die im Zuge der bevorstehenden großen jüdischen Feiertage angeschafften neuen Vitrinen zeigen. Und ebenfalls im Museum lädt Ursula Hellerich, Dozentin am jüdischen Lehrhaus Emmendingen, zu einem Vortrag mit Gespräch ein (17 Uhr), welcher sich von der Tora beginnend und bis in die Gegenwart zum Schriftsteller Amos Oz reichend mit jüdischer Literatur beschäftigen wird. Im Simon-Veit-Haus (12 bis 18 Uhr) gibt es derweil koscheren Wein, Challa (Zopfbrot zu den jüdischen Feiertagen), Kaffee und Kuchen, und in der Synagoge zwei Führungen mit dem Rabbiner.

Geschichte, Traditionen und Bräuche will das blaue Haus in Breisach (Rheintorstraße 3) in seiner Beteiligung am "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" im Fokus haben. Von 11 bis 18 Uhr ist die Einrichtung geöffnet, es gibt mehrere Filmvorführungen. Gleich zwei Mal, um 11 und um 16 Uhr, wird der aufgezeichnete Vortrag des Schriftstellers Dan Bar-On gezeigt, den er 2005 in Freiburg hielt. Um 12 Uhr gibt es eine Führung durch das Blaue Haus über die Judengasse und den Synagogenplatz, Treffpunkt ist der Michael-Eisemann-Platz, Blaues Haus.

Um 14 Uhr wird mit "Vor den Nazis geflohen, als Befreier nach Europa zurückgekehrt: Fred Mayer und Gerd Schwab im Gespräch mit Wolfram Wette (2006)" erneut ein Film gezeigt. Und gegen Ende der Veranstaltung gibt es um 17 eine Führung über den Neuen Jüdischen Friedhof am Isenberg, Treffpunkt hierzu ist in der Isenbergstraße 30.
Das Programm findet sich im Netz unter anderem bei der Landeszentrale für politische Bildung unter http://www.lpb-bw.de