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20. Mai 2011 14:06 Uhr

Rheintalbahnstrecke

Güterzug mit giftigen Stoffen auf der Bahnstrecke bei Müllheim entgleist

Auf der Bahnstrecke Karlsruhe-Basel ist ein Güterzug entgleist, der Gefahrgut geladen hat. Das Unglück ereignete sich nahe des Bahnhofs Müllheim. Die Rheintalstrecke ist voll gesperrt, der Fernverkehr ist in beiden Richtungen lahmgelegt.

Bei dem Unglück entgleisten gegen 13 Uhr acht Waggons. Vier davon stürzten um, einer davon war wohl einer mit einem leicht entzündbaren giftigen Stoff beladen. Einer dieser Waggons soll leckgeschlagen sein (Fotos). Bei dem Unfall am nördlichen Eingang des Bahnhofs gab es keine Verletzten. Die Informationslage ist auch Stunden nach den Unfall immer noch unübersichtlich.

Nach neusten BZ-Informationen konnten mittlerweile drei Chemikalien in den umgekippten Waggons festgestellt werden: Dazu zählt das Frostschutzmittel Glysantin, das in geringen Mengen austritt. Außerdem wurden das harmlose Talkumpulver und eine feuergefährliche Harzlösung in den Behältern festgestellt. Nach Angaben der Feuerwehr treten diese beiden Stoffe nicht aus.

Nach Information des Pressesprechers der Bundespolizei in Weil am Rhein, Helmut Mutter, ist die Kommunikationslage vor Ort weiter sehr schlecht. Zur Feuerwehr vor Ort besteht von Seiten der Polizei kein Funkkontakt – wegen der Explosionsgefahr.

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Die Waggons werden von einem Feuerwehrtrupp in Schutzanzügen untersucht. Elektrische Geräte wie Handys oder Funkgeräte dürfen nicht benutzt werden. Die Einsatzkräfte untersuchen Waggon nach Waggon, um zu klären, was diese geladen haben. Nach Angaben der Polizei gibt es rund um die Unglücksstelle eine starke Geruchsbelästigung.

Als einer der ersten war Thomas Gerbert von der Landespolizei vor Ort. "Wir hatten Glück im Unglück. Der Unfall ist am Anfang des Bahnhofs passiert. Daher haben wir keine Verletzten zu beklagen. Mein erster Eindruck war grauenvoll. Ich hatte den Eindruck, dass bewältigen wir nicht so schnell. So einen extremen Bahnunfall habe ich noch nie erlebt", sagt Gerbert gegenüber der Badischen Zeitung.

"Die genaue Art des Gefahrstoffs ist weiter unklar. Es handelt sich aber wohl um einen giftigen Stoff. Insgesamt sind bei dem Unfall acht Waggons entgleist, vier davon sind umgekippt. In drei der umgekippten Waggons befindet sich der giftige Inhalt", so Steffen Zaiser, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Stuttgart.

Augenzeugen geschockt

Ein Auszubildender der Bahn sagte gegenüber der BZ: "Nach dem Unglück habe ich nur noch eine große Staubwolke auf der Strecke gesehen. Ich bin ziemlich erschrocken. So etwas hab ich noch nie gesehen."

Der über 20 Waggons lange Zug der Bahntocher Schenker war von Köln nach Gallarate in Italien unterwegs. Der dort angesiedelte Bahnterminal Busto Arsizio liegt 20 Kilometer von Mailand entfernt. Der Terminal ist ein bedeutendes Drehkreuz für den Güterverkehr zwischen Italiens Häfen und den Güterbahnhöfen und Häfen in Deutschland, der Schweiz, in Belgien, Dänemark und Schweden.

Zone rund um den Bahnhof geräumt

Für Feuerwehr und Rettungsdienste wurde Großalarm ausgelöst. Etwa 200 Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis sind vor Ort. Über dem Gebiet kreist ein Hubschrauber der Polizei. Die Unfallursache ist noch unklar. Ersten Erkenntnissen zufolge könnten sich einzelne Waggons von der Lok getrennt haben und sind dann entgleist. Der Bahnhof in Müllheim wurde komplett evakuiert. Die Feuerwehr sondiert unter schwerem Atemschutz die Lage. Der Bahnhof ist zur Sperrzone erklärt worden und kann nicht betreten werden.
Die Feuerwehr und die Rettungsdienste räumten in einem Umkreis von 100 Metern rund um den Bahnhof Gebäude und brachten Menschen in Sicherheit. Evakuiert wurden unter anderem ein Hotel und die Räume der Zentralgenossenschaft.

Betroffen waren 250 bis 300 Menschen. Durch den Unfall wurde die Oberleitung an der Unglücksstelle beschädigt, ebenso Gleise.

Räumgerät fehlt noch

Die Bergung der havarierten Waggons dürfte eine ganze Weile dauern. Schweres Räumgerät ist auch am Freitagnachmittag noch nicht eingetroffen. Wie lange die Strecke gesperrt bleibt, ist unklar – heute geht nach Angaben der Bahn auf jeden Fall nichts mehr. Vor Ort hat die Polizei derweil eine Pressestelle in einem Zelt eingerichtet.

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Autor: Volker Münch, Frank Zimmermann, Franz Schmider, Oliver Huber, Peter Disch, Katharina Meyer, Stand 17:07 Uhr