Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

23. Mai 2008

Fachhändler geht, Handyladen kommt

In der Freiburger Altstadt steigt die Zahl der Geschäfte fürs mobile Telefonieren auf 24 / Experte: "Boommarkt Nummer eins"

  1. Freiburg und der Handyboom: Wer in der Altstadt einen Handyladen sucht, der muss keine weiten Wege gehen: Sie belegen immer mehr auch die exklusiven Geschäftslagen. Foto: Brigtte Sasse

In Freiburgs Altstadt gibt es heute schon 23 Handy-Geschäfte. Wo immer ein Geschäft in bester Lage Platz macht, ist meist ein Handyladen als Ersatz zur Stelle. "Die Branche ist ein Boommarkt, die Youngsters machen denen das Geschäft", meint Herbert Lehner, Experte des Immobilienunternehmens Brockhoff & Partner. Die Flut der Handyläden kann auch Bernd Dallmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Messe und Touristik nicht gefallen. "Die Tarife fürs Handy-Telefonieren sind zu hoch, nur deswegen können die Anbieter die hohen Mieten zahlen", findet er.

Hemden-Herr am Bertoldsbrunnen ist gegangen, ein Handy-Geschäft ist eingezogen. Zum 1. Juli verlässt nun zwei Häuser weiter Tee-Peter die Kaiser-Joseph-Straße – und wer rückt nach? Handy-Geschäft Nummer 24. Vodafone habe das Rennen gemacht, hört man. In der Innenstadt sind längst alle großen Mobilfunk-Anbieter auf engem Raum vertreten: Vodafone bald an sechs Stellen, O2 und T-Mobile gleich viermal. Und auch alle weiteren Konkurrenten finden sich zwischen Schwabentor und Hauptbahnhof, Dreisam und Friedrichring. Und: Sie belegen immer häufiger die exklusiven 1a-Lagen, wo Mietpreise von um die 120 Euro pro Quadratmeter Ladenfläche verlangt und gezahlt werden. Immer wenn ein Handy klingelt, dann klingelt’s auch in der Kasse der Anbieter. Und dort klingelt es zu viel, meint FWTM-Chef Dallmann: Dass sich die Handyläden die teuersten Standorte leisten können, ist für ihn ein Indiz, dass die Gewinnspannen zu hoch sind. Letztlich zahlten die Kunden die Mieten.

Werbung


Die Mobilfunkanbieter dagegen verweisen auf den Bedarf und die Nachfrage. "Es ist zwangsläufig so, dass es in einer Stadt von einer gewissen Größe an mehrere Shops geben muss", sagt Jens Helldobler, Sprecher der Vodafone-Niederlassung Rhein-Main. Beratung werde nachgefragt – und das nicht nur, wenn es um neue Verträge, sondern eben auch um Vertragsverlängerungen und um Handy-Wechsel gehe. "Die Innenstädte sind für uns wichtig, weil da die Publikumsströme sind", so Helldobler. 1600 Shops unterhält allein Vodafone in Deutschland, eine weitere Zunahme sei nicht geplant: "Oft sind es aber auch nur Verlagerungen."

Die starke Präsenz der Mobilfunker überrascht Immobilienexperten Herbert Lehner von Brockhoff & Partner nicht. Das Essener Unternehmen untersucht regelmäßig den Filialisierungsgrad (die Anzahl der Ketten-Betriebe) in den deutschen Innenstädten. "Das Handy steht an erster Stelle vor allen anderen Konsum-ausgaben", hat Lehner festgestellt. Die Telekommunikationbranche wachse als gesamte Geschäftswelt, während andere Einzelhandelsbranchen stagnierten.

Befeuert wird Expansion in 1a-Lagen auch vom scharfen Wettkampf der Mobilfunkanbieter untereinander. "Man will omnipräsent sein, damit der Kunde nicht aus Versehen in ein Geschäft der Konkurrenz hineinstolpert", meint Manfred Noppel, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Südbaden. Wie Noppel rechnet auch Günter Fuß, Geschäftsführer der Händlervereinigung "Z’Friburg in der Stadt", dass irgendwann einmal das Ende des Handybooms eingeläutet wird. "Im Moment können wir leider nichts ändern", meint Fuß schulterzuckend, "wer sonst kann solche Mieten bezahlen?" Aber irgendwann werde der Trend dazu führen, dass Freiburg in seinem Angebot verflache: "Je verwechselbarer wir werden, desto weniger interessant werden wir für die Kunden", so Fuß.

FWTM-Chef Dallmann glaubt, dass die kleineren inhabergeführten Geschäfte in Gerberau und Fischerau und in der Oberen Altstadt ihr Refugium und ihre Kunden behalten werden. Und, so sagen Handelsexperten, Toplagen seien immer schon den aktuellen Markttrends ausgesetzt gewesen. Die Nachfrage ist vorhanden: Freiburg gilt – nicht nur bei Handy-Anbietern – als heiß begehrter Standort, auch wegen des großen Einzugsgebietes, das bis hinein ins Elsass und in die Schweiz reicht. Beim Einzelhandelsverband stapeln sich die Anfragen nach Ladenflächen in allen Größen, darunter seien auch solche von namhaften Filialisten, die nach einem Standort in bester Lage suchen, berichtet Geschäftsführer Noppel.

Autor: Joachim Röderer