Fünf Jahre mit einer Nadel im Unterleib

dpa

Von dpa

Mi, 12. Dezember 2018

Südwest

Die Patientin, die im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm behandelt wurde, geht erneut vor Gericht.

STUTTGART (dpa). Reiten? Lieber nicht. Mit den Kindern auf dem Trampolin springen? Auch nicht so gut. Eine 30-Jährige aus Aalen lebt mit einer Operationsnadel im Unterleib. Seit fünf Jahren. Stürze sollte sie tunlichst vermeiden, raten ihr die Ärzte. "Ich lebe mit erheblichen Einschränkungen, jeden Tag", erzählt die Frau am Dienstag in Stuttgart. Dort verhandelt das Oberlandesgericht über den ungewöhnlichen Fall, der zurückreicht bis zu einer Nierensteinoperation am renommierten Bundeswehrkrankenhaus in Ulm im März 2013. Die heute 30-Jährige hatte sich die Klinik für den Eingriff selbst ausgesucht. Doch dann blieb eine von vier eingesetzten, knapp zwei Zentimeter langen Operationsnadeln in ihrem Körper zurück. Gut sichtbar bis heute bei Röntgenaufnahmen. Das Beunruhigende: Mindestens ein Mal hat sie sich schon bewegt. Aktuell liegt sie tief drin an einem Lendenmuskel, wie es heißt.

Dass sich nun auch noch der Bund als Träger des Krankenhauses in Ulm weigert, Schadenersatz und Schmerzensgeld zu zahlen, macht die Betreiberin eines Nagelstudios sauer. Das Landgericht Ulm hatte der Frau in erster Instanz 13 000 Euro und rund 2000 Euro Schadenersatz zugesprochen. Herausoperieren möchte die Frau die Nadel nicht. Zumal jede OP ein Risiko birgt – und Ärzte ihr abgeraten hätten.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Reder macht nun bei der Berufungsverhandlung klar, wie die Kammer zu der Sache steht: "Wir sehen keinen Grund, von der Haftung wegzukommen", sagt er in Richtung des Vertreters des Verteidigungsministeriums. Heißt: Der Bund muss zahlen. Wie viel, ist noch offen, Gespräche laufen. Die Entscheidung will das OLG am 20. Dezember verkünden.