Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
07. Juli 2008
Gut und peinlich kommen weiter
Alle andern fliegen beim Pro-7-Casting für die nächste Popstars-Staffel raus / Enttäuschend gesittete Veranstaltung im Europa-Park
RUST "Popstars" rief, und die Mädels kamen: Rund 500 Kandidatinnen haben sich am Samstag im Europa-Park eingefunden, um vor Deutschlands bösestem Rapper Sido und Pop-Sternchen Loona Stimme und Ausstrahlung unter Beweis zu stellen. Das Pro-7-Casting, eines von Vieren deutschlandweit für die siebte Staffel, lockte Mädchen aus ganz Süddeutschland an – und gab einen kleinen Einblick in die ganz eigenen Regeln der Show.
Eigentlich läuft alles enttäuschend gesittet ab. Das, was man später zusammengeschnitten im Fernsehen zu sehen bekommen wird – Freudentränen und Wut, große Gefühle und kleine Nickeligkeiten – ist nur am Rande anzutreffen. Ruhig warten die Kandidatinnen im Foyer des Europa-Park Dome. Sie liegen in weichen Sitzkissen, schwatzen und gehen konzentriert noch einmal ihre Texte durch. Manche singen leise vor sich hin, andere hübschen sich noch einmal vor der aufgestellten Spiegelfront auf. Modische Ponyfrisuren, auffällige Ohrringe, enge Hosen. Nicht nur die Stimme zählt beim großen Auftritt, sondern ebenso das Outfit."Es ist überraschend gut organisiert", erklärt die 18-jährige Elena Burger, die mit ihrer Freundin Elena Molle gekommen ist. Die beiden Schülerinnen aus Ettenheim hängen fast gelangweilt in ihren Kissen und lassen verbissenen Ehrgeiz gänzlich vermissen. Sie nehmen teil, weil es eben in der Nähe ist, und weil die eine Elena ohnehin im Europa-Park arbeitet. "Die Schule würden wir aber nie dafür sausen lassen", beteuern beide.
Werbung
Allgemein stapeln vor allem die Mädchen aus der Umgebung betont tief. Oft ist es die Neugier, die sie hergeführt hat, weniger die konkrete Hoffnung auf Ruhm und Rampenlicht. Andere aber, wie Ricarda Hübner aus der Nähe von Göppingen, haben ganz bewusst weite Wege auf sich genommen. Die 21-Jährige möchte unbedingt auf die Bühne: "Vor vielen Leuten zu singen, das ist wie Fliegen."
Nach der ersten Vorauswahl kommt immer ein Teil der Mädchen in die nächste Runde; vier Runden sind es insgesamt, und ebenso viele Kandidatinnen werden schließlich bis Sonntag Abend übrig bleiben. Am Samstag fehlt "Tanzmaschine" Detlef D! Soost in der Jury. Er ist mit der Popgruppe Monrose unterwegs. Dafür hören Rapper Sido – schlechtes Vorbild von Beruf – und Bailando-Sängerin Loona – heute in Pink – den Mädchen beim Singen zu und versuchen nur manchmal, ein bisschen gemein zu sein. Ihr Urteil wirkt oft unbeholfen, fast willkürlich. Wer ausscheidet, nimmt es meist gelassen. Manche aber, vor allem die Jüngeren, weinen ein wenig.
Dafür gibt’s reichlich Gelegenheit, sich schon mal als Star zu fühlen. Mehrere Kamerateams sind auf der Suche nach Geschichten rund um die Show, und am liebsten interviewen sie Mädchen, die aus der Reihe fallen – gerne auch negativ.
Wie ähnliche Formate funktioniert "Popstars" in dieser Phase vor allem mit Superlativen. Die erste Vorauswahl findet noch ohne Jury und Kamera statt: Hier wird entschieden, wer weiterkommt und dann gefilmt wird – und das sollen, so wird gemunkelt, nicht immer die Talentiertesten sein. "Nur die ziemlich Guten und die ziemlich Peinlichen werden weiter gelassen", sagt ein Mädchen, das seinen Namen nicht nennen will.
Natalie Blust (20) aus Kenzingen, die in die zweite Runde gekommen ist, sorgt sich daher ein bisschen: "Hoffentlich sehe ich mich nicht bei Stefan Raab." Denn Pro 7 weiß, wie Synergien geschaffen werden: Wenn Ende August die Bilder dieses Tages im Fernsehen laufen, dann wird auch der TV-Total-Entertainer wieder die peinlichsten Momente aus dem Casting reproduzieren.
Autor: Carina Braun





