Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
11. Februar 2012
Dünnes Eis für Schlittschuhläufer
Viele Seen sind nicht freigegeben / Zwei Unglücke in Baden.
FREIBURG. Das Eis trägt nicht. Obwohl es in Südbaden kalt ist wie lange nicht mehr und die Seen in der Region zufrieren, sind nur wenige zum Betreten freigegeben. Trotzdem wagen sich Menschen oft auf eigenes Risiko auf die Eisdecke. In Offenburg und Freiburg sind deshalb zwei Menschen in Seen eingebrochen und mussten in dramatischen Rettungsaktionen geborgen werden. Am Wochenende wird befürchtet, dass viele Ausflügler auf den Titisee wollen – aber auch der ist nicht dafür freigegeben.
Rot-weißes Flatterband wird Besuchern des Titisees am Wochenende am Ufer begegnen. Dazu Schilder, die davor warnen, den See zu betreten. Denn, trotz der Kälte, und obwohl an einzelnen Stellen schon 18 Zentimeter Eisdicke gemessen wurden, warnt die Stadtverwaltung davor den See zu betreten. Ist das Eis 18 bis 20 Zentimeter dick, gibt die Stadtverwaltung ihr Okay für die Eiswanderer, aber auch nur auf den ufernahen Teilflächen an der Promenade am Schwarzwaldhotel. An anderer Stelle ist das Eis derzeit aber wesentlich dünner – und damit gefährlicher.Werbung
In Freiburg und Offenburg missachteten zwei Menschen die Warnung vor zu dünnem Eis und sind eingebrochen. In Freiburg musste ein Mann musste am Donnerstagabend mit dem Hubschrauber aus dem Flückiger See gerettet werden. Es war eine dramatische und spektakuläre Aktion, bei der Hubschrauberpilot nur wenige Zenitmeter über dem Eis schwebte, während die Besatzung den Mann aus dem Eis zog. Der Mann war zuvor Schlittschuhlaufen – obwohl dort Warnschilder mit der Aufschrift "Eisfläche gesperrt! Lebensgefahr" standen. In Offenburg ist am Donnerstag ein Junge in einen See eingebrochen, der ebenfalls nicht freigegeben war und auf einer Seite noch nicht einmal gefroren war. Der Junge spielte mit seinen Freunden, als das Unglück passierte. Die Polizei konnte ihn gerade noch rechtzeitig aus dem Eis holen, fast zehn Minuten lang steckte der Zwölfjährige im kalten Wasser fest.
"Wenn es darum geht, welchen See ich betreten kann und welchen nicht, gibt es eigentlich nur eine Regel: Wenn der See freigegeben ist, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, sollte man die Finger davon lassen", sagt Philipp Golecki, der stellvertretende Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz in Freiburg. Ein freigegebener See ist meist mit Schildern als solcher gekennzeichnet. "Egal wie dick das Eis aussieht, ob es trägt, kann man mit bloßem Auge nicht feststellen", sagt er.
Das Freigeben selbst ist Aufgabe der Eigentümer der Seen, also in den meisten Fällen der Gemeinden. Es gibt keine feste Regel, wie dick die Eisdecke sein muss, damit Spaziergänger und Eisläufer drauf dürfen. "Alle Gewässer sind unterschiedlich. Manche haben zum Beispiel Strömungen oder sind am Ufer stark bewachsen. Das kann beides dazu führen, dass man dort schneller einbricht. Dementsprechend dicker muss das Eis sein", sagt Golecki.
Auf manchen zugefrorenen Seen stellen Seeeigentümer "Betreten auf eigene Gefahr Schilder" auf, damit sie für Unfälle nicht haftbar gemacht werden können. Andere Gemeinden geben ihre Seen grundsätzlich nicht frei – weil sie befürchten, dass sie dafür bezahlen müssten, falls etwas passiert.
Autor: Sebastian Wolfrum und unseren Lokalredaktionen
