Ende der Flaute?

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 26. August 2018

Südwest

Der Sonntag Freiburger Ökostromgruppe kündigt den Bau neuer Windkraftanlagen an.

Die Freiburger Ökostromgruppe rechnet damit, dass der Ausbau der Windkraft im Land schon in diesem Jahr wieder Fahrt aufnimmt. Geschäftsführer Andreas Markowsky kritisiert aber deutlich die Schieflage des Ausschreibeverfahrens, das Windkraft im Schwarzwald benachteilige.

2017 war für die Windkraftbauer und die Landesregierung ein Tiefpunkt: In Baden-Württemberg wurde nur ein Windkraftrad genehmigt. In den beiden Jahren davor waren es jeweils rund 100. Wäre dieses Tempo beibehalten worden, die Landesregierung hätte ihr Ziel, den Anteil an Windenergie bis 2020 auf zehn Prozent zu vergrößern, erreichen können. Momentan liegt der Anteil bei vier Prozent.

Die Freiburger Ökostromgruppe von Andreas Markowsky zeigt sich nun aber zuversichtlich, dass es mit der Windkraft wieder vorangeht. Im Land liegen mittlerweile 25 bis 30 weitere Genehmigungen für Windmühlen vor. Die Ökostromgruppe will selbst noch in diesem Jahr mit dem Bau von Windkraftanlagen beginnen. Insgesamt sind am Standort bei Biederbach im Landkreis Emmendingen drei neue Windmühlen geplant, bei Hausach und Seelbach in der Ortenau sind es fünf. Allerdings muss das Windkraftunternehmen noch eine zweite Hürde nehmen: Die Windmühlen müssen den Zuschlag durch die Ausschreibung bekommen. Nur dann werden sie gefördert. Dieses in der Branche umstrittene Verfahren hat die feste Einspeisevergütung abgelöst. Das Ergebnis war für den Süden Deutschlands ernüchternd: Fast alle Zuschläge gingen nach Norddeutschland, weil sich dort die Windkraftanlagen rentabler betreiben lassen.

Markowsky kritisiert das Verfahren als ungerecht, weil es die Transportkosten des Stroms von Nord- nach Süddeutschland nicht berücksichtigt. Zudem seien die schwierigen Bedingungen, eine Windmühle auf einer Berghöhe im Schwarzwald zu errichten, nicht berücksichtigt. Markowsky setzt nun darauf, dass die grün geführte Landesregierung Veränderungen im Verfahren durchsetzt. Trotz Schieflage zeigte sich Markowsky am Freitag in einem Pressegespräch zuversichtlich, dass die Ökostromgruppe ihre acht Windräder durch die Ausschreibung in den kommenden Wochen durchkriegt. Der Preis sei entsprechend vorsichtig kalkuliert worden. Bei einem Zuschlag könnte mit dem Bau der ersten Anlagen noch im Oktober begonnen werden.

Neue Windkraftanlagen kündigte Markowsky auch für die Standorte Freiamt, Rosskopf und Schauinsland bei Freiburg an. Dort sollen allerdings die bestehenden alten Anlagen durch neue ersetzt werden. In der Branche spricht man von "Repowering". Auf dem Rosskopf sollen nach der Vorstellung von Markowsky Anfang der 2020er Jahre zwei neue Windkraftanlagen die vier alten ersetzen, auf der Holzschlägermatte eher eine Anlage als zwei die beiden bestehenden. Sollten die neuen Anlagen auf dem Rosskopf an bürokratischen Hürden scheitern, wäre dies für Markowsky Ausweis einer gescheiterten Energiewende. Aber daran glaubt er nicht.

Lohnend ist ein "Repowering" allemal. In Schuttertal hat die Ökostromgruppe zwei alte Anlagen durch ein neues Exemplar ersetzt und erntet nun fünfmal so viel Strom. Die Anlagen neuen Typs sind rund 100 Meter höher als die alten und erreichen eine Gesamthöhe von rund 230 Metern. Die Rotorblätter sind 70 statt 35 Meter lang, getestet werden schon 100-Meter-Flügel.

Weltweit spricht Markowsky von einem Windkraftboom. Allein China baue alle zwei Jahre so viele Windanlagen, wie es in Deutschland gebe. Einen starken Zuwachs gebe es auch in Ländern wie den USA, Chile, Marokko und der Türkei. Der Grund dafür sei, dass Windkraft billig sei. Von den 40 Prozent erneuerbarer Energien in Deutschland stamme fast die Hälfte aus Windkraft, sagt Markowsky.

Die in den 1980er Jahren gegründete Ökostromgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende voranzubringen. Kernkompetenz des Unternehmens ist die Projektierung von Anlagen und die Umsetzung von Bürgerbeteiligungen.