Die Saison wird kürzer

Das Gespräch führte

Von Das Gespräch führte

So, 30. Dezember 2018

Südwest

Der Sonntag Trotz Klimawandels sieht Tourismus-Chef Thorsten Rudolph Zukunft für Skisport.

Tauwetter an den Feiertagen und kein Skispringen in Neustadt: Noch hat der Winter den Schwarzwald nicht so richtig fest im Griff. Thorsten Rudolph, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) in Hinterzarten ist sich dennoch sicher: Skifahren wird man im Hochschwarzwald auch in den kommenden Jahrzehnten noch können.

Der Sonntag: Herr Rudolph, zu Weihnachten hin Sturm und Regen, so ganz neu ist diese Wetterlage nicht für Sie, oder?

Nein, das haben wir in der Tat öfters so. Aber der Winter kommt bestimmt, das ist gewiss. Man muss sich darauf einzustellen wissen, denn meteorologisch und kalendarisch beginnt er erst im letzten Drittel des Dezember.
Der Sonntag: Nach dem Skispringen, das Anfang Dezember in Neustadt buchstäblich ins Wasser gefallen ist, kam aber schon wieder die Frage auf, wie lange man in der Region noch auf den Wintersport setzen kann.

Wenn man Anfang Dezember so einen Weltcup ansetzt, dann ist das nicht in einer schneesicheren Zeit. Das war nie garantiert und wird es in Zukunft auch nicht sein. Deshalb wird ja der Schnee vom Vorjahr auch aufbewahrt. Dieses sogenannte "Snow Farming" ist umweltschonend. Die Zeiten, als man Schnee mit dem Lkw herangekarrt hat, sind ja lang schon vorbei. Und es hätte ja auch geklappt, wenn nicht der Dauerregen und der Sturm das Springen verhindert hätten. Die Absage war vor diesem Hintergrund natürlich richtig. Wenn das Wetter nicht mitspielt, kann man doch nichts machen. Sicher werden wir uns langfristig darauf einstellen, dass die Kerntage des Winters von Weihnachten bis in den März dauern werden. Es ist ja völlig falsch, wenn man glaubt, dass der Winter Ende November zu beginnen hat. Da muss ein Umdenken stattfinden. Auch bei der FIS, die sich fragen muss, ob es geschickt ist, so früh Weltcupwettbewerbe anzusetzen. Es mussten ja zuletzt auch viel höher gelegene Standorte als Titisee-Neustadt Weltcupkonkurrenzen absagen.
Der Sonntag: Also müssen mit Blick auf den Klimawandel nicht nur die Touristiker umdenken, sondern wir müssen uns auch wieder auf die Verhältnisse besinnen, wie sie eigentlich sind?

Genau. Wir können nicht jammern, wenn wir im November keinen Schnee haben. Wenn es so früh schneit, dann ist das eher die Ausnahme und freut uns. Aber natürlich müssen wir Touristiker und die Politik uns auch auf die Veränderungen des Klimawandels einstellen. Die Tendenzen und Prognosen gibt es ja, was zum Beispiel Vor- und Nachsaison angeht. Da kann man auch mit Beschneiungskonzepten agieren, um diese abzusichern. Aber mit Augenmaß: Wir müssen natürlich dem Gast als Destination eine Verlässlichkeit bieten. Aber ich finde es hirnrissig, wenn man ab Ende Oktober einzelne Pisten präpariert, wie es manche Orte in den Alpen tun. Das muss nicht sein. Es ist einfach nicht die Saison. Da setzen wir lieber auf Konzepte wie die Hochschwarzwald-Card mit ihren vielen Vorteilen. Da haben wir doch viele Möglichkeiten, auch wenn mal kein Schnee liegt, die manche Alpenregion nicht so hat.
Der Sonntag: Dreh- und Angelpunkt beim Wintersport im Schwarzwald ist die Gemeinde Feldberg. Dort war die Entwicklung über viele Jahre mit Bürgermeister Stefan Wirbser verknüpft. Wie wird es nach dessen Tod für die Gemeinde weitergehen?

Man kann einen Mann wie Stefan Wirbser und dessen Engagement nie eins zu eins ersetzen, das ist klar. Natürlich wird es Veränderungen geben, der Diskussionsprozess mit dem Liftverbund beispielsweise ist bereits im Gang. Aber wir dürfen eins nicht vergessen: Der Hochschwarzwald ist die Heimat des Skisports. Hier stand einst der erste Lift. Weltweit! Und es gibt nirgendwo sonst in der Welt solch eine Häufung von Weltcups wie bei uns, auch wenn aktuell jene in Neustadt ausgefallen sind. Das wird sich nicht ändern. Der Winter bleibt ein essenzielles Thema für uns und unsere Gäste, zumal er mittlerweile 40 Prozent der Übernachtungen generiert.
Der Sonntag: Vor drei Jahren wurde, um die Entwicklung am Feldberg nachhaltig und umweltverträglich zu gestalten, ein entsprechender Rahmenplan aufgelegt. Wo steht die Region diesbezüglich heute?

Der Plan wird weiter Zug um Zug umgesetzt und soll gemeinsam mit allen Beteiligten fortgeschrieben werden. Ich lade jeden ein, sich heute auf den Seebuck zu stellen und die Situation anzuschauen und mit den chaotischen Verhältnissen mit dem Autoverkehr und seinen Blechlawinen in früheren Jahren zu vergleichen. Das hat alles am Schotterparkplatz vor dem Haus der Natur ausgesehen wie Kraut und Rüben. Heute ist dagegen alles grün. Das Parkhaus war die richtige Entscheidung. Übrigens nicht nur im Winter.
Der Sonntag: Wagen wir den Ausblick: Wie wird sich die Skisaison in 10, 20 oder 30 Jahren gestalten?

Wir werden auch künftig im Hochschwarzwald Skifahren. Man kann nicht ausschließen, dass die Saison kürzer wird. Und dass wir den Sport in einem vertretbaren Rahmen absichern werden müssen, wie es andere Skigebiete auch tun.

Das Gespräch führteBernd Peters