Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

15. Juni 2012 14:58 Uhr

Wettbewerb

Exzellenz: Freiburg und Karlsruhe verlieren Elite-Status

Es war ein Rennen um Renommee und sehr viel Geld: 16 deutsche Unis kämpften um den begehrten Elite-Status. Jetzt gibt es elf strahlende Sieger – doch die Universitäten Freiburg und Karlsruhe gehören nicht mehr dazu.

Die Sieger der zweiten milliardenschweren Hochschul-Exzellenzinitiative von Bund und Ländern stehen fest. Am Freitag gegen 15.30 Uhr gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft bekannt, dass sich künftig elf Hochschulen mit dem Titel Elite-Universität schmücken dürfen – und die Freiburger Hochschule nicht mehr darunter ist. Zwar sind die Spemann-Graduiertenschule und die Cluster Bioss sowie das neue Cluster "Braintools-Brainlinks" in Freiburg exzellent. Allerdings hat die Uni im Exzellenzwettbewerb den hart umkämpften Titel Elite-Uni verloren – und damit auch die dazugehörige Finanzspritze in Millionenhöhe aus dem Programm.

"Es tut richtig weh, es ist unglaublich enttäuschend", sagte Unirektor Hans-Jochen Schiewer in einer ersten Stellungnahme im Freiburger Rektorat. "Wir sind mit unserem Zukunftskonzept gescheitert. Doch der Wettbewerb hat uns zusammengeschweißt, das ist entscheidend." Die Gutachter hätten nicht erlebt, "wie wir das Projekt gelebt haben", so Schiewer sichtlich bewegt. Da tat der Trost gut, den Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bereits per SMS an Schiewer geschickt hatte. Inhalt: "Wir lassen Sie nicht allein, wir telefonieren nachher".

Werbung


Grund für die Entscheidung gegen die Albert-Ludwigs-Universität soll das Freiburger Zukunftskonzept sein. Die Ideen der Freiburger für die eigene Zukunft wurden von Wissenschaftlern und Politikern als nicht ausreichend eingestuft. Die Forschungsleistung der Freiburger Exzellenz-Forscher sei dagegen als sehr gut eingestuft worden, sagte Wissenschaftsministerin Bauer.

Baden-Württemberg verliert zwei Elite-Unis

Ihren Status als Eliteuni verloren haben neben der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Georg-August-Universität Göttingen und die Universität Karlsruhe. Vor allem deren Abstieg überrascht. Die Uni steht wegen ihrer viel gelobten Zusammenarbeit mit der außeruniversitären Forschung besonders im Blickfeld der Bildungspolitik.

Baden-Württemberg verliert damit zwei Elite-Universitäten, gewinnt aber eine dazu: Denn die Uni Tübingen setzte sich im zweiten Anlauf in allen drei Förderlinien durch. Der Universität Tübingen, der zweitältesten Universität im Südwesten, winken nun um die 70 Millionen Euro Förderung von Bund und dem Land Baden-Württemberg für die kommenden fünf Jahre. Neben Tübingen dürfen sich auch die Münchner Universitäten, die FU Berlin, Konstanz, Heidelberg und RWTH Aachen sowie die Aufsteiger HU Berlin, Bremen und Dresden und Köln mit dem Elite-Siegel schmücken. Insgesamt tragen damit elf Hochschulen das Exzellen-Prädikat.

Ministerin Bauer: In der Summe absolut zufrieden

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Bauer sagte, in der Summe sei man absolut zufrieden mit dem Ergebnis des Exzellenzwettbewerbs. Der Verlust der Elite-Titel in Freiburg und Karlsruhe sei zwar schmerzlich, aber mit den Spitzenplätzen für Tübingen, Heidelberg und Konstanz sowie elf Graduiertenschulen und sieben Exzellenzclustern im Land habe sich Baden-Württemberg behauptet.

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon bedauerte die Entscheidung gegen die Uni Freiburg: "Eine erneute Bestätigung als Elite-Universität wäre einEntwicklungsschub für die Universität und die ganze Stadt gewesen. Der Wissenschaftsstandort wird aber weiterhin davon profitieren, was seit 2007 mit der Exzellenzinitiative erreicht worden ist."

2,7 Milliarden Euro gehen an ausgewählte Hochschulen

Insgesamt hatten sich sieben Universitäten neu um die Auszeichnung beworben. Nicht durchsetzen mit ihrem Zukunftskonzept konnten sich die Universitäten Bochum und Mainz. Die zweite und voraussichtlich letzte Runde des Wettbewerbs wird von vielen als die Wichtigste angesehen. Sie rechnen damit, dass die Sieger nach dem Ende der fünfjährigen Förderperiode mit einer gesonderten Unterstützung aus Bundesmitteln rechnen können.

Bund und Länder riefen das Programm 2005 ins Leben. 2006 und 2007 wurden die ersten Hochschulen für die Finanzspritze ausgewählt. In der ersten Runde stellte der Staat bis 2012 rund 1,9 Milliarden Euro für die Universitäten zur Verfügung. Gefördert wurden Vorhaben an 37 Hochschulen in 13 Bundesländern. Darunter waren 39 Graduiertenschulen und 37 große Forschungsprojekte. Neun Hochschulen bekamen den Status als "Elite-Uni" und konnten damit jeweils bis zu 13,5 Millionen Euro pro Jahr aus dem Programm einstreichen.

In einer zweiten Phase von 2012 bis 2017 gehen nun weitere 2,7 Milliarden Euro an ausgewählte Hochschulen. Das Geld fließt zum einen an die erfolgreichen Neubewerber und zum anderen an Projekte aus der ersten Phase, die verlängert werden.
Die bisherigen Elite-Unis

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Freie Universität Berlin
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Georg-August-Universität Göttingen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Universität Konstanz
Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München
Technische Universität (TU) München
.
Die neue Gruppe der Spitzen-Unis

Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Freie Universität Berlin
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universität Konstanz
Ludwig-Maximilians-Universität München
Technische Universität München
Humboldt-Universität Berlin
Universität Bremen
Technische Universität Dresden
Universität Köln
Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Mehr zum Thema:

Autor: Michael Brendler, Peter Disch, Alexandra Sillgitt, Florian Kech mit dpa (aktualisiert um 16.42 Uhr)