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23. Mai 2008

Die Praxis ist ein Schlüssel zum Erfolg

Seit fünf Jahren lehren am Freiburger Zentrum für Schlüsselqualifikationen vor allem Berufspraktiker / Gemeinsame Einrichtung ist Vorbild für andere Unis

  1. v Foto: Thomas Goebel

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  4. Alle zusammen, statt jeder für sich: An der Uni Freiburg werden berufsfeldorientierte Kompetenzen hauptsächlich in einem gemeinsamen Zentrum vermittelt. Foto: ingo schneider/Thomas Goebel (1)/privat

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FREIBURG. Mit zehn Veranstaltungen begann das Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) an der Freiburger Universität vor fünf Jahren seine Arbeit: Projektmanagement, Schreibtechniken und Moderation waren schon damals Themen, mit denen die Studierenden sich zusätzlich zu ihren Fächern befassen sollten. Heute bietet das ZfS bis zu 160 Lehrveranstaltungen im Semester an – und obwohl sein Konzept nicht unumstritten ist, gilt das Freiburger Zentrum anderen Unis als Vorbild.

Fragt man ZfS-Geschäftsführerin Verena Saller, was eigentlich Schlüsselqualifikationen sind, muss sie nicht lange überlegen – das ist sie oft in den vergangenen Jahren gefragt worden. "Eigentlich ist es immer die gleiche Qualifikation", sagt sie, "es geht um die Fähigkeit, das eigene Können je nach Situation überzeugend einzusetzen." Ein abstrakt klingendes Ziel, das das Zentrum aber praxisnah vermitteln will – nicht nur, weil die meisten Lehrbeauftragten nicht von der Uni kommen (siehe Umfrage).

"Praxisorientiert bedeutet auch, dass die Studierenden vieles ausprobieren können", sagt Saller. Das ZfS bietet Module in den Bereichen Management, Kommunikation, Medien, EDV und Fremdsprachen an. Die Themen reichen dabei von Lern- und Arbeitstechniken über Kulturmanagement und Öffentlichkeitsarbeit bis zu digitaler Bildbearbeitung und Geschäftsenglisch.

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Gegründet wurde das ZfS, als die Studiengänge auf die internationalen Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt wurden. Der Bachelor, lautete die Vorgabe, müsse nicht nur fachliche Fähigkeiten, sondern auch Berufsqualifikationen vermitteln. Berufsfeldorientierte Kompetenzen (BOK) heißt der Bereich in Freiburg, in dem Bachelor-Studenten Punkte erwerben müssen. An der Uni entschied man sich früh, dieses Feld nicht nur bei den einzelnen Fächern anzusiedeln. Man bündelte einen großen Teil des Lehrangebots in einer zentralen, zunächst mit Projektmitteln, inzwischen mit Studiengebühren finanzierten Einrichtung und warb externe Lehrkräfte an – eine Grundsatzentscheidung, die immer wieder diskutiert wurde: Fachinhalte und Schlüsselqualifikationen stünden unverbunden nebeneinander, lautet die Kritik.

"Wenn die Studierenden bei uns Präsentationstechniken erlernen, dann verwenden sie ihr Fachwissen als Beispiel", sagt Saller, "und sie sind auch in der Lage, das Gelernte wieder in ihre Fachgebiete zu transferieren." Einen Gegensatz zwischen Fächern und Zentrum sieht sie nicht – zumal in den Naturwissenschaften die Hälfte der BOK-Module von den Fakultäten selbst angeboten wird. Inzwischen interessierten sich auch andere Universitäten für Aufbau und Inhalt des Freiburger Modells, sagt Saller. In den vergangenen Monaten habe man Vertreter aus Siegen, Bonn und Hamburg beraten.

"Ich finde es gerade interessant, mal in andere Bereiche zu schauen", sagt Laura Zellner, "außerdem kann man in den Veranstaltungen völlig neue Leute aus anderen Fächern kennenlernen." Die 21-Jährige studiert Geschichte und Russlandstudien, am ZfS hat sie schon Veranstaltungen für Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Verhandlungsführung und Grundlagen des Strafrechts besucht.

Dieses Semester hat sie sich für das Thema "Wie kommen die Nachrichten in die Nachrichten?" entschieden. "Man flirtet ja mit verschiedenen Berufsideen – hier kann man sich versuchen." Als Pflicht empfindet Laura Zellner den BOK-Bereich nicht, etwas Interessantes sei immer dabei: "Ich habe schon viel mehr gemacht als nötig."

Ein breites Spektrum ist auch Saller wichtig – auch um dem Vorwurf entgegenzutreten, das Studium werde nach den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet: "Ich bin überzeugt, dass wir mehr vermitteln als reine Arbeitsmarktorientierung. Es geht um die persönliche Handlungskompetenz der Studierenden." Künftig will das ZfS mit den Fächern neue Inhalte erschließen und verstärkt neue Lernformen ausprobieren – zum Beispiel die "strukturierte und begleitete Praxisphase": ein von den Studierenden selbst organisiertes Praktikum, das sie in Workshops am ZfS vor- und nachbereiteten.

http://www.zfs.uni-freiburg.de

Autor: Thomas Goebel